Prozessauftakt

Catalin C. gesteht, Carolin G. getötet zu haben

Carolin Buchheim & aktualisiert um 16.53 Uhr

Vor dem Landgericht hat der Mordprozess gegen Catalin C. begonnen. Der Angeklagte gestand am ersten Verhandlungstag, die 27-jährige Carolin G. getötet zu haben – an eine Sexualstraftat könne er sich jedoch nicht erinnern.

Für den heutigen Mittwoch ist der Prozess beendet. Er wird am Donnerstag um 8.30 Uhr fortgesetzt.

Fazit

Der Angeklagte Catalin C. hat zum Beginn des Prozesses in einem verlesenen Statement eingeräumt, Carolin G. getötet zu haben. Er sei am Tattag depressiv und alkoholisiert ziellos durch den Wald gelaufen und habe nicht einmal gesehen, ob G. ein Mann oder eine Frau gewesen sei, als diese ihn angesprochen habe. Er habe gleich mit einer Flasche zugeschlagen und sie getötet – an mehr könne er sich nicht erinnern. C.s Geständnis erinnert an die Einlassung des Hussein K. im Mordfall Maria L. – auch er gab an, zum Zeitpunkt des Angriffs alkoholisiert gewesen zu sein, und nicht einmal gesehen zu haben, welches Geschlecht sein Opfer gehabt habe.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Peter Winckler sagte über drei Gespräche mit C. aus, in denen er auch die Tötung von Lucile K. in Kufstein zugegeben habe.

Mit der Aussage des ermittelnden Kriminalhauptkommissars, in der dieser die Tat und den Gang der kleinteiligen Ermittlungen beschrieb, endete der Verhandlungstag. Dass er den von C. beschriebenen Tathergang für nicht wahrscheinlich hält, war offensichtlich: "Eine Flasche hätte bei den Schlägen kaputt gehen müssen."

Kriminalhauptkommissar schildert den Gang der Ermittlungen

15.50 Uhr: Dann spricht der Polizist kurz über das Tatwerkzeug, das in Kufstein gefunden wurde – eine etwa 60 Zentimeter lange Stange, Durchmesser 23 Millimeter, Gewicht 1,6 bis 1,7 Kilogramm. "Die österreichischen Kollegen hatten damals ermittelt, was es für eine Hubstange war, es war ihnen aber nicht möglich, eine markenbezogene Zuordnung zu treffen", sagt der Polizist. "Uns gelang das jedoch. Die Hauptvertretung der Marke Iveco konnte uns mitteilen, dass das eine Stange sei, die bei drei Typen ihrer Fahrzeuge Verwendung finden würde." Hubstangen werden übrigens dafür verwendet, an einem LKW das Führerhaus zu kippen oder etwa Radmuttern zu lösen.

"Der einzige LKW, der zum Tatzeitpunkt einzeln besetzt war, war der von Herrn C." Aussage des Ermittlers
Auch um Mautdaten geht es kurz. 43.000 Datensätze von 8000 Fahrzeugen seien aus Österreich rund um den Tatzeitpunkt der Tötung von Lucile K. ausgewertet worden. An fünf Mautstationen im Umkreis habe man 285 Fahrzeuge ermittelt, die in Kufstein ausgefahren seien. Lediglich 13 seien Fahrzeuge der Marke Iveco gewesen. "Im Mai sind wir diesen 13 LKW noch mal nachgepirscht", sagt der Ermittler. "Es waren sechs polnische, vier rumänische und drei österreichische LKW." Die rumänischen Fahrzeuge hätten alle einer italienischen Spedition gehört, über deren deutsche Niederlassung ein weiterer Datenabgleich möglich gewesen sei. "Der einzige LKW, der zum Tatzeitpunkt einzeln besetzt war, war der von Herrn C. Das war für uns schon sehr interessant", sagt der Polizist. "Wir hatten im Vorfeld herausgefunden, dass sein Handy zum Tatzeitpunkt in Endingen eingeloggt gewesen war."

