Catch a Fire: Jan Delay sagte ab

Andreas Wieland

Samy Deluxe, Torch, D-Flame, Die Firma, Dynamite Deluxe und Danny Fresh: HipHop-Fans freuten sich über dieses Line Up, das am Samstag im DOG auftreten sollte. Den Besuchern wurde dann aber mitgeteilt, dass einer der Headliner getauscht wurde, wie Andal berichtet.



Auch wenn die große Halle nicht so voll war wie im Bushidokonzert, bei dem man auch in den hinteren Reihen dicht an dicht stand, kamen bei "Catch a Fire" augenscheinlich alle auf ihre Kosten. Neben den oben genannten Rappern versuchte Bigg G, der die „Catch a Fire“ Tour ins Leben gerufen hatte, lokale Künstler zu unterstützen und ihnen somit eine Chance zu geben, sich in ihrer Region zu präsentieren.


Eines der besten Alben Bob Marleys heißt „Catch a Fire“ und der Geist von Reggae und Dancehall war auch spürbar vorhanden. Nicht nur weil eine der Vorgruppen, Slonesta und Dj Beatselecta, ihre Texte fast ausschließlich auf Dancehall Tunes spielten, sondern auch, weil sich alle anderen an diesem Abend deutlich vom so genannten HipHop Mainstream distanzierten. Seit fünf Jahren gibt es diese Veranstaltung schon in Stuttgart und seit 2006 war sie auch überregional in München und Bruchsal vertreten.



Während des Auftritts der dritten Vorgruppe sorgte eine Durchsage für gereizte Stimmung. Die Getränkebecher flogen auf die Bühne und Buhrufe übertönten das Mikrofon, als der Moderator der Menge mitteilte, dass der Headliner Jan Delay nicht auftreten würde. Einen Moment lang musste man annehmen, dass das Publikum gleich das komplette Universal Dog auseinander nehmen und die Sicherheitskräfte überrennen würde.



Jedoch beruhigte sich die Masse schnell wieder, da bekannt gegeben wurde, wer an Jans Stelle später auf die Bühne treten sollte: Max Herre. Respekt für diese Alternative. Laut Moderator war Jan Delay von seiner Agentur am Samstagabend doppelt gebucht worden, aus dem anderen Vertrag sei er nicht heraus gekommen. Samy Deluxe sagte später: „Schade, dass Jan nicht kommen wollte.“



Trotz diesem Line Up Wechsel war das Konzert erfolgreich. Man konnte bis in die letzten Reihen alle Hände oben sehen und bei den Hits alle Stimmen im Publikum hören, wie sie den Chorus mitsangen. Die Kombination von Samy Deluxe, Torch, Max Herre und D-Flame war sehr beeindruckend.

Jeder von ihnen hat seinen eigenen Stil, was das Konzert sehr vielfältig machte. Jeder von ihnen hat genug Hits im Repertoire, die jeder kannte. Gemeinsam konnten die Männer eine Hymne an die andere reihen, was die Menge zum Kochen und die Stimmung nicht für eine Minute zum Absacken brachte. Besonders Samy Deluxe punktete mit seinen endlosen Freestyles auf höchstem Niveau und einer Lunge, der die Luft nie auszugehen schien.



Nicht nur die Hauptacts, sondern auch die etlichen Vorgruppen überzeugten. Die Firma, deren deftige Beats die Crowd vor dem Finale anheizten, bestach vor allem durch die alte und neue Version von „Die Eine oder Keine“. Sympathie erwarb die Firma auch durch ihre Publikumsnähe und den Eindruck, nicht abgehoben zu sein. Außerdem distanzierten sie sich explizit von jugendlicher Gewalt-Coolness - ganz reifer Vatersprech (Mutter ist übrigens eine oder keine).

Der Rapper Danny Fresh begeisterte das Publikum vor allem dank seiner großartigen Gesangspartnerin Laura Bellon. Im Juni veröffentlichte Fresh seine zweite LP "Vidi", auf der auch Xavier Naidoo und Tone zu hören sind.



Lobend zu erwähnen ist außerdem das Duo Durchdacht und Kwest. Die beiden zeigten mit ihren rauchigen Stimmen auf guten, basshaltigen Beats ihr Können. Ebenfalls überzeugend war der aus Lörrach stammende Newcomer Dondan. Sein Debüt „Einmal alles, bitte“ gelang so gut, dass es ihm einen Videodreh und den Sprung auf die Titelseite des MKZWO Magazins ermöglichte.

Ein Feature mit dem bekannten Bihtnik Rapper Mr. Phis und dem meiner Meinung nach besten Beatboxer Südbadens, Bender, rockte das Auditorium. Fazit: trotz des Ausfalls von Jan Delay ein zufriedenstellender Abend.