Chris Rea: Rothausblues und Bottleneck

David Weigend

Chris Rea, 58, der Liebling der SWR1-Konsumentinnen, gehört gehört (gell, Caro? ;-). Für 70 Euro lieferte der Blues-Bronson am Samstagabend einen netten Gig in eindringlicher Lautstärke. Gegen Ende wurde sogar getanzt.



Chris Rea-Konzerte sind nicht immer bestuhlt gewesen. Ein ergrauter Fan in der Rothausarena, der extra aus dem Bayerischen angereist ist, erinnert sich ans erste München-Gastspiel des Briten, das 1983 in der Rudi-Sedelmayer-Halle stattfand: „Als Anheizer für die Frickelrocker von Saga. Des war a Gaudi. Und beim vermeintlichen Abschiedgig vor vier Jahren in der Muffathalle gabs auch keine Stühle.“


Jetzt aber schon und satte 70 Euro kostet es den Besucher, auf einem dieser Sitze Platz zu nehmen. Erst bei „Stainsby Girls“, also gegen Ende, nach 90 Minuten, stehen die meisten wieder auf im Bestreben, sich rhythmisch zu bewegen.



Bei aller Vergangenheitsverklärung: Der 58-Jährige Rea ist schon immer ein Einigler gewesen, ein Schweiger, der längere Konzertpassagen mit dem Rücken zum Auditorium bestritt. Insofern kann man dem Kauz am Samstagabend zumindest partielle Kommunikationsfreude bescheinigen, als er bei „Julia“ in die Arena lacht und lässig über die Bühne tänzelt.

Vor diesem Gefühlsausbruch steht sein Auftritt im Zeichen des Blues. Den könnte er vermutlich die ganze Nacht zelebrieren oder länger. 2006 veröffentlichte Rea eine Box mit nicht weniger als 11 CDs. Sie dokumentieren unter dem Titel „Blue Guitars“ die Liebe zum Blues. Rea hat ihn, ohne Zweifel.

Und man fragt sich, ob einer Leid erfahren haben muss, um den Blues so zu verinnerlichen wie Rea, der seine Bauchspeicheldrüse an den Krebs hergab. Trotz der traurigen Geschichten, die Rea erzählt, ist es erheiternd, sein Mienenspiel beim Dialog mit der 62er Fender-Pinky zu beobachten.



Er schaut mit Laueraugen aufs Griffbrett, als ob er einen wilden Hund fütterte. Dann verzieht er den Mund, als würde der Hund zuschnappen. Rea lässt Töne herunterfallen und fängt sie in einem flinken Slide wieder auf. Per Bottleneck zittert er feine Triller heraus, die von der soliden Begleitcombo Erdung bekommen. Den Balladenhit „Josephine“, für die Hängematte viel zu schade, hübscht Rea mit einem zünftigen Boogiepart auf.

Den Klassiker „On the Beach“ interpretiert er als allzu geschmeidige Tingeltagelversion, für die er auf das markante Riff verzichtet. Wie gesagt, zu sagen hat der Bronson der Bluesgitarre nichts weiter.



Man könnte viel schreiben über die Stimme, mit der Rea etwa 30 Millionen Alben verkauft hat. Eine Stimme wie guter Brandy. Tief, rau, warm und genau so, wie sie die 2000 Besucher der Rothausarena aus dem Radio kennen, wenn auch dann und wann mit einem Tacken Hall zuviel auf dem Mikro. „Man ist niemals zu alt zum Tanzen“, mit dieser Botschaft entlässt Rea das Auditorium in den Breisgauregen.

[Fotos: Janos Ruf]

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