"Siegheilson"

Cottbus-Fan soll Nazi-Trikot bei Pokalspiel gegen Freiburg getragen haben

Daniel Laufer

"Siegheilson" steht auf dem Trikot, das ein Fan von Energie Cottbus beim Pokalspiel gegen den SC Freiburg im Stadion getragen haben soll. Der Verein sagt, der Mann habe das Trikot selbstbedruckt. Jetzt ermittelt die Polizei.

"Siegheilson" steht auf dem weißen Trikot, das ein Fan von Energie Cottbus im Stadion der Freundschaft zeigt. Es handelt sich dabei offensichtlich um eine Anspielung an eine Nazi-Parole. Ein Foto davon kursiert seit Dienstagmorgen in den sozialen Medien. Unklar ist, wer es aufgenommen hat. René Garzke, Redakteur der Potsdamer Neuesten Nachrichten, hat das Foto bei Twitter veröffentlicht. Ein Leser habe es ihm weitergeleitet, teilt Garzke auf Nachfrage mit.


Wahrscheinlich sei es am Montag entstanden, beim Pokalspiel gegen den SC Freiburg (Endstand 3:5 n. E. für Freiburg). Das scheint plausibel: Erst zum vierten Mal hat der Drittligist Energie Cottbus da im eigenen Stadion gespielt, seit das neue Heimtrikot verkauft wird. Vereinssprecher Stefan Scharfenberg-Hecht bestätigt, dass das Bild eine Schlange vor einem der Versorgungsstände zeigt.

"Wir haben nicht ’Siegheilson’ geflockt."Stefan Scharfenberg-Hecht, Sprecher Energie Cottbus

Auch er hat die Aufnahme schon bei Twitter gesehen, am Vormittag habe der Verein gleich in die Unterlagen geschaut. "Das Trikot haben wir selber herstellen lassen, die Nummer ist auch von uns, aber: Wir haben nicht ’Siegheilson’ geflockt – das ist Fakt", sagt Scharfenberg-Hecht der Badischen Zeitung. Die Schriftart sei öffentlich zugänglich. Der Fan hat den Namen wohl selbst aufgedruckt.

Wer hat die Nummer 66 bestellt?

Keiner der Cottbusser Spieler läuft mit der Nummer 66 auf. Bei dem Trikot, das der Mann auf dem Foto trägt, handelt es sich offenbar um eine Individualbestellung. Wie oft die Nummer 66 verkauft wurde, könne er noch nicht sagen, so Scharfenberg Hecht. Einige hundert Menschen hätten das weiße Heimtrikot seit Anfang Juli bestellt. "Wir haben den Online-Shop, aber auch Dienstleister, wo das die Bestellungen in handschriftlichen Listen erfasst werden. Am Tag danach können wir das noch nicht alles nachvollziehen."

Als Parole einer verfassungswidrigen Organisation ist "Sieg Heil" verboten. Die Polizeidirektion Brandenburg Süd hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen, wie ein Sprecher mitteilt. Sie wolle Videoaufzeichnungen aus dem Stadion überprüfen und Zeugen vernehmen.

Die Sicherheitskräfte wollen nichts mitbekommen haben von dem Mann, der mit einem "Siegheilson"-Trikot ins Stadion gelangt zu sein scheint. "Wir hätten das sofort mit einem Stadionverbot geahndet. Aber unser Ordnungsdienst hat davon keine Kenntnis erlangt", sagt Scharfenberg-Hecht. Auch die Polizei teilt mit, sie habe erst am Dienstag durch das Foto von dem Trikot erfahren.

Verfassungsschutz beobachtet Cottbusser Nazi-Hooligans

Es ist schon das zweite Mal innerhalb weniger Monate, dass ein rechtsextremen Vorfall in der Fanszene von Energie Cottbus erst im Nachhinein für Empörung sorgt – als er schon durch die sozialen Medien geht. Als Fans des Vereins im Mai den Aufstieg in die 3. Liga feierten, hielten Anhänger auf dem Altmarkt ein Transparent mit der Aufschrift "Aufstieg des Bösen" hoch – dem Titel eines Dokumentarfilms über Adolf Hitler. Mehrere Personen trugen dabei Mützen des rassistischen Ku-Klux-Klans. Polizisten sollen tatenlos zugesehen haben. Anschließend wurden mehrere Beamte suspendiert.

Immer wieder hat Energie Cottbus mit dem Rechtsextremismus in der eigenen Fan-Szene zu kämpfen. Der Verfassungsschutz Brandenburg beobachtet zwei Hooligan-Gruppierungen, "Inferno Cottbus" und deren mutmaßliche Nachwuchsorganisation "Unbequeme Jugend". Bei einem Spiel im Frühjahr 2017 sollen ihre Anhänger unter anderem den "Hitlergruß" gezeigt, und schließlich den Platz gestürmt haben. "Inferno Cottbus" will sich nach eigenen Angaben inzwischen aufgelöst haben, der Verfassungsschutz hält das aber für eine Täuschung: Die Gruppe wolle so lediglich ihrem Verbot entgehen. Im vergangenen Jahr hätten einige Mitglieder gemeinsam das Rechten-Musikfestival "Rock für Deutschland" in Thüringen und das rechtsextremistische Kampfsporturnier "Kampf der Nibelungen" in Nordrhein-Westfalen besucht.

Der Verein hat gegen "Inferno Cottbus" und die "Unbequeme Jugend" ein Erscheinungs- und Auftrittsverbot ausgesprochen. Das heißt: Mitglieder dürfen keine Schals oder Banner mehr mit ins Stadion bringen, auf denen ihre Symbole zu sehen sind. Darüber hinaus gibt sich Vereinssprecher Stefan Scharfenberg-Hecht machtlos. "Wer polizeilich bekannt ist, oder Straftaten verübt hat, und im Zusammenhang mit Spielen des FC Energie Cottbus auffällig geworden ist, hat bei uns Stadionverbot. Ansonsten hat ein Fußballverein wenig Handhabe."

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