Nachdem der Kriminalhauptkommissar die wichtigsten Hinweise beschrieben hat, die die Ermittler zum Angeklagten geführt hätten, geht es nun um dessen Festnahme. Der Ermittler beschreibt, wie eine Speichelprobe bei C. in den Räumen der Spedition in Endingen stattgefunden hätte und was nach der Feststellung der Übereinstimmung mit den Tatortspuren passiert sei. "Die Festnahme war problemlos möglich. Er wartete friedlich in der Spedition auf seine Vernehmung." C. habe sich unauffällig verhalten. "Wenn es um die konkreten Tatvorwürfe ging, hat er sich total zurückgezogen und auf den Boden geschaut." In der ersten Vernehmung sagte er, mit den Taten nichts zu tun zu haben. Der Angeklagte sei ihm vorgekommen wie "ein ruhiger, stiller, sich unterordnender, introvertierter Mensch, der alles hingenommen hat", sagt der Polizist. Nur in einer Rauchpause während der ersten Vernehmung habe er erkennbar gezittert.

In der Vernehmung habe C. auf die Frage, ob er je mit der Polizei zu tun gehabt hätte, von dem Vorfall mit der Prostituierten in Rumänien gesprochen. "Er hat es aber dargestellt, als sei er das Opfer gewesen und gesagt, dass er nicht verurteilt worden sei."

Dann beschreibt der Ermittler das Opfer. "Carolin G. wurde 27 Jahre alt. Sie wird beschrieben als eine sportliche, attraktive junge Frau, zuvorkommend, immer lustig drauf", sagt der Kriminalbeamte. "Wenn sie reinkam, war ein Lächeln in ihrem Gesicht. Sie war Fußballspielerin, hat mit sieben Jahren angefangen und hat wegen der Ehe aufgehört, weil der Ehemann auch Fußballspieler ist und man sich mehr sehen wollte." Carolin G. sei ein Mensch mit einem "Gefahrenradar" gewesen, die in einer riskanten Situation eher die Straßenseite gewechselt hätte. Seit Juli 2015 sei sie verheiratet gewesen; sie und ihr Mann hätten Kinder haben wollen. Auf der Nebenklagebank wischen sich bei diesem Teil seiner Aussage die Angehörigen von Carolin G., die mit beeindruckender Gefasstheit und Konzentration diesen ersten Prozesstag verfolgen, Tränen aus den Augen.

Schließlich können die Prozessbeteiligten noch Fragen an den Kriminalhauptkommissar stellen. "Welche Verbindungen sehen sie zwischen Endingen und Kufstein?", will Claudio La Malfa, Vertreter von Carolin G.s Witwer wissen. "Man vermutet, dass das junge Mädchen an der Innpromenade einen Schlag frontal ins Gesicht erhielt, der vermutlich schon für sich tödlich gewesen wäre. Letztlich wurde das Opfer auch dort im Unterkörper entkleidet, der sexuelle Übergriff war im Vergleich zu Endingen aber eher gering. Das Opfer wurde offenliegend zurückgelassen, es wurde nicht versucht, es zu verstecken." Allerdings sei auch dort das Handy mitgenommen worden.

La Malfa hat eine weitere Frage: "Der Angeklagte hat sich heute zur Tat eingelassen und meinte, er hätte Carolin G. mit einer Flasche erschlagen, genau genommen mit einer Obstwasser-Flasche. Haben sie Erkenntnisse dazu?" Der Beamte spricht noch einmal über die Tatwaffe, die in Endingen nicht gefunden wurde: "Es handelte sich vermutlich um einen rundlichen Gegenstand aus Metall mit einiger Masse. Ob es eine Flasche gewesen sein könnte, könne nicht er, sondern der Gutachter klären. Eins sei jedoch klar: "Wir haben weder am Leichenfundort noch am Fundort des zerstörten Handys Scherben gefunden, die man einer Flasche zuordnen könnte." Und: "Eine Flasche hätte bei den Schlägen kaputt gehen müssen."

Dann beendet Richterin Eva Kleine-Cosack den ersten Verhandlungstag. Fortgesetzt wird der Prozess am morgigen Donnerstag um 8.30 Uhr.

15.00 Uhr: Erster Zeuge am Nachmittag ist ein Kriminalhauptkommissar von der Kriminalpolizei Emmendingen. "Hin und wieder frage ich Zeugen, welche Ermittlungen in einem Fall getätigt wurden – das werde ich in diesem Fall nicht tun", sagt Richterin Eva Kleine-Cosack. "Die Ermittlungen sind sehr breit geführt worden. Es gab 4000 Spuren. 93 Leitz-Ordner Spuren-Akten wurden angelegt - das müssen wir so in das Verfahren nicht einbringen. Wir konzentrieren uns auf die Spuren, die zum Angeklagten geführt haben und die dazu beitragen werden, ob der Angeklagte die Tat begangen hat und wie die Tatumstände zu bewerten sind."

