Cathoogle: Surfen wie ein guter Katholik

Christoph Müller-Stoffels

Das Internet ist voll von Sex, Gewalt und ketzerischen Bösartigkeiten. Wer nicht aufpasst, klickt sich im Handumdrehen ins Verderben und den Höllenfeuern immer näher. Doch jetzt wird mit Google-Technologie Abhilfe geschaffen: Eine Suchmaschine für gute Katholiken.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, sollte man meinen. Google gibt, der Katholik nimmt. Im Klartext heißt das, Google stellt seinen Such-Service zur Verfügung und mehr oder minder findige Papst-Gläubige nehmen ihn, bauen ein paar Filter ein und nennen das Produkt Catholic Google oder inzwischen Cathoogle. Heraus kommt eine Suchmaschine, die den katholischen Surfer vor den heidnischen Untiefen des Internet bewahren soll, während er tiefer in die eigene Glaubenswelt einsteigen kann. Oder anders ausgedrückt: The best way for good Catholics to surf the web.




Bringt etwa das Suchwort "porn" bei der normalen Google-Suche rund 260 Millionen Treffer in 0,08 Sekunden, erscheint bei Cathoogle nur eine Meldung: "Your search - porn - did not match any documents. Suggestions: Try different keywords." Das macht natürlich Lust auf mehr, denn schließlich ist es nicht uninteressant, was die Suchmaschinenbetreiber ihrer Zielgruppe zumuten wollen und was nicht. Die Suche nach "abortion" etwa fördert die Frage zu Tage, ob ein Katholik einen Kandidaten wählen kann, der sich für die Abtreibung ausgesprochen hat. Der Frage wird natürlich nachdrücklich verneint.



Ähnlich verhält es sich bei anderen Begriffen wie "homosexuals" (Catholic Online berichtet, dass sich eine Dating-Site auch für Homosexuelle öffnen muss), "contraception" (Bibelverse zum Thema Verhütung), "protestantism" (warum nur Katholiken den Protestantismus in Gang halten können) oder "sex" (katholische Fragen und Antworten über Ehe und gleichgeschlechtliche Partnerschaften). Den schönsten Treffer liefert allerdings der Suchbegriff "drunk": Ein Video von betrunkenen katholischen Kids.

Wer hinter Cathoogle steckt, ist übrigens nicht so einfach in Erfahrung zu bringen. Hatte die Bild-Zeitung in gewohnter Schnellschussmanier noch berichtet, es handele sich um einen Google-Ableger, war der Internet-Gigant umgehend bemüht, das zu dementieren. So musste der Dienst auch sein Logo ändern, was anfangs noch sehr an Google erinnerte. Nichtsdestotrotz lässt einen die Site ratlos zurück. Es gibt zwar einen Disclaimer, der aber nur erklärt, dass die Maschine "powered by Google using 'safe search' technology" sei und dass es für die gute katholische Suche erste Wahl sein sollte. Selten waren Disclaimer weniger aussagekräftig. Google-Pressebetreuer Oliver Klug ist sich sicher, dass "das noch nicht abgehakt ist."

Der Reuters Blog "Faith World" bringt Klarheit in die Angelegenheit. Webmaster ist Paul Mulhern aus einem kleinen Ort in der Nähe des französischen Wallfahrtortes Lourdes. Die Idee für den Service habe seine Frau gehabt, die einen Shop mit religiösen Devotionalien betreibt. Ursprünglich kommen die beiden aus Leeds in England.



Auch wenn Cathoogle nichts wirklich Neues darstellt und mit The Catholic Search (die inzwischen "The Original" über ihrem Logo stehen haben) oder Schwuugle(eine Suchmaschine mit rein homosexuellen Inhalten) bereits verwandte Sparten-Suchmaschinen zur Verfügung stehen, stellt sich natürlich die Frage, wer so etwas überhaupt braucht. Wird hier "guten Katholiken" nicht zugetraut, selbst zu erkennen, welche Inhalte man guten Gewissens anklicken kann und welche nicht? Brauchen die Schäfchen tatsächlich jemanden, der ihnen beim moralisch einwandfreien klicken hilft? Hat ein religiöses Leben mit mangelnder geistiger Reife zu tun? Die Ansichten hierüber sind sicherlich geteilt.

In der Blogosphäre wird jedenfalls munter diskutiert. Während Catholic Tech Tips den Service begrüßt und fragt, ob TechChrunch, die nicht gar so überschwänglich darüber berichteten, ein Problem mit dem Christentum hätten, sind andere Blogger weit kritischer eingestellt. So ereifert sich Brian Murley, dass Catholic Google gefälligst aufhören soll, Googles guten Namen für sich zu missbrauchen. Nun, zumindest das ist inzwischen geschehen.

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