Conscious Trap statt Gangster-Gehabe: Drei Freiburger Rapper veröffentlichen eine EP

Laura Wolfert

Die drei Freiburger Rapper Tarantino, Nuname und MI haben eine gemeinsame EP veröffentlicht: Schwarz-Weiß heißt die Platte, bei der Trap-Beats auf sozialkritische Texte stoßen.

"Was ist nur passiert, was ist aus uns geworden?", heißt es in "Ich glaub daran" – einer der sechs Songs der Schwarz-Weiß EP von Tarantino, MI und Nuname: Drei Freiburger, aus denen nach knapp über zehn Jahren nicht nur Rap-Kollegen, sondern auch beste Freunde geworden sind. "Die Musik ist einfach der Mittelpunkt unserer Freundschaft und das hat uns auch menschlich weitergebracht", sagt MI.


Er kennt Nuname bereits seit seiner Jugend und schrieb vor knapp zwölf Jahren Tarantino spontan via MySpace an. "Seitdem machen wir gemeinsam Musik", so der Rapper. Die Schwarz-Weiß EP sei aber das erste gemeinsame Projekt, das auch offiziell auf Spotify erscheint – und so nicht nur im Freiburger Untergrund Bekanntheit erlangen soll.



Alle drei Crew-Mitglieder rappen, Tarantino produziert zusätzlich die Beats. Das gemeinsame Studio liegt nahe der Freiburger Innenstadt. Hier entstehen die Texte der aktuellen EP, eine Sammlung aus den vergangenen, gemeinsamen Jahren. Doch das Studio ist weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. "Hier chillen wir zusammen, sind Homies", so MI. "Wir gehen nicht in das Studio, um uns direkt verkrampft an die Rechner zu setzen und Musik zu machen. Wir treffen uns und reden miteinander. Dabei entstehen Bilder im Kopf, die wir dann umsetzen".

Das Gefühl, das während den Gesprächen entsteht, verwandelt Tarantino in Sounds. Er wählt Drums aus, spielt Melodien ein und lässt sie laut laufen. Seine beiden Kollegen geben dabei Impulse. So entstand neben einzelnen Solo-Projekten nach knapp zwei Jahren die aktuelle gemeinsame Platte.

Was fehle, seien die Farben in der Welt

Der Titel "Schwarz-Weiß" bezieht sich auf das einseitige Denken, das nach den drei Musikern in der Gesellschaft herrscht und in ihren Texten behandelt wird. "Wir sind abgestumpft" und "Ich bin schuldlos schuldig", heißt es dabei in zwei der gleichnamigen Songs. Was fehle, seien die Farben in der Welt. "Am besten lässt sich die Gefühlslage mit Farbe beschreiben – und die ist allgemein eher dunkel. Dementsprechend sind die Bilder, die uns bei gemeinsamen Gesprächen durch den Kopf gehen", sagt Nuname.

Was die Drei als "dunkel" bezeichnen erinnert an das vergangene Album "Hurra die Welt geht unter" der Straßenrap-Gruppe KIZ: Ernste Grundstimmung, bedrohlich zupfende Saiten und tiefe, düstere Beats. Trap lastig, aber niemals trist – immer mit einer gewissen "Fuck-You-Attitüde", die den Kopf im Takt nicken lässt.



Dabei ist das Tape keine Mukke zum feiern, pumpen, oder tanzen. Man muss und will den drei Rappern zuhören, was sie einem in ihren sechs Tracks erzählen. Die Platte wirkt beim mehrfachen Hören immer besser – und man sieht förmlich, wie die Farben vor den eigenen Augen schwinden. Hinzu kommt eine Priese Sarkasmus und Ironie.

Tarantino, MI und Nuname bezeichnen ihre Musik daher als "Concious Trap": Ein untergeordnetes Rap-Genre mit Trap-Beats, deren Texte meist sozialkritisch sind und sich vom typisch protzenden – eher aggressiven – Gangsta-Rap unterscheiden. So gehört Freundeskreis oder Advanced Chemistry zu den Vertretern der Conscious-Deutschrap-Szene. Kendrick Lamar und 2Pac zu den amerikanischen – und diese zählen sogar zu den musikalischen Einflüssen Tarantinos.

Die Drei sind in der Freiburger Szene vernetzt

Doch neben Amy-Rap, akustischer Instrumentalmusik, Dancehall und Klassik, hören die Drei auch Musik von Freiburg Locals – und unterstützen sie, stellen etwa ihr Studio zur Verfügung. Außerdem hat Tarantino vier Beats für die EP des Freiburger Rappers EazyOno und weitere Tracks für Cossu produziert. Tarantino ist nicht nur in der Freiburger Szene bekannt: So war er bereits im Vorprogramm von Bülent Ceylan und Gewinner des New Contest von Eko Fresh.

Man unterstützt sich gegenseitig. So ist es auch Rapper Escape, der das Album-Cover des Schwarz-Weiß-Tapes designt: Eine Pyramide, die sich aus grauen Dickicht-Wolken raus ragt und sich vor einem feuerroten Mond im dunklen, lilafarbenen Himmel und Sternen stellt. Es ist eines der einprägsamen Bilder, die in den Köpfen der Rapper entstehen, wenn sie als Freunde gemeinsam in ihrem Studio Zeit verbringen. So kann man nach diesem Tape gespannt sein, wenn das nächste gemeinsame Projekt erscheint und es heißt: "Was ist nur passiert, was ist aus uns geworden?"
Das Album der Jungs gibt es in voller Länge auf Spotify.

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