"93 Leitz-Ordner Spuren-Akten wurden angelegt." Richterin Eva Kleine-Cosack
Der Zeuge gibt einen ausführlichen Überblick über den Gang der Ermittlungen. Er beginnt mit der Schilderung des Tattags, dem 6. November 2016, und beschreibt den Tagesablauf: Carolin G. und ihr Mann gingen mit den Eltern am Morgen zu einem Brunch bei einer Cousine des Ehemannes. Nach der Rückkehr nach Endingen fuhr G.s Ehemann zu einem Fußballspiel nach March-Holzhausen, Carolin G. wollte laufen gehen und noch ihrer Nebentätigkeit nachgehen. Um 14.57 Uhr schickte Carolin G. ein Selfie in Laufkleidung an einen Kollegen und ging Joggen, sie wird von Endingerinnen und Endingern gesehen, bis sich um kurz vor 15.20 Uhr ihre Spur verliert – 250 Meter vor dem Wäldchen, in dem ihre Leiche später gefunden wird. Als Ehemann Boris G. um 17.30 Uhr heimkommt, ist Carolin G. nicht da. Die Familie beginnt eine Suche, meldet sie um 21 Uhr vermisst.

Dann beschreibt der Zeuge einzelne grundlegende Fakten zum Fall. Der Kriminalhauptkommissar beginnt mit einer Beschreibung des Fundorts der Leiche und ihren Verletzungen durch den Angriff mit einem vermutlich metallenen Gegenstand und den sexuellen Übergriff. Der Ermittler beschreibt, welche Gegenstände dem Opfer fehlten: "Den linken Laufschuh fanden wir etwa vierzehn Tage später. Ihr Handy fehlte. Außerdem der Ehering und ein Ohrstecker. Ob er bewusst weggenommen wurde, im Tatgeschehen verloren ging oder in der Wohnung zurückgelassen wurde, konnten wir nicht klären."

Dann geht es um das Handy des Opfers. Der Polizist beschreibt, dass Carolin G.s Handy sich um 15.28 Uhr in eine Funkzelle in Emmendingen einloggte und die Ermittler zunächst annahmen, sie habe das Wäldchen durchquert. "Dann stellten wir aber fest, dass das Einloggen schon im Wäldchen passieren kann." Um 15.48 Uhr sei es dann zu einem sogenannten "Handy-Crash" gekommen. "Das heißt, dass sich das Handy nicht normal ordentlich abmeldet, wobei die Ursache nicht genau nachvollziehbar ist", sagt der Polizeibeamte. "Das kann durch Zerstörung, Fallen in Wasser oder das Einfahren in eine Tiefgarage verursacht werden."

Er beschreibt anschließend den Fund von Carolin G.s linkem Sportschuh, der am Fundort der Leiche fehlte, und von Resten eines zerstörten iPhone 5, noch einmal 200 Meter weiter. "Der größte Teil lag in der Nähe eines Grenzsteins", sagt der Ermittler. Viel deute darauf hin, dass es das Handy von Carolin G. war. "Wir konnten es aber nicht nachweisen, da Individualmerkmale am Telefon fehlten."

Dann geht es um die Frage, wie die Verbindung zwischen dem Fall Lucile K. in Kufstein und dem Fall Carolin G. in Endingen hergestellt wurde. "Bereits Ende November meldete sich das LKA Tirol und stellte uns einen Fall vor, der sich 2014 in Kufstein ereignet hatte, und der möglicherweise Parallelen aufwies", sagt der Zeuge. Das sei für sich genommen noch nicht ungewöhnlich gewesen. "Das haben sie auch bei der Soko Dreisam gemacht." Über die Presse hätten die österreichischen Kollegen wohl von dem Fall gehört. Dann hätte ein Datenaustausch begonnen, auch von DNA-Material. "Der Versuch war, einen Kreuztreffer zu erzielen", sagt er. "Eine Person zu finden, die zu beiden Tatzeitpunkten in Kufstein und in Endingen war." Am 16. Januar 2017 hätte das LKA in Stuttgart dann den DNA-Treffer gemeldet. "Das hat eine Maschinerie in Gang gesetzt, die immens war."

