Che Sudaka im Jazzhaus: Wer nicht hüpft, verliert

Sophie Aschenbrenner

"Are you happy, Freiburg?" Das haben Che Sudaka bei ihrem Konzert im Jazzhaus am Freitagabend bestimmt 20 Mal gefragt. Sophie Aschenbrenner war für fudder dabei. Ob sie und das Freiburger Publikum am Ende glücklich wurden:



Che Sudakas wilde Mischung aus Ska, Latin und Punk ist ansteckend. Bereits beim ersten Lied tanzen alle. Sonst gibt es auf jedem Konzert auch beim besten Song mindestens eine Person, die bewegungslos in der Menge steht. Hier nicht. Wer nicht hüpft, verliert.


Die Band, bestehend aus den beiden Brüdern Leo und Kachafaz aus Argentinien, und Cheko und Jota aus Kolumbien, hüpft mit. Ihre Outfits – Fußballtrikots, Dreiviertel-Sporthosen und Turnschuhe – passen zur Action auf der Bühne. Schon beim ersten Song ziehen die ersten im Publikum ihre Pullis aus. Auch Leo und Jota an den Gitarren lassen ihre Shirts nicht lange an. Sie erinnern mit ihren durchtrainierten Oberkörpern an Fußballer. Die Mädels kreischen, als sich Leo gegen Ende des Konzerts zum Stage-Diving in die Menge fallen lässt. Er wird auf Händen getragen.



Die Bühne ist an diesem Abend ebenso ein Hingucker: An der Wand prangt ein schwarz-rotes Banner mit dem Schriftzug „Che Sudaka – Sudamerikan Cumbia-Ska-Punk from Barcelona“. Im Winter 2014 hat die Band ihr sechstes Studioalbum veröffentlicht. Auf der ganzen Welt haben sich die vier energiegeladenen Jungs eine Fangemeinde eingespielt. Auch hier in Freiburg, wo das Publikum studentisch, alternativ und farbenfroh gekleidet ist. Dass viele Spanier anwesend sind, merkt man auch daran, dass auch nach dem schnellsten spanischen Satz der Band Jubel ertönt. Hier treffen die vier Jungs aus Barcelona einen Nerv, engagieren sie sich doch auch gegen Konzerne wie Monsanto, der gentechnisch modifiziertes Saatgut vertreibt. Den ausgelassensten Applaus des Abends bekommt Cheko für seinen einzigen deutschen Satz: „Das nächste Lied ist jenen Menschen gewidmet, die gegen Monsanto kämpfen.“



„Familia“, brüllt Kachafaz immer wieder, wenn er das Publikum anspricht. So zeigt er, dass er alle Anwesenden als eine große Crowd begreift, mit gemeinsamen Ansichten und Zielen, und vor allem: jeder Menge Energie. „Are you ready to daaaance?“, hatte er zu Beginn des Konzerts gefragt. Oh yes! Das sind hier alle! Und wenn Kachafaz am Rand der Bühne steht und mit fliegenden Haaren zum Mitsingen animiert – wie könnte man nicht sein? Geboten ist hier voller Körpereinsatz auf allen Gebieten. Die Band springt, dreht sich im Kreis, rotiert mit den Armen, alle klatschen wild in die Hände und gehen einfach nur extrem ab – mit strahlenden Gesichtern. Auf Leos Gitarre kleben bunte Sticker mit den Flaggen aller Herren Länder, auf Chekos Keyboard ein Anti-Stuttgart-21-Aufkleber. Che Sudaka sind das Aushängeschild der Mestizo-Musik und haben sich mit ihren sozialkritischen Texten in die Herzen ihrer Fans gesungen. Die explosive Energie der Band springt sofort aufs Publikum über und reißt über die gesamten anderthalb Stunden nicht ab. Bei der Zugabe nehmen alle versunken singend und tanzend Abschied, bis um 22 Uhr das Licht angeht. Spätestens jetzt sind alle schweißüberströmt, aber glücklich.

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[Fotos: Sophie Aschenbrenner]