Christopher Zobel von Hirbel im Interview: "Die schönste Form der Musik ist die instrumentale Form."

Bernhard Amelung

Darf man eine Band "Negerkönig" nennen? Das wollte Bernhard Amelung von Christopher Zobel im Interviewwissen. Der Erfurter kommt am Donnerstag, 20. April, mit seinem Noisepop-Projekt Hirbel in die KTS.

Christopher, dürfte ich meine Band "Negerkönig" nennen?

Christopher: (schweigt).

Ich wiederhole meine Frage noch einmal. Dürfte ich meine Band "Negerkönig" nennen?

Christopher: Puh, also ich fände das nicht gut, wenn du das machst. Ich finde, man sollte keine diskriminierenden Begriffe verwenden.

Du selbst nennst deine Band "Hirbel". Der Hirbel ist die Hauptfigur des gleichnamigen Buches und er ist geistig behindert.

Christopher: Ich verstehe den Erklärungsbedarf nicht. "Das war der Hirbel" ist ein sehr bewegendes Buch. Der kleine Junge namens Hirbel wird auf Grund seiner Behinderung ins Heim gesteckt oder weggesperrt. Und das passiert ja auch heute noch oft. Menschen, die anders sind, werden nicht in unsere Gesellschaft eingegliedert, sondern ausgegrenzt.

Wie bist du denn darauf gekommen, deine Band nach diesem Jungen zu benennen?

Christopher: "Das war der Hirbel" ist eines meiner Lieblingsbücher. Ich habe meiner Freundin daraus vorgelesen, die mich dann ab und zu Hirbel genannt hat. Außerdem ist "Hirbel" ein wunderschönes Wort und ein wunderschöner Name für eine Band.

"Hirbel" als Bandname, "Plastemetz" und "Steinseifer" als Songtitel. In diesen gehst du sehr spielerisch mit der Sprache um.

Christopher: Wir wollen unseren Stücken im Titel eine sprachliche Besonderheit mitgeben, denn die Titel kann man ja nicht aus den Stücken herauslesen oder heraushören. Wir benutzen ja selten Sprache in den Stücken, denn die schönste Form der Musik ist meiner Meinung nach die instrumentale Form.

Was bedeuten dann Wörter wie "Plastemetz" oder "Steinseifer"?

Christopher: Das können zum Beispiel Phantasieberufe sein. Wir spielen mit Wörtern, probieren was aus, wie wir auch als Musiker Dinge ausprobieren und schauen, was dabei heraus kommt. Das ist ein kindlich-spielerischer Ansatz, den wir als Band verfolgen.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Christopher: Unsere Stücke entstehen oft aus einem impulsiven Affekt heraus. Wir haben keine Angst vor Fehlern. Ohne Fehler gibt es keine Entwicklung. Aus Fehlern lernt man, wie etwas geht, oder wie etwas nicht geht.

Wie sieht denn eine Bandprobe von dir und Stefan aus?

Christopher: Wir treffen uns und legen los. Da wir beide als Schulbegleiter arbeiten und Kinder mit Behinderungen unterstützen, bleibt nicht mehr viel Freizeit.

Warum bezeichnet ihr euren Musikstil eigentlich als "kids disabled meditative noise pop"?

Christopher: Während meiner Arbeit stelle ich fest, dass viele Kinder, die ich betreue, Musik spontaner erleben. Das finde ich sehr schön. Deshalb möchte ich auch in meiner Musik einen unbedarften, spontanen Ansatz verfolgen.

Wie setzt ihr das in euren Konzerten um?

Christopher: Wir treten nicht unvorbereitet auf.

Was war denn euer skurrilster Auftritt?

Christopher: Einmal haben Stefan und ich das Intro eines unserer Stücke vergessen. Wir standen auf der Bühne eines Konzertlokals und wussten einfach nicht mehr, wie wir das Stück anfangen wollten. Wir haben dann einfach losgelegt und improvisiert. Das machen wir ja auch, wenn wir zusammen Musik machen.


Zur Person

Christopher Zobel, 31, lebt und arbeitet als Schulbegleiter in Erfurt. Seit 2011 macht er mit seinem Partner Stefan Noisepop unter dem Namen Hirbel. Aktuell arbeiten sie an ihrem Debütalbum. Zobel ist außerdem Schlagzeuger und Perkussionist in der Experimental- und Psychedelic-Rockband Mirovia, die 2016 ihr zweites Album "Inter Mundos" veröffentlicht hat.

  • Was: Konzert w/ Hirbel, Sad Mermaid, Ghost Pony
  • Wann: Donnerstag, 20. April 2017, 20 Uhr
  • Wo: KTS, Baslern Str. 103, Freiburg

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