Sachverständiger Dr. Peter Winckler aus Tübingen sagt als erster Zeuge über seine Gespräche mit Catalin C. aus

"Satz. Pause. Satz. Pause. Das war eine mühsame Angelegenheit." Dr. Peter Winckler, psychiatrischer Sachverständiger
11 Uhr: Nach einer kurzen Pause setzt der Sachverständige Dr. Winckler seine Aussage fort. Catalin C. habe ihm die Tat nach einem Gespräch des Angeklagten mit seinem Verteidiger geschildert. Wincklers Aussage dazu entspricht in großen Teilen dem zu Beginn der Verhandlung vorgetragenen Geständnis Catalin C.s.: Demzufolge war der Angeklagte spazieren, trank Obstwasser aus einer Flasche und begegnete im Wald Carolin G. Sie habe ihn angesprochen und etwas gefragt; C. habe ihre Frage nicht verstanden und sie unvermittelt mit der Obstwasserflasche niedergeschlagen. An mehr "könne er sich nicht erinnern". Der Sachverständige schildert C.s Aussage als langwierig: "Satz. Pause. Satz. Pause. Das war eine mühsame Angelegenheit."

Während Wincklers Aussage wird deutlich, dass der Angeklagte während des Gesprächs ihm gegenüber die Tötung von Lucile K. offensichtlich indirekt eingeräumt hat. Der Sachverständige schildert zudem seine Bemühungen, C. mit den Fakten des Falls zu konfrontieren, die seiner Aussage widersprechen. Damit habe er jedoch wenig Erfolg gehabt. C. habe wieder und wieder angegeben, sich nicht an Details erinnern zu können und nicht zu wissen, was passiert sei.

"Ich habe ihm dann vorgehalten: So, wie Sie mir das schildern, mussten Sie davon ausgehen, dass ein Mensch durch Sie ums Leben gekommen ist. Wie war das für Sie?", sagt Winckler. Die Antwort von C. sei gewesen: "Schwer." Eine solche Tat passe nicht zu ihm, er sei nicht so, er sei ein ruhiger und gelassener Mensch. Auf die Frage des Sachverständigen an den Angeklagten, ob es ihm gelungen sei, die Tat zu verdrängen, habe er geantwortet: "Teils, teils." Er habe als Reaktion darauf mehr Alkohol getrunken.

Auch mit den deutlichen Hinweisen auf gravierende sexuelle Misshandlungen habe er Catalin C. konfrontiert. Ob er dazu etwas sagen könne? Der Angeklagte habe angegeben, dass er sich nicht daran erinnere, sexuelle Handlungen am Opfer vorgenommen zu haben. Auch an den konkreten Tatvorwurf – die massive manuelle sexuelle Misshandlung – könne er sich nicht erinnern, auch nicht daran, Carolin G. gewürgt zu haben.

In einem dritten Gespräch am vergangenen Freitag habe Winckler den Angeklagten abermals konkret mit Vorwürfen aus den Ermittlungsakten konfrontiert: mit Sex-Dating-Apps auf dem Handy, Suchen auf seinem Computer nach Orten für anonymen Sex im Raum Freiburg und dem Beipackzettel eines Mittels gegen Erektionsstörungen auf seinem Telefon sowie dem Ergebnis einer Haaranalyse, die gezeigt habe, dass er Testosteron eingenommen hat. "Das sage ihm nichts", sei die Standardantwort des Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen gewesen.

Winckler habe C. auch darauf hingewiesen, dass er zur Frage der Sicherungsverwahrung werde aussagen müssen. Dabei würde auch der Fall in Kufstein Thema werden: "Wenn man unterstellen würde, Sie wären Täter beider Taten, gab es Unterschiede?" "Nein, die gäbe es nicht", habe C. gesagt.

10 Uhr: Die Beweisaufnahme beginnt. Erster Zeuge ist Dr. Peter Winckler, psychiatrischer Sachverständiger aus Tübingen. Er erklärt zunächst sein übliches Vorgehen bei Gutachten und erzählt dann von seinen Gesprächen mit C. zu dessen Lebensgeschichte, Arbeit und Persönlichkeit. Der Angeklagte habe beim ersten Gespräch noch unter dem Eindruck des Angriffs von Mitgefangenen im Juni in der JVA Freiburg gestanden. Dabei habe er eine Nasenbeintrümmerfraktur erlitten, mehrere Zähne seien ihm ausgeschlagen worden.

