Fast Food

Chia, Melone und Aktivkohle: Was passiert, wenn Studierende Yufka-Rezepte erfinden

Dorothea Winter

Sie sollen gesund sein, proteinreich – und lecker. Im Rahmen eines Unikurses haben elf Studierende der Uni Freiburg Rezepte für Yufkas konzeptioniert. Und das Ergebnis des Kurses kann man jetzt tatsächlich essen.

Sie heißen "Fruchtiger Morti", "Fitter Lou" und "Fruchtige Lina" und in ihnen stecken Melone, Cranberries und Chiasamen: Im Rahmen eines Uni-Kurses entwickeln elf Studierende der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Yufka-Kreationen und verkaufen sie in einem Foodtruck.


"Design Thinking" für neue Yufka-Rezepturen

Die ungewöhnliche Uni-Veranstaltung wird von Stephan Lengsfeld und Steffen Weyreter geleitet und heißt "Campus UnternehmerTUN". Als Leitthema dient dabei Entrepreneurship. Im sogenannten "Design Thinking"-Prozess – einem Ansatz zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen – haben die Studierenden viele Ideen verworfen, zahlreiche Marktanalysen durchgeführt und verschiedene Produkttests unternommen.

Das endgültige Ergebnis soll eine innovative und vor allem gesunde Variation des Fastfood-Klassikers sein. "Das Neuartige an unserem Yufka kommt durch den gesundheitlichen Aspekt und die unterschiedlichen Zutaten zustande", sagt Lengsfeld, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwesen, Rechnungswesen und Controlling.

Deswegen sind die Fladen der drei Yufkas auch grau-schwarz – der Teig wird mit einer Aktiv-Kohle-Mehl-Mischung hergestellt. Und auch sonst unterscheiden sich die Zutaten stark im Vergleich zu klassischen Yufkas. Das war den Studierenden wichtig. "Statt Yufka-Soße haben haben wir eine Rote-Bete- und eine Chakalaka-Soße von Hakuna Matata verwendet", sagt Evelina Schmidt, die als Studierende am Kurs teilgenommen hat. "Dadurch haben wir versucht, jedem Produkt einen ganz eigenen Charakter zu verleihen."

Die Feinkost-Manufaktur Hakuna Matata und der auf vegetarische und vegane Gerichte spezialisierte Imbiss Amara waren Kooperationspartner der Uni-Veranstaltung. Die Zusammenarbeit der Studierenden mit den beiden Partnerunternehmen war dabei den ganzen Prozess über eng – und die Veranstaltung daher ganz anders, als der normale Frontalunterricht an der Uni. "Wir haben alles von der Pike auf gelernt und mitgemacht. Ich selbst war auch mal in der Produktionsstätte von Hakuna Matata und habe zwei Stunden lang Orangen geschält und Senf gemacht", sagt Evelina.
"Fruchtiger Morti"
Melone, Feta, Chiasamen und Hakuna Matata Rote Bete Creme

"Fitter Lou"

Rote Bohnen, Bulgur, Walnüsse, Chiasamen und Hakuna Matata Chakka Lakka Sauce

"Fruchtige Lina"

Falafel, Himbeeren, Cranberries, Chiasamen und Cashew-Kernen

Andere Studierende haben bei Amara mehrere Stunden lang ein bisschen Gemüse geschnitten und in der Küche geholfen: Es ging darum, selbst zu erfahren, was gemacht werden muss, um am Ende das verkaufbare Produkt zu erhalten.
Davor galt es doch, das Konzept zu entwickeln. "Da saßen wir dann beieinander und haben durch Brainstorming und Gespräche viele Ideen verworfen und so am Ende das endgültige Konzept entwickelt", sagt Evelina.

Als es um die Aufgabenverteilung ging, machte jeder einfach das, was er am besten kann. "Nichts wurde über den Kopf hinweg zugeteilt oder entschieden, sondern jeder hat sich freiwillig für Aufgaben entschieden, die ihm liegen", sagt Evelina. Und obwohl der Zeitaufwand verglichen mit einem normalen Kurs sehr hoch ist, würde Student Fabian Herrmann es auf jeden Fall nochmal machen. "Statt klassischer Vorlesung im Hörsaal waren wir viel in den Partnerunternehmen und haben uns sehr oft privat am Wochenende getroffen und zusammen gearbeitet."

Doch wie entstand die Idee als Gruppe junger Studenten im Rahmen einer Vorlesung einen eigenen Yufka zu kreieren? "Genaue Vorgaben gab es seitens der Dozenten nicht. Sie haben uns sehr viel Freiraum gelassen, bloß immer mal wieder Ideen eingebracht oder Treffen mit den Verantwortlichen bei den Kooperationspartnern organisiert und gestaltet. Aber sonst entstand fast alles durch studentisches Zutun", sagt Fabian.

Ein Uni-Kurs, der das "Entrepreneurial Mindset" stärken soll

Das ist in dem Format der Vorlesung auch ausdrücklich gewünscht. "Zum einen sollen die Studierenden Wirtschaft, insbesondere den wechselseitigen Transfer Uni zu Wirtschaft und Gesellschaft, erfahren. Und das eben nicht nur in der Theorie, sondern auch durch erfahrungsbasiertes Lernen", sagt Stephan Lengsfeld. Die Innovation stünde im Mittepunkt, nicht nur beim Produkt. "So versuchen wir, Hochschuldidaktik weiterzuentwickeln und Interdisziplinarität erlebbar zu machen."

Wegen der guten Resonanz seitens der Studierenden, aber auch der Kooperationspartner scheint die Pilotvorlesung geglückt. Deswegen so soll der Kurs in Zukunft jedes Jahr stattfinden. "Dann natürlich in Variationen und mit unterschiedlichen Kooperationspartnern", sagt Lengsfeld.

Obwohl im ersten Kurs vor allem Studierende aus den Wirtschaftswissenschaften teilnahmen, ist jeder willkommen. Stephan Lengsfeld wünscht sich ausdrücklich Studierende anderer Fakultäten. Denn ein wichtiger Aspekt der Lehrveranstaltung stellt das Tun dar, wie der Titel bereits vermuten lässt. "Zum Entrepreneurship gehört nicht nur das Reden, sondern eben auch die Umsetzung", sagt Lengsfeld. "Die Fähigkeit, ins Tun und Handeln zu kommen, hat viel mit Kompetenzen und Stärkenorientierung zu tun. In unserem neu erschaffenen Format verbinden wir diesbezügliche Forschung und Lehre und fördern das Entrepreneurial Mindset."
Wann kam man die Yufkas probieren?

Letzte Gelegenheit ist am Dienstag, 24. Juli 2018, ab 11.30 Uhr vor dem Rektorat der Uni Freiburg, wenn dort am Fahnenbergplatz der Amara Foodtruck halt macht.