City: Alkoholverbot soll bis 2010 weiterlaufen

Aljoscha Harmsen

Nach sieben Monaten Alkoholverbot in der City haben Vertreter der Stadt heute Bilanz gezogen: Im Bermudadreieck ging die Zahl von Gewaltdelikten angeblich deutlich zurück, ebenso die Vermüllung. Dennoch will die Stadtverwaltung das Verbot auf zwei weitere Jahre ausdehnen.



"Die Zahl der Gewaltdelikte im Bermudadreieck in den Monaten Januar bis Mai sank im Vergleich zum Vorjahr von 82 auf 69. Das ist ein Rückgang um 16 Prozent", sagte Heiner Amann, Leiter der Polizeidirektion Freiburg. In der Altstadt insgesamt seien die Gewaltdelikte um sieben Prozent zurückgegangen. „Eine Verlagerung auf andere Bereiche der Altstadt hat es nicht gegeben.“


3000 Stunden waren 400 Polizeibeamte von Januar bis Mai im Bermudadreieck im Einsatz. „Damit waren an einem normalen Freitag zwischen acht und zwölf Beamte zusätzlich im Dienst.“ In den Probemonaten haben die Beamten in 381 Fällen Personen aufgefordert, mitgebrachten Alkohol zu vernichten oder die Verbotszone zu verlassen. „Keine dieser Personalien wurde ein zweites Mal aufgenommen.“ 232 Personen haben sich mit dem Alkohol aus dem Verbotsgebiet entfernt. „Aber keiner hat andernorts den Alkohol getrunken und ist danach zurückgekehrt“, sagte Amann auf Nachfrage.

Doch das Datenmaterial dieser ersten fünf Verbotsmonate sei noch nicht statistisch belastbar: „Wenn an einem Wochenende besonders viele oder gar keine Gewaltdelikte vorkommen, verursacht dies einen deutlichen Knick in der Statistik.“ Darum will Oberbürgermeister Dieter Salomon das Verbot bis zum 31. Juli 2010 ausdehnen.



Durch die Erweiterung des Verbots bis 2010 erhoffen sich Stadt und Polizei eine bessere statistische Grundlage, um in zwei Jahren erneut über das Verbot entscheiden zu können. „Würden wir jetzt das Verbot wieder aufheben, nachdem wir einen Rückgang der Gewalt beobachten konnten, würde sich der vorherige Zustand wieder einstellen“, behauptete Amann. „Der Erfolg geht nicht nur auf das Alkoholverbot zurück, sondern auch auf die Zusammenarbeit mit den Gastronomiebetrieben, die mit einem Verzicht auf Flatrate-Angebote ebenso zu einer Verbesserung beigetragen haben”, sagte Bürgermeister Otto Neideck.

„Wir haben statt einer Anspannung durch eine erhöhte Polizeipräsenz eine deutliche Entspannung festgestellt. Die Bürger fühlen sich sicherer“, mutmaßte Salomon. „Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wiegt schwerer als die Einschränkung der Freiheitsrechte in diesem Fall“, begründete Salomon nachträglich das Verbot.

Dass der Rückgang der Gewaltdelikte schlicht auf der höheren Polizeipräsenz beruht und nicht darauf, dass kein Alkohol ins Bermudadreieck mitgebracht werden darf, bestreitet Amann. Walter Rubsamen, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung, sagte zu dieser Frage: "Um festzustellen, ob der Erfolg darauf beruht, dass kein Alkohol mitgebracht werden darf, müssten wir die flächendeckende Videoüberwachung einführen, und das ist heute nicht unser Thema“.

Salomon ist sich sicher, dass er eine Mehrheit für die Ausweitung des Alkoholverbots haben wird.

Mehr dazu:

 fudder.de: Salomon plant Alkoholverbot in der Altstadt