Stockholm

Chemie-Nobelpreis für früheren Freiburger Studenten

dpa & Thomas Steiner

Der diesjährige Chemie-Nobelpreis geht an den Schweizer Jacques Dubochet, den Briten Richard Henderson und den Deutsch-Amerikaner Joachim Frank. Letzterer hat einen Teil seines Studiums in Freiburg absolviert.

Sie entwickelten die sogenannte Kryo-Elektronenmikroskopie, dafür geht der Nobelpreis für Chemie in diesem Jahr an Jacques Dubochet (Schweiz), Richard Henderson (Großbritannien) und den gebürtigen Deutschen Joachim Frank (USA). Die Methode dient zur hochauflösenden Strukturbestimmung von Biomolekülen in Lösungen, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mitteilte. "Sie vereinfacht und verbessert das Sichtbarmachen von Biomolekülen. Diese Methode hat die Biochemie in eine neue Ära gebracht", hieß es zur Begründung.


Die Technik ist eine Weiterentwicklung der Elektronenmikroskopie, die bereits Anfang der 1930er Jahre geschaffen wurde. Lange Zeit glaubte man, dass Elektronenmikroskope sich nur für unbelebte Materie eigne, weil der starke Elektronenstrahl biologisches Material zerstört. Dass dies ein Irrtum ist, bewiesen die drei diesjährigen Preisträger.

An der Bildverarbeitung getüftelt

1990 gelang es Richard Henderson, mit einem Elektronenmikroskop in atomarer Auflösung ein dreidimensionales Bild eines Proteins zu erstellen. Joachim Frank machte die Technologie grundsätzlich anwendbar. Er tüftelte zwischen 1975 und 1986 an einer Methode der Bildverarbeitung, mit der die bis dato unscharfen zweidimensionalen Bilder analysiert und zu einem scharfen dreidimensionalen Bild vereinigt werden können.

Jacques Dubochet löste schließlich das Problem, dass Biomoleküle im Vakuum, das bei der Elektronenmikroskopie nötig ist, austrocknen und zusammenfallen. Es gelang ihm Anfang der 1980er Jahre, Wasser so schnell herunterzukühlen, dass es um eine biologische Probe fest wird, aber kein Eis bildet. Dadurch behalten die Biomoleküle ihre natürliche Form auch im Vakuum und die Elektronenstrahlen werden nicht abgelenkt.

Bis zum Vordiplom an der Freiburger Uni

Joachim Frank 1940 in Siegen geboren, zieht es nach dem Abitur zunächst an die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, er studiert hier von 1960 bis 1963 Physik. Nach dem Vordiplom geht er an die Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seinen Doktortitel bekommt er von der Technischen Universität in München - und ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt in den USA. 1986 wird Frank – verheiratet und Vater zweier Kinder – Professor für Biomedizin in Albany im US-Bundesstaat New York wird. Seit 2008 forscht und lehrt er an der Elite-Universität Columbia in der Millionenmetropole New York.

"Joachim ist ein brillanter Kopf", sagt Christian Spahn von der Berliner Charité, der vier Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter Franks war. "Er kann selbst komplizierteste Zusammenhänge klar und einfach ausdrücken." Für bemerkenswert hält Spahn, dass Frank seine Forschung trotz schwieriger Bedingungen nie aufgegeben hat: "Albany war nicht Yale. Lange Zeit erhielt Joachim keine Anerkennung. Aber er hatte den Mut, seine Ziele immer weiter zu verfolgen. Ich bin total happy, dass es jetzt mit dem Nobelpreis geklappt hat."

Seine erste Universität hat Frank in Person von Rektor Hans-Jochen Schiewer am Mittwoch "herzlichste Glückwünsche" geschickt. Er würde sich freuen, "wenn ich Sie persönlich zu einem Vortrag an der Universität Freiburg begrüßen könnte", schrieb Schiewer weiter.

Oliver Einsle, Direktor des Instituts für Biochemie an der Fakultät Chemie und Pharmazie der Universität glaubt, dass die von den Nobelpreisträgern entwickelte Kryo-Elektronenmikroskopie "eine ganz zentrale Methode der Lebenswissenschaften" werde. Die Zahl der entsprechenden Geräte an Forschungseinrichtungen nehme gerade stark zu. Sie kosten fünf bis sechs Millionen Euro. Will auch die Uni Freiburg eines anschaffen? "Wir sind dran", sagt Einsle.

Neben seiner offiziellen Webseite von der Columbia University in New York hat Joachim Frank noch eine zweite – "FranxFiction" – auf der er Fotos und Literatur veröffentlicht. Die Webseite, für die er alle paar Tage einen neuen Eintrag verfasst, sei für ihn "Megafon, Verstärkung und Mikrofon-Test", sagt er. Kurzgeschichten, Gedichte und längere Belletristik-Texte von Frank sind auch schon in Büchern und Magazinen veröffentlicht worden.

Der Nobelpreis für Chemiker ist derzeit mit umgerechnet rund 940.000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die feierliche Übergabe der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Mehr zum Thema: