Comic-Check: Surrogates

Christopher Bünte

Lange galt solide Science-fiction als totes Genre. Anfang 2010 wird jedoch ein Blockbuster in die Kinos kommen, für den bereits jetzt ordentlich Werberummel gemacht wird: Surrogates. Künstliche Menschen beherrschen darin das Alltagsleben, während die echten lieber Zuhause bleiben. Die Comicvorlage des Films ist schon jetzt erhältlich. Und die ist so fabelhaft zu lesen, dass sich die Frage stellt: Wozu eigentlich noch den Film angucken?




Worum geht’s?

Harvey Greer ist Polizist im Jahr 2054. Er macht den Job lange genug, um nicht mehr auf Streife gehen zu müssen. Genau genommen verlässt er nicht einmal mehr seine Wohnung. Dafür hat er einen Surrogaten, ein lebensechtes Modell von sich selbst.

Der Roboter verhört und ermittelt, ganz so, wie Harvey es tun würde. Beinahe jeder Mensch besitzt inzwischen einen, den er von Zuhause mental kontrolliert. Die Straßen sind voll von ihnen. Diese Avatare sind ein Teil des alltäglichen Lebens geworden, ein Teil des Lifestyles.

Als jedoch plötzlich ein ominöser Surrogat durch die Gassen streift und andere mit starken Elektroimpulsen ausschaltet, bekommt die schöne neue Welt der künstlichen Menschen Risse. Denn nicht jeder ist mit der Existenz der Surrogate einverstanden. Greer muss ermitteln und gerät dabei in den Brennpunkt einer Kontroverse, an der die menschliche Gesellschaft zu zerbrechen droht.



Wie kann ich mit diesem Comic Leute kennen lernen?

Auf einer Science-fiction-Convention einfach jemanden mit Hornbrille und Rollkragenpullover anquatschen, der wird sicher auf das Thema anspringen. Wer Philip K. Dick, Isaac Asimov oder William Gibson gelesen hat, wird sich gerne mit dir über "The Surrogates" unterhalten. Trekkies oder Star Wars-Fans lieber nicht ansprechen, denen ist die Geschichte wahrscheinlich zu wirklichkeitsnah und bodenständig.

Ergotherapeuten und Sportler könnten sich auch für "The Surrogates" begeistern. Schließlich ist da zu sehen, wie schlecht es Menschen geht, die nicht mehr vor die Tür gehen und nur noch Zuhause rumhängen.

Was würde Mutti dazu sagen?

Beim Durchblättern findet Mutti nichts Anstößiges. Die Seiten sind ruhig aufgebaut, oft mit einem klaren Grundfarbton koloriert und konzentriert auf die Geschichte. Viel Lesestoff mit wenig expliziter Gewalt und gar keinem Sex. Ein Buch für Erwachsene. Vielleicht auch für Papa?

Klolektüre oder große Kunst?

Sicherlich ein Gebrauchscomic, der nicht als überteuerter Kunstdruck im Regal verstauben soll. Sicherlich aber auch kein Auf-die-Schnelle-Wegwerf-Comic, dafür steckt zu viel feine Handarbeit und Gedankentiefe drin. Also irgendwas zwischen Klo und Kunst.



fudder-Bewertung

Anspruch


Klolektüre


Humor


Action


Spannung


Story


Zeichnungen


Informationsgehalt



Trailer: Surrogates

Quelle: YouTube

[youtube UGwQ74cH5O0 nolink]

Mehr dazu:

The Surrogates
Cross Cult, September 2009
Text: Robert Venditti
Zeichnungen: Brett Weldele
Übersetzung: Christian Langhagen
208 Seiten, Hardcover, farbig
26 Euro
ISBN 9783941248311