Comunio - Klicken vorm Kicken

Fabian

Comunio: ein Online-Fußballmanager, 350 000 Accounts, Suchtgefahr. Warum ist Comunio so beliebt? Worin besteht der Reiz? Ich habe einen Comunio-Zocker einen Samstag lang begleitet und bin diesem Phänomen nachgegangen.



Es ist Samstag. Kurz vor halb vier. Die Sonne scheint, ausnahmsweise. Ich befinde mich in der abgedunkelten Stusie-Bar. Es riecht ein bisschen nach abgestandenem Rauch und Schweiß von der letzten Party. Die Plastikstühle stehen vor der Großleinwand in Reih und Glied. "Wilkommen zur Premiere-Live-Konferenz", begrüßt mich ein schmierig smarter Moderator. Die wenigsten Stühle sind besetzt. Es ist schließlich schönes Wetter, ausnahmsweise, und wer setzt sich da schon in ein dunkles Loch mit abgestandener Luft. Ich schaue mich um und denke, heute kommen nur die Hartgesottenen, die Fußball-Süchtigen, die Fans, die "Comunionisten".


Ich gehe zur Bar und mache das, was hier alle machen - über Fußball philosophieren. Kahn oder Lehmann? - "Lehmann" sage ich, ganz klar! Allein schon über dieses Thema scheint es, könnte man hier Stunden diskutieren. Geht aber nicht, gleich ist Anpfiff. Also, noch schnell einen Hot-Dog und ein Bier holen (ja genau, schon nachmittags, aber das gehört sich hier so) und ab vor den Bildschirm.

Dort treffe ich Andy Strauß Andy ist fußballverrückt und das schon seitdem er laufen kann. Früher hat er Panini-Bilder gesammelt, während der WM 1990, als Deutschland Weltmeister wurde. "Mein Album war komplett, ich hatte alle Spieler", sagt der Freiburger VWL-Student noch immer ein bisschen stolz. Heute sammelt er natürlich keine Fanaufkleber mehr. Heute spielt er comunio.

Normalerweise hat er Samstags um halb vier sein Schalke Trikot an, aber Schalke spielt erst am folgenden Tag gegen Duisburg (und wird nur unentschieden spielen, aber das weiß er zu diesem Zeipunkt nicht). Wir setzen uns, die Konferenz beginnt. Seit fast vier Jahren spielt Andy den Online-Fußballmanager Comunio, "mehr oder weniger erfolgreich".

Das Spielprinzip:

Man erstellt eine Spielgemeinschaft (Community) mit Freunden oder Fremden. Zu Sasionbeginnt bekommt jeder 15 Spieler zugelost und dazu ein Spielgeld in Höhe von 20 Millionen. Andere Option: 40 Millionen Spielgeld und keine Spieler. Mit Hilfe des Transfermarkts kann man neue Fußballer kaufen und unerwünschte verkaufen. Jeden Spieler gibt es in der Community nur ein Mal. Die aufgestellten Bundesligakicker bekommen Punkte. Diese setzen sich aus den geschossenen Toren, den erhaltenen Karten und der sportjournalistischen Note von sportal zusammen. Noten gibt es wie in der Schule von eins bis sechs. Für eine Eins gibt es zwölf Punkte, für eine Sechs minus acht. Ziel ist es, so viel Punkte wie möglich am Ende der Saison zu haben.

"Tooooooooooooor in Dortmund" schreit der Kommentator aus den Boxen. "Berbatov, Berbatov... bitte bitte! Komm schon!" sagt Andy. Wieso will ein Schalkefan, dass ein direkter Konkurrent seiner Lieblingmannschaft um die Uefa-Cup Plätze in Führung geht? Wegen des Comunio-Phänomens, natürlich. Um das zu erläutern, muss man wenige Stunden zurückschauen.



Andy sitzt zu Hause vor seinem PC und informiert sich über den Zustand seiner Spieler: Kicker, sport1, sportal und die Vereinshomepages. Wer in der Tabelle oben stehen will, kann es sich nicht leisten einen Stürmer aufzustellen, der vielleicht verletzt ist. "Okay, mein Sturm ist fit: Hanke, Smolarek, Klasnic und Berbatov spielen schon einmal". Das bringt ihn aber in eine kinfflige Situation: Er kann nur drei Stürmer aufstellen, hat aber vier gute zur Verfügung. Die Entscheidung fällt gegen Klasnic: "Der hat Ladehemmung und spielt vielleicht gar nicht". Fußball kann manchmal so hart sein!

Als Fan einer Mannschaft habe man es nicht leicht, erzählt er mir: "Man ist hin- und hergerissen. Einerseits ist man für seine Mannschaft, andereseits hat man aber öfters auch Spieler vom gegnerischen Team aufgestellt." Und nur auf die Spieler seiner Lieblingsmannschaft zu setzen sei auch nichts, denn dann sei man zu abhängig, wenn es mal nicht so gut läuft - klingt einleuchtend!

Fußballfachwissen, Recherche und Glück sind die bestimmenden Faktoren, die zum Erfolg führen. Der pure Spaß und letztendlich auch die Ehre machen den Suchtfaktor aus. Wer Fußball und speziell die Bundesliga langweilig findet, der wird auch nicht durch einen Fußballmanager zum Fan. Man muss schon Sympathien für diesen Sport mitbringen. "Wenn du eine eigene virtuelle Mannschaft hast, macht das Zuschauen mehr Spaß", sagt Andy. Im Grunde genommen ist es aber wie in der Realität: Wer am Ende auf dem zweiten Tabellenplatz steht, war zwar konstant gut, aber nicht gut genug. Der Zweite ist der erste Verlierer! Bei Comunio noch mehr als in der Bundesliga.

