Christine Neder hat in 40 Wochen 40 Festivals besucht: "Manchmal habe ich das Klopapier vergessen"

Julia Mungenast

Christine Neder hat Erfahrung mit Erfahrungsberichten: Die 26-Jährige war 90 Tage in 90 Betten Couchsurferin; für ihr neues Buch '40 Festivals in 40 Wochen' feierte sie sich von März bis Oktober durch 40 Festivals im In- und Ausland. fudder-Autorin Julia Mungenast hat mit ihr gesprochen:

 

Christine, wie hast du dich auf deinen Festivaltrip vorbereitet?


Christine Neder:
Ehrlich gesagt, habe ich mich gar nicht vorbereitet. Da ich schon '90 Nächte, 90 Betten' ohne Schäden durchgestanden habe, bin ich einfach losgezogen. Aber ich verstand schnell, wie man sich verhält auf einem Festival, was man tut und nicht tun sollte; Ich war erst 2011 das allererste mal auf einem Festival überhaupt. Ich wollte wissen, wie Festivalbesucher feiern, was die Faszination eines Festivals ausmacht.

Was war dabei dein wichtigstes Utensil ?

Mein Handy und meine Kamera, denn ich wollte einfach alles dokumentieren. Es ist sehr selten passiert, dass ich mein Arbeitsgerät in meinem Auto liegen gelassen habe. Ich bin in Deutschland mit meinem Auto gefahren und konnte so mein Laptop mitnehmen. Oft hing ich stundenlang auf dem Campingplatz rum und unterhielt mich; ich habe dann alles mitgeschrieben, um nichts zu vergessen.

Welche Festivals hast du besucht?

Am wichtigsten war mir, dass ich Interesse am Festival habe. Ich habe alle Festivals grob eingeteilt: Musikfestival, Spaßfestivals, Kulturfestivals, Traditionelle Festivals. Ich war auch im Ausland: Florida, in der Karibik, Finnland, London, Irland, Ukraine, Schweiz - überall dort habe ich verschiedene Festivals besucht.Ich erlebte zum Beispiel 'La Tomatina' in Spanien, auf dem überreife Tomaten in einer harmlosen Schlacht durch die Straßen geworfen werden, ich war auf dem Oktoberfest in Amerika, um es etwas spannender zu machen, habe Gourmetfeste besucht, natürlich viele Musikfestivals mitgemacht. 

Den Bereich Großfestivals habe ich mit 'Rock am Ring' und 'Rock im Park' an einem Wochenende abgedeckt. Ich war noch auf dem Highfield Festival, aber erst am letzten Tag. Als ich ankam, waren die meisten schon weg; das war sehr gruselig. Berge von Müll und auf dem riesen Gelände fast kein Mensch mehr. Ich habe sehr interessante Leute getroffen: Ein Typ war auf der Suche nach neuen Freundinnen. gegen eine Zweit- und Drittfrau hatte der nichts. Ich machte ihm aber schnell klar, dass ich nicht die Richtige sei.



Gab es auch schlimme Momente während deiner Festivalreise?

Schlimm war es immer dann, wenn mein Koffer weg war und ich in einem schmutzigem Shirt zum Beispiel auf dem Gourmetfestival rumlaufen musste. Dreimal ist mir das passiert, dass der Koffer nicht mitgekommen ist. Manchmal habe ich auch meine Unterwäsche oder das Klopapier vergessen, das ist auch weniger lustig, aber den Trip abbrechen, wollte ich keine Minute.

Hast du schon ein neues Projekt?

Nein, jetzt wird erstmal ausgeruht und dann lass ich mich überraschen, was mir so passiert. Das ist bei mir immer so, dass ich da nicht groß zuhause sitze und nachdenke, was mache ich als nächstes, sondern, das ich mache, was mir spontan einfällt.

Mehr dazu:

Christine Neder
40 Festivals in 40 Wochen
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2012
176 Seiten, 14,95 Euro.

          [Fotos: Christine Neder/Schwarzkopf & Schwarzkopf]