Comic-Check: Northlanders

Christopher Bünte

Mit Northlanders eröffnet Brian Wood ein weiteres Kapitel im Buch der groben Männer und rauen Sitten. Neben abgeschlagenen und aufgespießten Köpfen hat die Serie aber noch weitaus mehr zu bieten. Stilsicher balanciert der Autor irgendwo zwischen Conan und Crime Noir, zwischen Historie und Action, und führt den Leser gezielt auf den Holzweg. Ein spannendes Nachdenken über Gewalt, findet Christopher.




Worum geht’s?


Northlanders spielt vor einem historischen Hintergrund, zur Zeit der Wikinger. Die ersten beiden Trade Paperbacks enthalten jeweils eine abgeschlossene Geschichte, der dritte Band versammelt dagegen einige kürzere Stories.

In der Serie gibt es wiederkehrende Figuren, wie beispielsweise Sven, der nach vielen Jahren in Konstantinopel in den Norden zurückkehrt und die Nachfolge seines Vaters antreten will. Sein Onkel Gorm verweigert ihm jedoch sein Geburtsrecht, erklärt ihn zum Verräter, will selber das Erbe antreten. Doch Sven lässt sich nicht so leicht abfertigen.



So beginnt die Serie mit dem Band Sven, der Verräter, angesiedelt im Jahr 980 n. Chr. Im zweiten Band Hammer und Kreuz wird nicht daran angeknüpft, sondern ein großer Sprung gemacht und etwas völlig anderes erzählt.

Hauptfiguren sind dieses Mal der Krieger Magnus und seine Tochter Brigid, die einen verzweifelten Kampf gegen die Besatzer ihres Heimatlandes führen. Diese Geschichte spielt im Jahr 1014 n. Chr. und auch der Schauplatz ist ein anderer. So variieren in Northlanders Orte, Zeiten und Figuren, gemeinsame Nenner bleiben die Wikinger und eine interessante Mischung aus historischer Detektivgeschichte und blutiger Action.

Interessant ist, wie in Northlanders mit Gewalt und Macht umgegangen wird. Autor Brian Wood beschäftigt sich bereits in seiner erfolgreichen Serie DMZ mit diesen Themen. Wer eine Episode von Northlanders nicht bis zum Ende liest, könnte den Eindruck gewinnen, vor einer oberflächlichen und Gewalt verherrlichenden Geschichte zu stehen. Wood führt seine Leser bewusst auf eine falsche Fährte.

Irgendwann im letzten Drittel einer Erzählung findet er jedoch immer einen wichtigen Dreh, um das Verhältnis der Figuren zu der von ihnen ausgeübten Gewalt in ein kritisches Licht zu rücken. Gewalt als Weg zum Erfolg? Bei Brian Wood und Northlanders ist das nur bedingt der Fall. Vor dem Hintergrund zahlreicher Comic-Helden, die relativ unreflektiert Gewalt einsetzen, liest sich die Serie nicht nur erfrischend kritisch, sondern auch außerordentlich spannend.



Wie kann ich mit diesem Comic Leute kennen lernen?

Wer mittelalterliche Geschichte studiert, kann Dir sicherlich genau erzählen, was an Northlanders alles historischer Quatsch und was gut recherchiert ist. Fans von 300 oder von Conan kennen Northlanders wahrscheinlich schon. Oder sie sind dankbar, darauf aufmerksam gemacht zu werden.



Was würde Mutti dazu sagen?

Mutti findet Northlanders wahrscheinlich zu martialisch. Um Wikinger geht’s da? Hägar ist doch auch ein Wikinger… Der ist doch lieb. Da spritzt kein Blut und da werden auch keine Köpfe abgeschlagen. Zugegeben: Wenn man einmal von den Gewaltdarstellungen absieht, mag Northlanders ja ganz schön gezeichnet sein, vielleicht ein wenig zu düster für ihren Geschmack. Ist sicher so eine Mischung aus Action und Historie, ungeeignet für ihre Kleinen, aber sicher was für die großen Rabauken.



Klolektüre oder große Kunst?

Anspruchsvoller US-Unterhaltungscomic für männliches Zielpublikum. Gute Plots und gute Zeichner sorgen in den ersten Bänden für eine gute Grundlage, die weit trägt und den Leser bei der Stange hält. Bleibt abzuwarten, ob die Serie langfristig Abwechslung und Spannung bieten kann. Große Kunst ist das sicher nicht, dafür aber ein verdammt gutes Unterhaltungsprodukt.

fudder-Bewertung

Anspruch


Humor


Action


Spannung


Story


Zeichnungen



Mehr dazu:



Northlanders 1-3

Panini Comics
07/2009-07/2010
Text: Brian Wood
Zeichnungen: Davide Gianfelice, Ryan Kelly und andere
Softcover, farbig
jeweils 16,95/19,95 Euro