Nach dem Angriff sei er ins Gefängniskrankenhaus Hohenasperg verlegt worden, von dort in die JVA Schwäbisch Hall. Dort habe er eher zurückgezogen und mit wenig Kontakt zu Mitgefangenen gelebt, sei aber auch nicht bedroht worden. "Es war ungewöhnlich", reflektiert Winckler das Gespräch. "Weil er kaum emotionale Regungen gezeigt hat. Es war, als habe er mit mir durch eine Glasscheibe kommuniziert." Lediglich, wenn C. über seine Familie geredet habe, habe er Emotionen gezeigt. Er sorge sich um die Familie, schließlich sei er ihr Haupternährer gewesen.

"Es sei eine gute Arbeit gewesen, er habe keine Probleme am Arbeitsplatz gehabt." Dr. Peter Winckler, psychiatrischer Sachverständiger
C. habe ihm von seiner Arbeit für die Endinger Spedition D. erzählt. Dort habe er im Oktober 2015 angefangen, nachdem seine Stiefschwester ihm den Job vermittelt hatte. "Es sei eine gute Arbeit gewesen, er habe keine Probleme am Arbeitsplatz gehabt." C.s Familie sei für einige Monate nach Deutschland gekommen, Probleme mit der Stiefschwester und eine schwierige Lebenssituation hätten jedoch dazu geführt, dass die Familie wieder nach Rumänien gezogen sei.

C. habe rund ein Jahr allein in seinem LKW gelebt, habe lediglich Meldeanschriften für seine Post gehabt. Das sei dem Arbeitgeber egal gewesen, solange er seine Arbeit anständig gemacht habe. Erst im Frühjahr 2016 habe C. eine Wohnung bei einer rumänischen Familie in Breisach bezogen. Den größten Teil seines Einkommens, rund 2600 Euro netto, habe er seiner Familie nach Rumänien geschickt.

"Alkohol sei für ihn ein Mittel gegen Einsamkeit gewesen." Dr. Peter Winckler, psychiatrischer Sachverständiger

Gegenüber Winckler habe C. auch zu seiner Familiengeschichte ausgesagt. Er sei ohne Mutter aufgewachsen, Hauptbezugsperson sei seine Großmutter gewesen. Alles in allem habe er keine schöne Kindheit gehabt. Er sei zwölf Jahre zur Schule gegangen und habe dann sowohl das Abitur als auch parallel eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker und Kraftfahrer gemacht.

Sexuelle Probleme habe er keine gehabt. "Normal", sei C.s Antwort auf Fragen nach sexuellen Unzufriedenheiten oder Störungen gewesen. Insgesamt sei die Exploration in Bezug auf die Sexualität noch mühsamer verlaufen als ohnehin. Überraschenderweise habe er jedoch spontan von dem Vorfall im Jahr 2005 berichtet, als er in Rumänien eine Prostituierte mit einem Messer verletzt hatte. Er habe den Fall so geschildert, dass er in Notwehr bei einem versuchten Raub gehandelt habe, habe von der strafrechtlichen Ermittlungen und deren Einstellung berichtet. "Das passte nicht zu den massiven Verletzungen der Frau", sagt Winckler. Die Frau sei sowohl im Brust- als auch im Bauchraum verletzt worden und habe zudem Wunden im Gesicht gehabt.

Alkohol habe C. seit seinem Umzug nach Deutschland viel konsumiert, ein bis zwei Liter am Tag. "Alkohol sei für ihn ein Mittel gegen Einsamkeit gewesen." Auf die Frage, wie er sich denn selbst charakterisieren würde, sei C. zunächst nichts eingefallen, vielmehr habe er eine Gegenfrage gestellt: "Was solle er denn zu sich sagen?" Er schätze sich selbst als ruhigen, zurückhaltenden Menschen ein, Arbeitnehmer hätten ihn als fleißig und zuverlässig bewertet. Sein Lebensziel sei immer gewesen, dass seine Kinder es einmal besser hätten als er. Seine persönliche Schwäche sei höchstens, dass er zu ruhig sei, und sich zu viel gefallen ließe. Die Frage, was er in seinem Leben am meisten bedauere, habe C. nicht beantworten wollen.

