Comic-Check: Black Orchid

Christopher Bünte

Eigentlich ist Black Orchid ein alter Hut. Für Neil Gaiman und Dave McKean bedeutete ihr Debüt 1989 den Einstieg ins Comicgeschäft. Zwanzig Jahre nach Erscheinen präsentiert Panini den modernen Klassiker als deutsche Neuausgabe. Trotz der Jahre fühlt sich Black Orchid immer noch frisch und visionär an.




Worum geht’s?

Black Orchid ist eine Superheldin. Bei dem Versuch, das Verbrechersyndikat von Lex Luthor zu infiltrieren, fliegt ihre Tarnung auf. Ohne viel Federlesen wird sie von Luthors Schergen hingerichtet. Doch sie hält eine Menge aus. Eine Kugel in den Kopf reicht da nicht, härtere Methoden müssen her. Also übergießt man die nachdenkliche Schönheit mit Benzin, zündet sie an und sprengt zur Sicherheit noch die gesamte Büroetage in die Luft. Nichts Ungewohntes, wenn Superhelden sterben, wird es laut.


Die alte Black Orchid ist jetzt endgültig tot, verschwunden, nur noch Asche. Ein Feuerwehrmann kehrt am Tatort ihre Reste zusammen. Doch ihre Reinkarnation wartet bereits. Sie erblüht in einem Gewächshaus ganz in der Nähe. Der Wissenschaftler, der diese Hybride aus Mensch und Pflanze geschaffen hat, heißt sie willkommen. Bevor die neue Black Orchid sich jedoch in ihrer neuen Welt zurechtfinden kann, wird ihr Mentor getötet und ein tödlicher Reigen nimmt seinen Anfang. Black Orchid ist auf der Flucht vor Gangsterbossen und rachsüchtigen Liebhabern, ohne einen Funken Erinnerung, ohne zu wissen, wer oder was sie ist.



Wie kann ich mit diesem Comic Leute kennen lernen?

Im Blumengeschäft, im Nachtcafé oder im Comic-Shop. Nachdem Du diesen Comic gelesen hast, kannst Du prima ins Gespräch mit Gärtnern und Blumenzüchtern einsteigen.

Brauchen Blumen viel Liebe? Oder einfach nur Wasser und Substral? Nachtpoeten und Halbtagsphilosophen nicht zu vergessen, die werden sich mit Dir auch gerne über Black Orchid unterhalten, sofern sie’s gelesen haben. Wo komm’ ich her? Wo geh’ ich hin? Und wie viel Zeit werd’ ich noch haben? Freunde exotischer, halb vergessener Superhelden kommen natürlich auch als Gesprächspartner in Frage.



Was würde Mutti dazu sagen?

Mutti findet Black Orchid merkwürdig. Beim Putzen findet sie den Band zufällig auf Deinem Nachttisch. Die Bilder findet sie beim Durchblättern ganz schön, ein bisschen depressiv vielleicht, aber schön. Die Sprache ist ihr oft zu abgehoben, sie kommt nicht mit. Da geht’s irgendwie um Grundsätzliches, am Existentielles, die Handlung ist nur ein dünnes Gerüst. Zu hoch für Mutti, zu verkopft. Immerhin wird nicht so viel geprügelt. Und Blut fließt auch kaum.

Klolektüre oder große Kunst?

Definitiv keine Klolektüre für Zwischendurch. Künstlerisch sehr anspruchsvoll, sowohl inhaltlich als auch graphisch. Kein leichter Comic, aber ein wichtiger. Neil Gaimans Debüt rüttelt noch heute an den Konventionen herkömmlicher Superhelden-Comics.

Anspruch


Klolektüre


Humor


Action


Spannung


Story


Zeichnungen


Informationsgehalt



Links:
www.neilgaiman.com
www.davemckean.com
www.paninicomics.de
http://en.wikipedia.org/wiki/Black_Orchid

Black Orchid
Panini, Juni 2009
Text: Neil Gaiman
Zeichnungen: Dave McKean
Übersetzung: Gerlinde Althoff
164 Seiten, Softcover, farbig; 16,95 Euro
ISBN 9783866077881