Metal aus Freiburg

Code Red: Harte Riffs von erfahrenen Männern

David Weigend

Die Freiburger Thrashband Code Red ist in den vergangenen Monaten 35 Mal in 15 Ländern aufgetreten. Ihre Proben finden im Theater Freiburg statt. Portrait eines gereiften Quartetts.

Am 15. Mai 2017 lehnt Kirk Windstein, Sänger der Sludge-Helden Crowbar aus New Orleans, am Tresen der Freiburger Rockkneipe Walfisch, schaut auf die Bühne und brummt anerkennend in seinen Nikolausbart: "Diese Typen klingen heavy. Sehr heavy." Oben spielt die Vorband von Crowbar – Code Red, vier gestandene Männer aus Südbaden. Was da aus den Boxen bollert, ist beinharter Thrash im Stil von Machine Head, mit zweistimmigen Riffs, wie man sie von Testament kennt. Nichts Neues, aber beileibe nichts Schlechtes.




Beim Treffen mit dem Quartett wird deutlich, dass da keine Metal-Wendehälse sitzen, sondern vier erfahrene Musiker um die 50, die es etwas heftiger mögen. "Wir sind musikalisch sozusagen beim Dynamo Festival von 1993 hängengeblieben", sagt Sänger Frank Ungewickel. Code Red gründete er allerdings erst 20 Jahre später. Ungewickel war aus beruflichen Gründen von Kassel nach Freiburg gezogen und suchte über eine Annonce Mitstreiter. "Die ersten Songs gab es bereits, denn die Band Code Red hatte ich zuvor schon mal in Kassel gegründet. Meine ehemaligen Kollegen fanden es gut, dass der Sound weiterlebt", sagt Ungewickel.

Bald stand das neue Line Up – mit dem Lörracher Heiko Kratz an der Gitarre, dem Lauchringer Klaus Kirschbaum am Bass und dem Stuttgarter Tilman Collmer an den Drums. Collmer, als Schlagzeuger auch Mitglied des Freiburger Theaterorchesters, brachte den Probenraum gleich mit – das Freiburger Theater. "Generalmusikdirektor Fabrice Bollon wollte als Voraussetzung bloß eine CD von uns", sagt Collmer. "Deceiver" heißt das 2016 erschienene Debütalbum, aufgenommen bei Bandkollege Christoph Brandes (Mightiest) in den Marcher Iguana Studios. "Die zehn Songs des Albums haben wir einem längeren Bewährungstest unterzogen", sagt Ungewickel. "Nur, was live funktioniert hat, kam auch auf die Scheibe."

Mit The Exploited auf Tour

In den vergangenen anderthalb Jahren ist Code Red 35 Mal in 15 Ländern aufgetreten. Im Frühjahr war die Band als Vorgruppe der legendären Punkcombo The Exploited auf Europatour und bespielte dabei sowohl kleine Clubs, als auch die Riesenbühne des "Woodstock Festivals" in Polen. "Als wir da spielten, waren 200.000 Leute auf dem Gelände. Das war schon ein grandioses Gefühl", erinnert sich Bassist Kirschbaum. Überhaupt genießt er das Tourleben sehr, ließ sich zum Beispiel von einem Metalfan Belgrad zeigen und spürte das "Gänsehautfeeling", eine Woche nach den Anschlägen in Paris im "La Fleche D’or" zu spielen – einem Club, der nur wenige Minuten vom "Bataclan" entfernt liegt. "Die Leute dort haben uns sehr herzlich empfangen. Ihre Message war klar:,Wir lassen uns von niemandem unterkriegen.’"

Botschaft ja, Politik nein

Für dieses Grundgefühl taugt der aggressive Groove von Code Red durchaus. "Die Texte stammen teils von Frank, teils von mir", sagt Heiko Kratz. "Darin geht es nicht um Satanismus oder den Tod, wir beschäftigen uns eher mit den Missständen, die wir in der Gesellschaft wahrnehmen. Gleichwohl sehen wir uns nicht als politische Band." Die vier Mitglieder von Code Red sind Väter von insgesamt sechs Kindern, gehen bürgerlichen Berufen nach und machen in ihrer Freizeit Mucke zum Moshen – so einfach ist das. Und man muss nicht, wie Schlagzeuger Collmer, studierter Musiker sein, um herauszuhören, dass da vier Kumpels am Werk sind, zwischen denen eine besondere Chemie entstanden ist. "Es gibt viele talentierte Musiker", sagt Sänger Ungewickel abschließend. "Aber wenn du nicht jahrelang durch die Clubs getingelt bist, weißt du nicht, wo es lang geht. Diesen Preis musst du bezahlen, das hat schon seine Richtigkeit."
Was: Code Red live bei "Rohes Fest"

Wann: Samstag, 23. Dezember 2017, 19 Uhr

Wo: Sommercasino Basel, Münchensteinerstr. 1, CH-4052 Basel

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