Angeklagter Catalin C. legt ein Geständnis ab

9 Uhr: Der Prozess am Landgericht Freiburg hat begonnen. Um 8.40 Uhr wird der Angeklagte Catalin C. an Händen und Füßen gefesselt in den Gerichtssaal gebracht. Er befindet sich in U-Haft in der JVA Offenburg. Bereits seit 6.30 Uhr warteten rund zwei Dutzend Menschen in der Salzstraße auf Einlass. Mehrere Fernsehteams versuchten meist vergeblich, Wartende nach den Gründen für ihr Kommen zu befragen. Carolin G.s Witwer, ihre Eltern und ihr Bruder sitzen mit ihren Anwälten Peter Oberholzner und Claudio La Malfa auf den Plätzen der Nebenklage; auch im Zuschauerbereich sind vielen Familienangehörige und Freunde des Opfers. C. sitzt auf der Anklagebank zwischen seinem Pflichtverteidiger Klaus Malek und einem Übersetzer. Vorsitzende Richterin der Schwurgerichtskammer ist Eva Kleine-Cosack, sie eröffnet die Verhandlung.

Staatsanwalt Tomas Orschitt trägt die Anklage vor. Er beschreibt mit wenigen Worten den massiven Angriff auf die 27-Jährige am 6. November vergangenen Jahres nahe ihres Wohnorts in Endingen. Der Angeklagte habe sein Auto am Panoramablick geparkt, Carolin G. angegriffen und so stark gewürgt, dass sie vermutlich bewusstlos war, als er sie in ein abschüssiges Waldstück zog. Er habe sie entkleidet und massiv mit den Händen sexuell missbraucht, so sehr, dass sie schwere körperliche Verletzungen erlitt. Er habe ihr vermutlich schon dort mit einem mitgebrachten Gegenstand einen Schlag auf den Kopf versetzt. Er habe sie bergab geschleift und noch einmal auf ihren Kopf geschlagen. "Carolin G. verstarb an den Folgen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas in Kombination mit Blutaspiration." Diese Tat sei strafbar als Mord in Verbindung mit besonders schwerer Vergewaltigung.

"Der Impuls zu meiner Tat hat nicht auf sexuellen Trieben beruht, sondern auf einer Aggression." Catalin C.

Dann lässt Catalin C. durch seinen Verteidiger ein Geständnis vorlesen: "Was ich getan habe, tut mir unendlich leid. Ich stehe fassungslos vor dem, was geschehen ist, als wäre es die Tat einer anderen Person, aber ich weiß, dass ich es getan habe." C. gibt an, er sei am Tattag spazieren gegangen, depressiv gewesen und habe Obstwasser getrunken. "Der Impuls zu meiner Tat hat nicht auf sexuellen Trieben beruht, sondern auf einer Aggression." Carolin G. habe ihn angesprochen, er habe ihr die Flasche Obstwasser über den Kopf geschlagen. "Warum, kann ich nicht mehr sagen. Ich glaube, dass die Frau gleich tot war. Mein Verteidiger und der Sachverständige haben mir gesagt, dass es zu sexuellen Handlungen kam, aber daran kann ich mich nicht erinnern." Auch wenn ein Mann ihn angesprochen hätte, habe es so passieren können. Er habe im Oktober 2017 erstmals die Tat gegenüber seinem Verteidiger und dem Dolmetscher geschildert. Er schließt seine Erklärung ab: "Mehr möchte ich jetzt zu der Sache nicht sagen."
Der Prozess

Angesetzt für den Prozess sind zunächst acht Verhandlungstage vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Freiburg. Vorsitzende Richterin ist Eva Kleine-Cosack.

Die Anklage lautet auf Mord. Drei Mordmerkmale sieht Staatsanwalt Tomas Orschitt erfüllt: dass Catalin C. die Tat heimtückisch begangen hat, zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes und um eine andere Straftat zu verdecken. Der Witwer von Carolin G. tritt als Nebenkläger im Prozess auf, auch die Eltern der Getöteten haben Nebenklage eingereicht.

Catalin C. soll bereits im Jahr 2014 im österreichischen Kufstein die Studentin Lucile K. vergewaltigt und ermordet haben – die Jagd auf ihn war eine Puzzlearbeit der Polizei über Landesgrenzen hinweg.

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