Club-Aktion: So war die Hauptprobe von "Unterm Birnbaum" im Theater der Immoralisten

Anna Lob

fudder-Clubmitglieder konnten am Sonntag bei der Probe des Open-Air-Stücks "Unterm Birnbaum" hinter die Kulissen der Immoralisten blicken. Im anschließenden Gespräch mit dem Ensemble wurde deutlich, wie viel Arbeit in der Produktion steckt.

Scheinwerfer an, Klavier-Musik ertönt. Eine Klappe im Boden öffnet sich, heraus tritt ein Mann mit einer Lampe in der Hand. Er bewegt sich schwerfällig in Richtung eines kleinen Birnenbaums. Direkt davor bleibt er stehen und sucht den Boden ab. "Stopp, stopp! Die Birnen fehlen!", ruft Manuel Kreitmeier und eilt hinter die Bühne. "Wo sind die Birnen? Nochmal auf Anfang bitte!" Der 38-Jährige Intendant des Theaters und Regisseur des Stücks wird die Probe im Laufe des Nachmittags noch einige Male unterbrechen.


Zu Beginn erklärt er dem Publikum zusammen mit seinem Kollegen Florian Wetter, dass dies der erste chronologische Durchlauf sein wird. Bisher hatte das Ensemble lediglich einzelne Szenen gespielt. Mitglieder in fudders Club der Freunde hatten am Sonntag exklusiv die Möglichkeit dabei zu sein. Während der Probe zeigen sich die Herausforderungen des Stücks: Es gibt viele Szenenwechsel, was einen ständigen Umbau der Bühne erfordert.

Draußen zu spielen ist eine besondere Herausforderung

Das Publikum nimmt dieses Mal noch im Theatersaal platz. Bei den eigentlichen Aufführungen wird das anders sein – die finden unter freiem Himmel statt, direkt an der Eschholzstraße. Auch das kann zu Schwierigkeiten führen, da dort mit viel mehr Störgeräuschen gerechnet werden muss.

Dieses Jahr zeigen die Immoralisten über den Sommer Theordor Fontanes "Unterm Birnbaum". In dem Stück geht es um den Gastwirt Hradschek, der aus Geldnot einen polnischen Handlungsreisenden umbringt und diesen Mord mit Hilfe seiner Frau Ursel unbedingt vertuschen möchte. Gefährlich kann ihm da nur die Nachbarin werden, die gesehen hat, wie er eine Kiste unter einem Birnenbaum im Garten vergräbt. Für ihre Open-Air-Aufführungen suchen sich die Immoralisten bewusst Stücke aus, die unter freiem Himmel spielen.

Ein gelungenes Stück braucht viel Einsatz der Schauspieler

Bei der Hauptprobe am Sonntag war zu sehen, wie viel Einsatz die Darsteller für ein gelungenes Stück zeigen müssen. Es erfordert viel Zeit und Geduld, wenn Szenen drei Mal von vorne begonnen werden müssen. Für einen Lacher sorgt an diesem Nachmittag immer wieder eine Uhr, die der Hauptdarsteller in verschiedenen Szenen verstellen muss. Die Uhr klingelt - allerdings immer unterschiedlich lange und auch wenn sie es nicht sollte. "Wir brauchen eine andere Uhr", stellt Manuel Kreitmeier fest.

Im anschließenden Gespräch mit fudder Redakteurin Gina Kutkat, erfährt das Publikum noch einiges über die Hintergründe des Theaterstücks und über die Absichten der Immoralisten. "Wir empfinden es als unsere Verantwortung, uns Themen unserer Zeit zu widmen", sagt Florian Wetter. So ließe sich die Kleinkariertheit und Skepsis gegenüber allem Fremden, welche die Dorfbewohner im Theaterstück zeigen, gut auf unsere heutige Gesellschaft übertragen.

"Es bringt nichts schon eine Woche vor der Premiere komplett fertig zu sein." Florian Wetter
Auf die Frage, ob sie denn angesichts der Premiere am Donnerstag gut in der Zeit seien, reagieren die Darsteller und der Regisseur gelassen. "Es bringt nichts schon eine Woche vor der Premiere komplett fertig zu sein", sagt Florian Wetter. Das Spiel sei sonst bereits an der Premiere routiniert und dadurch gehe viel Energie verloren.

Proben hin oder her – eine letzte Sorge bleibt bei einem Open-Air Theater: das Wetter. Man werde versuchen, die Aufführungen immer irgendwie stattfinden zu lassen, versichern die Immoralisten – zur Not auch durch dem Umzug in den Theatersaal.
Was: "Unterm Birnbaum"
Wann: Premiere ist am Donnerstag, 12.07. um 20 Uhr, weitere Termine gibt es im Juli, August und September
Wo: Theater der Immoralisten, Ferdinand-Weiß-Str. 9, 79106 Freiburg
Tickets: Für die Premiere und weitere Termine bei bz-ticket.de



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