Color Esperanza: FSJ-Austausch zwischen Peru und Deutschland

Carolin Born

Color Esperanza ist ein Verein, den Freiwillige gegründet haben, die in Peru waren. Sie ermöglichen unter anderem mit dem Vamos-Programm Jugendlichen aus Peru ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Deutschland. Indem sie auch Peruanern die Chance bieten, ein fremdes Land kennenzulernen, wollen sie Chancengleichheit und interkulturelle Lernprozesse fördern.



2006 hatten ehemalige Frewillige aus Freiburg die Idee, einen Austausch auch für junge Peruaner zu realisieren. „Wir konnten ganz einfach nach Peru reisen und dort viele bereichernde Erfahrungen sammeln“, erzählt Adrian Heidiri, ein ehemaliger Freiwilliger. „Diese Eindrücke wollen wir mit dem Verein weitergeben.“ So wollen sie eine Partnerschaft auf Augenhöhe und eine Willkommenskultur in Deutschland schaffen. Auf ihrer Website begründen sie ihr Anliegen folgendermaßen:


Jahrelange Entwicklungshilfe, die vor allem „Know-how“ und Geld aus den entwickelten Ländern in die sogenannten Entwicklungsländer gebracht haben, führt bis heute nicht zu einem breiten Erfolg in Bezug auf eine gerechtere Welt. Wir glauben, dass in der globalisierten Welt eine Basis für wirklichen interkulturellen Austausch geschaffen werden muss: Indem sich die Partner auf einem breiten Fundament gegenseitigen Ernstnehmens gegenübertreten. Aus diesen Überlegungen entstand unser großes Projekt Vamos.

Erst so ist ein gleichwertiger Austausch auf Augenhöhe möglich. Adrian findet: „Um ein Bewusstsein für andere Kulturen zu schaffen, ist ein Austausch die beste Gelegenheit. Leute aus Peru zu uns einzuladen, ist ein sehr schönes Zeichen und dabei entsteht etwas ganz Wertvolles, was mit Geld allein nicht geht.“

Das Vamos-Programm fiananziert sich nur durch Spenden. Seit diesem Jahr stemmt der Verein das Projekt sogar ohne fiananzielle Hilfe von der Erzdiozöse Freiburg. Diese wählt jedoch die zukünftigen Freiwilligen in Peru aus.

Der Verein kümmert sich danach zum Beispiel um Visa, Sprachkurse, Gastfamilien und die Einsatzstellen für das FSJ, was meistens Kindergärten oder Behindertenwerkstätten sind. „Alle machen das ehrenamtlich in ihrer Freizeit, was ziemlich viel Arbeit ist“, sagt Adrian. Am intensivsten ist der Kontakt zu den neuen Freiwilligen in der Einführungswoche in Freiburg. Da sind alle noch zusammen bei einem Mitglied des Vereins untergebracht, um sich einzugewöhnen. Danach wohnen sie bei ihren Gastfamilien.



Schon zum dritten Mal kommen peruanische Freiwillige aus Peru für ein FSJ nach Deutschland. Am Wochenende sind Maycol, Marleni, Milagros und Evelyn nach einem langen Flug eingetroffen. Maycol, 24, und Evelyn, 25, werden in sozialen Einrichtungen der Caritas in Freiburg arbeiten. Marleni, 20, und Milagros, 24, gehen nach der Eingewöhnungszeit nach Karlsruhe.

Evelyn kommt aus Lima und wird in Freiburg mit Behinderten arbeiten. „Ich möchte Menschen helfen und etwas Gutes tun, aber auch erfahren, was mir im Leben wichtig ist“, erzählt sie. Die vier Peruaner sind gerade dabei Deutsch zu lernen und können sich immer besser verständigen.

Bei einer Stadtrallye an ihrem ersten Tag in Freiburg zeigen ihnen die ehemaligen Freiwilligen die Stadt. In der Touristeninformation sollen sie alleine nach einem Stadtplan fragen, was problemlos klappt. Außerdem sollen sie herausfinden, wie viele Linien die Straßenbahn hat. Neuland für die Peruaner, denn sie haben noch nie eine Straßenbahn gesehen. Außerdem probieren sie Bratwurst und steigen auf den Turm des Münsters. „Wir sind überrascht, dass es hier so ordentlich ist und dass die Häuser so groß sind“, berichten sie. Und sie erzählen, dass sie herzlich aufgenommen worden sind.



Vamos ist das Herzstück des Vereins, aber es gibt noch andere Gruppen. „Creativamos“ organisiert zum Beispiel die Peru Power Party. Außerdem singen sie peruanische Lieder auf dem Weihnachtsmarkt. Politicamos will politische Diskussionen anregen, beispielsweise über das Schengen-Abkommen. Ungefähr 80 Mitglieder zählt der Verein, fast alle waren als Freiwillige in Peru, aber andere Interessierte sind auch willkommen.

„Vielen tat die Zeit in Peru unglaublich gut. Es war sehr wertvoll für sie, Land und Leute kennenzulernen“, sagt Adrian. „Nun wollen sie mit dem Verein etwas zurückgeben und sich damit für eine gerechtere Welt einsetzen.“ Er war vor drei Jahren in Peru und hat dort in einer Projektstelle gearbeitet, die sich für die Rechte von Kindern stark macht. 




Mehr dazu:

Color Esperanza veranstaltet demnächst wieder eine Peru Power Party. Es gibt das peruanische Reisgericht Arroz chauva und das Mixgetränk Pisco sour aus Peru.

Was: Peru Power Party
Wann: Samstag, 12. November 2011, 21 Uhr
Wo: White Rabbit
Eintritt: 4 Euro