Cowfunding: Hier kannst Du Fleisch direkt von kleinen Landwirten online kaufen

Gina Kutkat

Ins Internet gehen, sich ein Rind aussuchen, dessen Fleisch bestellen und es vom Landwirt geliefert bekommen – so funktioniert Cowfunding Freiburg. Diese Woche ist die Plattform an den Start gegangen.

Es waren einmal zwei Landwirte vom Schauinsland, die hatten eine Mission: Sie wollten gutes Fleisch von glücklichen Tieren verkaufen. Dafür gründeten sie eine Online-Plattform, auf der sich Städter fortan die Tiere aussuchen konnten, deren Fleisch sie kaufen wollten. Die Städter wussten seitdem, woher ihr Fleisch kam, und die kleinen Landwirte verloren kein Geld mehr an den Einzelhandel.


Was sich liest wie ein Märchen, wird in Freiburg jetzt von Moriz Vohrer und Jochen Baltins verwirklicht. Die beiden Landwirte vom Schauinsland starten diese Woche ihr sogenanntes Cowfunding-Projekt. Ein Startup aus der Grünhof-Gründerschmiede, das Landwirten die Möglichkeit bietet, ihre Tiere direkt an die Endkunden zu vermarkten. Das Prinzip dahinter steckt im Namen: Es geht um die Finanzierung ("funding") einer Kuh ("cow"): "Alles beginnt beim kleinen Landwirt, der Bilder von den Tieren hochlädt, die er vermarkten möchte", sagt Moriz Vohrer.

Online oder offline ein Tier auswählen und mitverfolgen

Freiburger können sich dann online ein Tier auswählen, ein Päckchen Lamm oder Rind bestellen und anhand eines Prozentbalkens mitverfolgen, wie viele Teile von dem Tier bereits verkauft sind. Möglich ist auch eine Bestellung auf dem Stühlinger-Markt am Samstag, auf dem Vohrer mit einem Stand vertreten ist.

"Die Kunden werden auf dem Laufenden gehalten, wann und wo das Tier zum Metzger gebracht wird", so Vohrer. Wurde das Tier geschlachtet, bringt der Landwirt es zur Übergabe nach Freiburg. "Das ist uns besonders wichtig, damit die Verbindung zwischen Kunde und Landwirt wieder hergestellt wird." Für die Abholung hat sich das Cowfunding-Team mit einigen Paten zusammengetan – eine Station ist beispielsweise das Anura im Stühlinger.

Von 125 Höfen nur 5 im Vollerwerb

Hintergrund des Projekts ist die schwierige Lage der Landwirtschaft im Schwarzwald. Vohrer, der 15 Jahre im Stühlinger lebte, bevor er den Hof seiner Eltern im Münstertal übernahm, kann sich davon täglich ein Bild machen. "Von 125 Höfen im Münstertal sind nur fünf im Vollerwerb. In vielen Orten im Schwarzwald sieht es ähnlich aus", sagt er.

Cowfunding soll den kleinen Teilzeit-Landwirten helfen, ihr Fleisch ohne Zwischenhändler zu verkaufen, "sodass sie etwa 30 Prozent mehr Geld für ihr Fleisch bekommen." Für ein Kilo Rindfleisch zahlt man beim Cowfunding 20, für ein Kilo Lammfleisch 24 Euro.

Der Wunsch, die Menschen aufzuklären

Die Idee zu Cowfunding entstand durch Vohrers erstes Projekt, die "Berglämmle": Er züchtet im Münstertal Heidschnucken, für die Interessenten eine Patenschaft übernehmen können. Gegessen wird dann das Lamm, das man vorher unterstützt hat. Weil zwei seiner Nachbarn ihn darauf hinwiesen, dass es auf dem Schauinsland auch viele Rinder gibt, kam Moriz Vohrer auf die Idee mit dem Cowfunding.

Was Vohrer bei all seinen Projekten antreibt, ist der Wunsch, die Leute aufzuklären: "Während man sich in den Supermärkten Freiburgs fragt, woher eigentlich das Fleisch kommt, sterben 30 Kilometer außerhalb der Stadt die Bauernhöfe und lassen den Schwarzwald zuwachsen."

Anvisierte Lieferzeit: Eine Woche

Das Cowfunding-Projekt läuft derzeit unter dem Dach des Ökonauten-Förderprogramms des Grünhofs. Auf finanziellen Füßen stehe das Ganze laut Vohrer erst, wenn es rund läuft. Aktuell beträgt die Lieferzeit für ein Päckchen Fleisch 4 Wochen, anvisiertes Ziel ist eine Woche. "Je mehr Leute bestellen, desto schneller wird ein Anhänger voll", so Vohrer.
Website: Cowfunding-Freiburg

Ökonauten: Förderprogramm für Startups

Stühlinger Markt:
samstags, 8 bis 13 Uhr

E-Mail:
moriz@cowfunding-freiburg.de

Telefon:
0178-3488 717