Computerspielen fördert die Konzentration

Lorenz Bockisch

Computerspielen macht dumm: dass dieser häufig behauptete Zusammenhang nicht wirklich auf Fakten beruht, wird schon lange vermutet. Jetzt beschäftigt sich ein Jugend-forscht-Projekt wissenschaftlich damit, wie sich Computerspiele auf körperliche und geistige Fähigkeiten von jungen Menschen auswirken.


Ayla Schröder
(16, Bild unten) steht seit einigen Monaten fast jeden Nachmittag freiwillig in einem Klassenzimmer ihrer Schule in Donaueschingen. Der Raum ist mit Beamer, Lautsprechern, Laptop und GameCube ausgestattet. Sie steht am Lehrertisch, während andere Schüler begeistert mit ihrem getunten Wagen durch die Straßen einer virtuellen Stadt rasen.


Das tun sie natürlich nicht (nur) zu ihrem Vergnügen, sondern für die Forschung. Vor und nach dem Spielen misst Ayla Schröder deren Blutdruck, Puls und mit Hilfe eines Online-Tests für Senioren die Konzentrationsfähigkeit.

Jeder Spieler muss außerdem seine Erfahrung mit Computerspielen angeben. Dann geht es vier Mal für je zehn Minuten an die Konsole: Es müssen zwei verschiedene Spiele gespielt werden (Need for Speed und The Simpsons Hit & Run), je einmal mit und einmal ohne Sound. Aus pädagogischen Gründen werden keine "Ballerspiele" benutzt.

Die Ergebnisse aus diesen Experimenten sind teilweise überraschend: Einerseits war zu erwarten, dass bei ungeübten Computerspielern der Blutdruck steigt, während geübte Zocker eher cool bleiben (der Blutdruck sank bei so manchem nach dem Spielen sogar). Wenn der Sound dem Spieler in den Ohren dröhnt, steigen aber bei allen Daddlern sowohl Blutdruck als auch Puls.

Andererseits gilt sowohl für ungeübte als auch für geübte Spieler: nach dem Spielen ist die Konzentrationsfähigkeit deutlich erhöht! Durch das Konzentrieren auf die Abläufe beim Autorennen oder beim virtuellen Durch-die-Stadt-laufen wurden die Testergebnisse deutlich besser, hat Ayla Schröder (Foto) mit ihren Projekt-Partnern festgestellt.



Lehrer und Schulen werden sich jedoch auch durch diese wissenschaftlichen Tatsachen nicht davon überzeugen lassen, dass Schüler vor jeder Klausur ein paar Minuten daddeln dürfen. Schon gar nicht auf Schulkosten.

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