Comic-Check: Sambre

Anselm Müller

Die Februarrevolution, ein altes Herrschergeschlecht und eine tragische Liebesgeschichte sind die Zutaten des Comics Sambre. Der Prachtband, der jetzt gerade herausgekommen ist, basiert auf den vier Bänden, die zwischen 1987 und 1997 erschienen sind. Warum sich Sambre wunderbar für Gesprächsstoff auf Romanistik- und Historikerfeten eignet, sagt euch Anselm.



Worum geht’s?

Sambre ist eine tragische Liebesgeschichte, die zur Zeit der französischen Februarrevolution 1848 spielt. Der junge Bernard Sambre verliebt sich in Julie. Jedoch steht ihr Verhältnis unter einer „schlechten Augenfarbe“. Laut einer Geschichte, die Bernards Vater sein ganzes Leben lang fertig stellen will, bringen alle Menschen, die keine braunen oder schwarzen Augen haben, Verderben über das Hause Sambre. Pech nur für Bernard, dass Julie feuerrote Augen hat…

Wie kann ich mit diesem Comic Leute kennen lernen?


Ganz klar, auf einer Romanistik- oder Historikerfete! Vor allem die Hintergrundinfos zur Revolution und das Sittengemälde der damaligen Zeit sind „todsichere“ Gesprächsthemen. Auch nutzbar für einen anderen interessanten Partyplausch: Die „wahre“ Entstehungsgeschichte von Delacroix’ Meisterwerk Die Freiheit führt das Volk. Und natürlich könnt Ihr euch auch bei eurem Augenarzt über die Wahrscheinlichkeit von roten Augen unterhalten.

Was würde Mutti dazu sagen?

Mutti findet Sambre gut. Lernt der Leser doch etwas über die Moralvorstellungen im 19. Jahrhundert, die für Mutti um einiges akzeptabler sind als die heutigen. Außerdem erfährt das Kind, was passiert, wenn man Papis Anweisungen nicht befolgt. Den starken Kontrast zwischen Rot und Schwarz, auf welchen das Comic grafisch aufbaut, wird Mutti wahrscheinlich nicht erkennen.



Klolektüre oder große Kunst?

Die Zeichnungen von Sambre sind Kunst. Die vier Teile der Geschichte haben zwar einige Stellen, die gerafft werden könnten, trotzdem ist dieser Prachtband auf jeden Fall zu schade fürs Klo. So lange Sitzungen, wie Sambre es voraussetzt, gibt es nun wirklich nicht.

fudder-Bewertung

Anspruch


Klolektüre


Humor


Action


Spannung


Story


Zeichnungen


Informationsgehalt






Mehr dazu:

Sambre: Der Krieg der Augen
Carlsen, Juli 2009
Text: Yslaire & Balac
Zeichnungen: Yslaire & Balac
Übersetzung: Ute Eichler, Helmut Mennicken, Uta Schmidt-Burgk
224 Seiten, Hardcover, farbig; 39,90 Euro
ISBN 9783551779465