Comic-Check: Courtney Crumrin

Christopher Bünte

Oni Press ist ein Independent-Verlag aus Portland, Oregon. Abseits der ausgetretenen Pfade erscheinen dort häufig kleine Leseperlen, die sich angenehm erfrischend und ideenreich vom amerikanischen Superhero-Mainstream abheben. Einige dieser Comics schaffen es auch über den großen Teich nach Deutschland. Zum Beispiel Courtney Crumrin.





Worum geht’s?

Hillsborough ist ein Ort, der Courtney Crumrin gleichgültiger nicht sein könnte. Wer hier wohnt, ist nicht nur ein bisschen wohlhabend, sondern stinkreich. Das Leben besteht im Wesentlichen aus Cocktailparties, Aerobicstunden und Shoppingtouren. Kein Wunder, dass Courtney in ihrer neuen Schule keine Freunde findet. Denn sie ist ganz anders und passt nicht hierher.

Als ihre Eltern die Möbelwagen bestellten und den Umzug zu Onkel Aloysius beschlossen, wurde für die düstere Teenagerin das verschlafene Nest über Nacht zum neuen Zuhause. Jetzt wohnt sie in Aloysius’ verwittertem Anwesen. Der Alte legt seinen Hausmantel so gut wie niemals ab, redet wenig, ist knorrig und abweisend. Aber wahrscheinlich ist er die einzige Person im Umkreis von etlichen Meilen, die Courtneys Aufmerksamkeit verdient.

Courtney ist clever und begreift schnell, dass Onkel Aloysius seiner Umwelt ebenso ablehnend gegenüber steht wie sie selbst. Außerdem umwölkt ihn ein Geheimnis, das irgendwas mit den staubigen Folianten und seinem merkwürdigen Getue in der Nacht zu tun haben muss. Warum sonst verbietet er ihr, sein Arbeitszimmer zu betreten? Das Geheimnis ist schnell gelüftet. Unter der Oberfläche der Welt schlummert noch eine andere, voll von Elfen, Kobolden und pulsierender Magie. Der Wald ist noch ein böser Ort, den Sterbliche besser nicht betreten sollten. Fortan ist der ohnehin langweilige Schulunterricht für Courtney eher Nebensache, macht es ihr doch vielmehr Spaß, in Aloysius Büchern zu schmökern und Schwarzen Künste zu erlernen. Vielleicht ist Hillsborough doch spannender, als es den Anschein hatte…

Wie kann ich mit diesem Comic Leute kennen lernen?

Geh’ in eine Disco und sprich ein Gothic-Girl an, das bald aus der Pubertät raus ist. Wenn sie Comics liest, hat sie wahrscheinlich von Courtney Crumrin gehört oder möchte von ihr hören. Jungs, die auf Horror, Fantasy oder Comics stehen, kommen ebenfalls als Gesprächspartner in Frage.

Was würde Mutti dazu sagen?

Mutti findet Courtney Crumrin ganz in Ordnung. Das sieht ja wirklich mal hübsch aus, dieses Comic-Buch. Von Sex und Gewalt keine Spur, findet Mutti zumindest beim flüchtigen Durchblättern. Zugegeben, ein bisschen schräg und merkwürdig das Ganze, aber was soll’s?

Klolektüre oder große Kunst?

Courtney Crumrin ist eine exzellent gezeichnete Serie, die irgendwo zwischen Sandman, Hellboy und Emily the Strange angesiedelt ist. Anspruchsvoll? Ja, auf jeden Fall. Und zugleich gute Unterhaltung. Aber für die schnelle Lektüre auf der Schüssel fast zu schade. Ein ruhiger Abend, Kerzenschein und ein Glas Rotwein passen besser dazu.

fudder-Bewertung

Anspruch



Humor



Action



Spannung



Story



Zeichnungen



Informationsgehalt





Mehr dazu:

  • Courtney Crumrin 1: Und die Wesen der Nacht (Oktober 2004)
  • Courtney Crumrin 2: Und die Gilde der Geheimnisse (Januar 2006)
  • Courtney Crumrin 3: Im Königreich des Zwielichts (November 2006)
  • Courtney Crumrin 4: Und die Ungeheuer der Alten Welt (Februar 2010)
Alle erschienen beim Eidalon Verlag, Brandenburg. Text/Zeichnungen: Ted Naifeh.

Soft- oder Hardcover, schwarzweiß; 9,90 bis 16 Euro.