Der Kampf um die besten Spieler nimmt deshalb bei Andys Spielgemeinschaft "United Ulmis" bisweilen abstruse Formen an. Community-Mitlgeid Tim hat zu Beginn der Saison ein Computerprogramm erstellt, das ihm den aktuellen Kontostand seiner Gegenspieler anzeigt, berichtet Andy. Dadurch weiß er immer, wieviel die anderen für einen Fußballer auf dem Tranzfermarkt bieten können, ohne in die Miesen zu gelangen. Vielleicht ist das ja der Grund, warum er momentan die Tabelle anführt.





Zurück in der Stusie: Andy ballt die Faust. Berbatov hat getroffen. "Der Junge hat zur Zeit einfach einen Lauf", meint der Kommentator. Für unseren Comunio-Spieler kann es so weiter gehen. "Hoffentlich wird das Spiel Dortmund gegen Leverkusen ein Torfestival." Na klar, von beiden Teams hat er jeweils einen Stürmer aufgestellt und keine Abwehrspieler. Für ein Tor bekommen die Stürmer zusätzlich zu ihrer Note drei Punkte, Mittelfeldspieler vier und so weiter.

Wenig später ist Halbzeitpause - auf zur Bar. Beim zweiten Hot-Dog wird der bisherige Spieltag noch einmal besprochen. "Insgesamt eine langweilige Konferenz heute" meint einer neben mir. Recht hat er. Kaum Tore, wenig Chancen und schlechte Spiele. Vielleicht hätte man doch einen Ausflug machen sollen, wird sich wohl der ein oder andere denken. Besonders der tolle Blick vom Balkon auf den Seepark lässt den Ärger in einem aufsteigen: Und ich schau mir hier so ein Gurkengekicke an? Die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht wird's ja besser.

Zweite Halbzeit und siehe da, es wird amüsanter: Vor allem das Spiel Werder Bremen gegen die Bayern bessert die Laune der Zuschauer. Denn Oliver Kahn wird mal wieder zum "Vulkahn" und reist einen gegnerischen Stürmer in bester Wrestlingmanier um. So wird's aber leider auch nix mit dem Stammplatz im Tor der Nationalmannschaft. Auf jeden Fall hat "der Oli" die Stusie-Lacher auf seiner Seite. Na endlich, da sind sie ja, die lange vermissten Emotionen.

Kurz darauf sind alle Spiele abgepfiffen. Andy zieht ein kurzes Fazit. "Nicht schlecht, aber es hätte besser laufen können. Ich hoffe morgen noch auf meine Schalker Spieler". Das ist leider auch nichts geworden. Nur 2:2 Unentschieden und keine überragende Noten für seine Jungs. Aber Kopf hoch, der nächste Spieltag wird immer der beste, oder war es doch, das nächste Spiel ist immer das schwerste? Egal!

Als ich die Stusie verlasse, scheint die Sonne nicht mehr. Natürlich! Statt dessen sehe ich am Horizont wieder die unheilvollen, dunklen Wolken. Na danke auch! Aber was tut man nicht alles für einen Online Fußballmanager, schließlich bin ich seit zwei Jahren auch ein "Comunionist". Comunio-Varianten:

  • Es gibt eine kostenlose Variante von Comunio. Für den Anfänger empfehlendswert, da man sich erst einmal mit dem Ablauf vertaut machen kann.
  • Wer nützliche Features haben will, sollte sich als Plus-Player anmelden. Acht Euro für eine gesamte Saison sind noch angemessen.
  • Pro Player kostet noch etwas mehr, machte aber nur Sinn, wenn alle Spieler in der Community Plus-Player sind. Das ist dann wirklich die Variante für die Cracks.
Hintergrundinformationen von Comunio-Inhaber Fabian Loschek:
  • Comunio gibt es seit der Saison 2000/2001.
  • Es handelt sich um eine deutsche Firma mit Sitz in München.
  • Mittlerweile gibt es über 350 000 Accounts, Trend weiter steigend.
  • Rund 20 Mitarbeiter sind bei comunio beschäftigt, die meisten im Forum als Moderatoren.
  • Es gibt comunio auch für die zweite und die östereichische Bundesliga .
  • Neben kicker ist comunio der Marktführer in Sachen Online-Fußballmanager.
  • Comunio soll in Zukunft "internationaler aufgestellt" sein, mehr wollte Loschek aber nicht verraten.
Weitere Online-Fußballmanager:
  • Kicker: Das Prinzip ist das Gleiche nur näher an der Realität: Spielerkäufe nur in Sommer- und Winterpause möglich. Ausländerklausel. Maximal drei Spieler pro Bundesligamannschaft...
  • sportal: Es gibt mehr Geld am Anfang und mehr Punkte für die Spieler. Es gibt nur die kostenlose Variante.
  • Man findet weitere Anbieter im Internet, aber die meisten sind nicht zu empfehlen.
Mehr zum Thema Fußball: Bei Ball Street kann man mit WM-Teilnehmern handeln wie mit Firmenaktien. Momentan sind die Aktien der Brasilianischen Nationalmannschaften die gefragtesten, dicht gefolgt von Deutschland, warum auch immer.

Weitere Comunio-Screenshots:
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