Chaos Computer Club Freiburg: Computertüftler mit neuem Zuhause

Nikola Vogt

Der Chaos-Computer-Club will für Technik begeistern und über Fragen wie die Preisgabe privater Daten im Internet aufklären.



Ein paar Klischees werden bedient: Eine Gruppe junger Typen trifft sich in einem kleinen Kellerraum (der nicht gerade vor Gemütlichkeit strotzt), alle haben sie ihren Laptop parat, es wird über Technik gefachsimpelt. Ja, so ungefähr stellt sich der Laie wohl ein Treffen des Chaos-Computer-Clubs (CCC) vor. Aber steckt da nicht viel mehr dahinter? Was genau tüfteln die Mitglieder der größten europäischen Hackervereinigung eigentlich aus? Und warum?


Birger Brunswiek und Björn Witt vom Freiburger CCC bringen Licht ins Dunkel.
"Wir wollen Leute für Technik begeistern oder, falls das nicht klappt, ihnen zumindest Technik erklären können", sagt Birger Brunswiek, 32, Informatiker und Vorstandsmitglied vom Freiburger CCC mit einem Grinsen.

Es ist Dienstagabend, kurz vor 18 Uhr, und nach und nach trudeln die ersten Clubmitglieder im Kellerraum ein. Dieser befindet sich im "Artik", dem frisch renovierten Jugendkulturzentrum unterm Siegesdenkmal. Neuzugang Lennart Nachtigall präsentiert seine neue Errungenschaft: ein Handschuh mit Sensoren daran, die die Biegung der Finger messen. "Damit kann man zum Beispiel eine Computerhand animieren oder die Bewegungen auf einen Roboter übertragen", erklärt Birger Brunswiek. Ein typisches Beispiel dafür, dass viele Mitglieder ihre Privatprojekte in den Club tragen, zu deren Umsetzung und Weiterentwicklung dann andere rekrutiert werden.

Geigerzähler, Quadcopter, 3-D-Drucker

Auf einem Plakat an der Wand des Clubraumes steht das, was sich der CCC auf die Fahne geschrieben hat: die Förderung jugendlicher Technikkompetenz. Es werden Workshops angeboten, zum Beispiel zum Löten oder Platinen designen, oder auch Elektrotechnikkurse. Zusätzlich gibt es verschiedene Projekte, die der CCC derzeit verfolgt. "Wir wollen einen Geigerzähler bauen und einen Quadcopter programmieren, das ist ein Hubschrauber mit vier Motoren", erzählt Brunswiek. Außerdem sei ein 3-D-Drucker im Gespräch, der dreidimensionale Gegenstände drucken kann.

Wichtig ist, "wir sind nie ausschließlich eine Technikgruppe, sondern alles steht immer in Verbindung mit der Gesellschaft", so Brunswiek. Deswegen ist auch ein Workshop zum Thema Privatsphäre auf Facebook geplant. Denn vielen jungen Leuten sei nicht bewusst, wie viele persönliche Daten sie da der Öffentlichkeit preisgeben würden, meint Brunswiek. Mehrere Regionalgruppen des CCC haben sich zudem zu der Initiative "Chaos macht Schule" zusammengeschlossen. Schüler, Eltern und Lehrer sollen bei dem Projekt in Sachen Medienkompetenz und Technikverständnis unterstützt werden. Der Dienstagstreff ab 19 Uhr im "Artik" dient hauptsächlich der Koordination solcher Projekte.

So einen festen Treffpunkt hat der CCC vorher in Freiburg nicht gehabt. Obwohl seine Anfänge hier gut zehn Jahre zurückliegen, traf man sich zuvor nur unregelmäßig in Kneipen oder im ehemaligen Restaurant "Holla die Waldfee". "Die Suche nach einem festen Standort ist immer an der Finanzierung gescheitert", erzählt das 26-jährige Vorstandsmitglied Björn Witt. Doch dann hat der Chaos-Computer-Club vom "Artik" gehört und seine Fühler ausgestreckt. Ergebnis: "Wir können diesen Raum kostenlos nutzen, im Gegenzug übernehmen wir organisatorische Aufgaben und bieten die Workshops an", sagt Witt. "Der CCC hat ein Zuhause gesucht und ist jetzt eine Gruppe in der ,Artik’-Familie", sagt "Artik"-Co-Geschäftsführerin Lena Przibylla.

Der zentrale Treffpunkt spiele eine große Rolle, so Brunswiek. Seither sei auch die Besucherzahl steigend. Jedes der etwa 20 Freiburger Mitglieder zahlt einen Vereinsbeitrag von fünf Euro pro Monat. "Man kann aber auch herkommen, ohne Mitglied zu sein", so Brunswiek. Die Bandbreite der Mitglieder reicht übrigens vom 15-jährigen Schüler bis 50 aufwärts – was verbindet, ist die Leidenschaft für Technik.

Der Chaos-Computer-Club

Der Chaos-Computer-Club, kurz CCC, ist ein Verein mit mehr als 3000 Mitgliedern, in dem sich Hacker zusammengeschlossen haben. Gegründet wurde er 1981 in Westberlin, heute hat er seinen Sitz in Hamburg. Für Aufsehen sorgte der Verein 2011 mit der Analyse des sogenannten Bundestrojaners. Mitglieder des CCC enttarnten die Schnüffelsoftware, mit der staatliche Ermittlungsbehörden auf Computer verdächtiger Personen zugreifen konnten. Neben dem bundesweiten CCC gibt es 23 Regionalgruppen, wie hier in Freiburg. Diese werden Erfa-Kreise (Erfahrungsaustauschkreise) genannt. Kontakt zum CCC Freiburg: mail@cccfr.de.

 

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[Foto: Ingo Schneider]