Lahr

Cloudy Zakrocki ist Chefin eines Online-Modemagazins

Hannah Fedricks Zelaya

Die aus Lahr stammenden Modeexpertin Claudia "Cloudy" Zakrocki spricht über die Bedeutung von Mode, die Rolle des Internets und den Unterschied von Mode in der Stadt und auf dem Land.

Mode beeinflusst das tägliche Leben. Mal offensichtlich, mal eher versteckt. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Aber keiner kann sich ihr komplett entziehen. Die Badische Zeitung stellt in der Serie "Mode in Lahr" Facetten und Menschen der Modewelt in und aus Lahr vor. Den Beginn der Berliner Fashion Week hat BZ-Mitarbeiterin Hannah Fedricks Zelaya zum Anlass genommen, um mit der aus Lahr stammenden Modeexpertin Claudia "Cloudy" Zakrocki über die Bedeutung von Mode, der Rolle des Internets und den Unterschied von Mode in der Stadt und auf dem Land zu sprechen.


Trend ist...
...das zu tragen, worin man sich wirklich wohl fühlt und worauf man wirklich Lust hat. Der Begriff Trend hat in den vergangenen Jahren in der Modewelt aber stark an Bedeutung verloren. Es geht viel mehr um den persönlichen Stil und um Tendenzen als um eindeutige Vorgaben, was man wann tragen sollte. Das finde ich großartig, denn so bedeutet Mode viel mehr Freiheit.

Behalten oder rausschmeißen?
Teile, die man liebt, sollte man meiner Meinung nach so lange tragen, wie man gern möchte. Egal ob in Magazin XY oder Blog Z steht, dass sie 2017 "out" sind. "In" ist, was gefällt und was zum persönlichen Stil passt. Diese Entwicklung begrüße ich persönlich sehr, weil sie auch zum Female Empowerment Movement passt, das gerade unser Online-Modemagazin Refinery29 stark vertritt. Frau soll tragen, was sie will, denn Frau sieht umso großartiger aus, je mehr sie sich ausleben kann.

Mode übers Internet
Durch den Vormarsch des Internets hat sich alles ein wenig geändert. Früher war Mode etwas Exklusives, vor allem Modenschauen, denn dazu wurde nur eine Handvoll Menschen eingeladen. Durch das Internet hat sich die Mode demokratisiert, dank Instagram und Snapchat weiß in Sekundenschnelle die ganze Welt, was gerade auf den Laufstegen gezeigt wird. Das hat auch zu dem neu eingeführten See-now-buy-now-Prinzip geführt, das große Traditionsmarken wie unter anderem Burberry eingeführt haben. Prinzip hier: Die gesamte Kollektion, die auf dem Laufsteg gezeigt wird, ist direkt nach der Modenschau online erhältlich. Das soll verhindern, dass Ketten die Designs klauen – entzaubert aber die Mode gewissermaßen ebenfalls.

Vom Laufsteg in den Laden?
Die Mode auf dem Laufsteg wird mit einem Jahr Vorlaufzeit gezeigt. Das heißt, jetzt im Januar auf der Fashion Week werden die Kollektion für Herbst/Winter 2017/2018 gezeigt. Die Mode kommt also im Schnitt erst ein Dreivierteljahr später in die Läden. Große Ketten wie H&M oder Zara setzen die Ideen der Laufstegkollektionen dabei am schnellsten um, klauen dabei aber leider oftmals auch ganze Designs.


In der Stadt = auf dem Land?

Mode ist generell überall gleich. Allerdings ist es in der Tat so, dass man auf dem Land weniger Auswahl an Mode hat, als in den großen Städten. Das musste ich in meiner Jugend in der Ortenau selbst schmerzlich erfahren, als es all das, was ich tragen wollte, nicht wirklich zu kaufen gab. Das macht allerdings auf der anderen Seite auch kreativ. In der Anonymität der Stadt fühlen sich viele Menschen auch freier, sich mit Mode auszudrücken als beispielsweise in der Kleinstadt, wo jeder jeden kennt und beobachtet.
Cloudy Zakrocki

Die 30-jährige Wahlberlinerin ist in Lahr geboren. 2005 machte sie Abitur am Scheffel-Gymnasium. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Heidelberg. Ihre Magisterarbeit schrieb sie zum Thema "Modediskurs im dystopischen Roman". Nach einem Jahr in Australien zog sie 2011 nach Berlin und arbeitete für den Blog Les Mads.

In dieser Zeit schrieb sie auch einen eigenen Blog. Danach wechselte sie zum Interviewmagazin, wo sie Chefredakteurin der Online-Redaktion war. Inzwischen ist sie Chefredakteurin beim Online-Modemagazin Refinery29 Germany in Berlin. Sie ist als Mode- und Mediaexpertin regelmäßig zu Veranstaltungen sowie zu Radio- oder Fernsehshows eingeladen.

Mehr über Cloudy Zakrocki bei http://www.refinery29.de


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