Chikinki: Von feuchten Lippen angetörnter Musiker

Gina Kutkat

Das Konzertjahr 2008 in Freiburg hätte nicht besser starten können: Chikinki aus Bristol spielten am Samstag vor vollem Haus im Auditorium der Jazz- und Rockschule so eindringlich gute Musik, wie man sie nur von einer Band erwarten kann, die für ihre Live-Auftritte lebt.



Chikinki. Es war mal wieder Chikinki die zeigten, wie einfach es sein kann, den Rock'n'Roll auf der Bühne zu leben und mit dem Publikum zu zelebrieren. Denn ein gutes Konzert braucht in diesem Fall nicht mal einen Bassisten.


Für das Paradebeispiel Chikinki benötigt man Chikinki-Style und Chikinki-Sound: fünf halsbetuchte Lads aus England, eine handvoll Entertainment gepaart mit schräger Theatralik, schrammelnde Gitarrenschübe, dreckige Synthiesounds, Bristol-Einflüsse, treibende Beats und ein Publikum, das es der Band gleichtut.



Gleichtun im Sinne von gemeinsam durchdrehen und abheben in eine Sphäre, in der es nur um den Moment und um die Musik geht. Selten sieht man Musiker, die so in ihren Songs aufgehen –  regelrecht von ihnen angetörnt werden – wie das Quintett Chikinki. Spätestens nach dem dritten Song gibt es auch vor der Bühne kein halten mehr: Die tanzende Menge schiebt sich von einer Seite zur anderen und dann immer näher an die Bühne, bis die ersten Fans auf der Bühne liegen. Zu Füßen der Chikinki-Combo.



Sänger Rupert macht seinem Namen alle Ehre. Rupert – althochdeutsch für "der durch seinen Ruhm glänzende". Mit seiner metro-sexuellen Ausstrahlung gefällt er nicht nur dem weiblichen Teil des Publikums. Seine Art, mit dauerhaft befeuchteten, schwulstigen Lippen und seinem unbeschwert bis nerdigem Tanzstil die Songs zu performen, steht der Größe anderer Entertainment-Künstlern der Popgeschichte in nichts nach.



Ed East an der Gitarre ist der Mädchenschwarm der Band. Verzottelt, verträumt und bekleidet mit einer Jeans, die dem Wort "eng" eine wahrig neue Bedeutung gibt. Die 60's Gitarren kommen mal groovig, mal garage-artig daher. Boris Exton an den Synthiesizern erheitert schon allein durch seine Erscheinung:  Lockenkopf,  Bierbauch und eine Mimik und Gestik, die zwar irgendwie durchgeknallt aussieht, aber von Herzen kommt.

Auf der anderen Seite erinnert Keyboarder Trevor Wensley an eine Figur aus "Die Wilden 70er". Das Bild, dass Chikinki abliefert, trägt genauso zu dem Konzerterlebnis bei, wie ihr Querschnitt aus den Alben "Lick Your Ticket" und "Brace Brace". Electronica, Rock, Experimental, Alternative – alles schön verpackt im Mantel der Independent Musik.



Jeder der fünf Artisten sticht durch eigenartige Moves hervor: Sänger Rupert lutscht obszön am Mikro, Keyboarder Boris rennt zwischen seinen Einsätzen aufgeregt hin und her, sodass Gitarrist Ed fast schon bewegungslos aussieht – was aber auch an oben erwähnter Röhre liegen könnte. Man möchte sie berühren, an den Haaren ziehen oder zusammen mit ihnen auf ein Bier anstoßen.



Die Gefühle, die man bei einem Chikinki-Konzert durchlebt, halten noch lange an. Euphorisiert, durchgedreht, glückselig und angetörnt. Von den Musikern und ihren Songs.

Und, wie war's?

Christian, 22 und Philipp, 22

"Das war mein erstes Chikinki-Konzert. Den Sänger fand ich brutal cool, allein die Show, die er da oben abgezogen hat. Allerdings war mir die Musik manchmal ein bisschen zu stressig."
"Ich habe Chikinki davor schon zweimal hier in Freiburg gesehen, ihr letztes Konzert fand ich besser. Die Leute waren etwas stressig."

Benni, 22 und Fabian, 22

"Ich kannte vorher nur die beiden Alben von Chikinki, das Konzert hat mir richtig gut gefallen. Die Stimmung war einfach super und die Ansagen der Band waren echt cool."
"Heute war schon mein drittes Chikinki Konzert, aber zum ersten Mal hier im Auditorium. Der Musikmix war gut, mir kam es so vor, als hätten sie ein paar alte Lieder noch mehr aufgepeppt."