Casting für "Miss Plus Size Germany" in Freiburg - Interview mit Model Sandy Dietrich

Alexandra Mieth

Am Dienstag findet in Freiburg das Casting für die "Miss Plus Size Germany" statt. In der Jury sitzt das Freiburger Plus-Size-Model Sandy Dietrich. fudder-Autorin Alexandra Mieth erzählt sie, was sie von den Bewerberinnen erwartet und was sie von der Debatte über die Bezeichnung "Plus-Size" hält:



Wie wurdest Du Plus-Size-Model?

Sandy Dietrich: Eigentlich ganz zufällig. Angefangen hat alles vor vier Jahren, als ich im Fernsehen ein Bericht über das Model Crystal Renn gesehen habe. Sie hat sich von einer "Size Zero" zu einer "Plus Size" entwickelt und war immer noch erfolgreich. Ich fand den Bericht so interessant, dass ich sie gegooglet habe. Dabei bin ich auf einen Aufruf für ein Plus-Size-Modelcasting gestoßen. In diesem Casting wurde ich die Drittplatzierte unter 1600 Bewerberinnen. Danach klopfte die erste Agentur an meine Tür, die mich unter Vertrag nahm und mir meinen ersten Job vermittelte; ein Fotoshooting für Wella.

Wie sieht der Alltag im Leben eines Plus-Size-Models aus?

Der Alltag bei Plus-Size-Models ist eigentlich genau derselbe wie bei "klassischen" Models. Man ist bei Agenturen unter Vertrag, die Jobs vermitteln. Manchmal wird man direkt gebucht über die Sedcard, das ist eine Art Visitenkarte für Models mit Fotos und Maßen. Manchmal muss man auch zu Castings fahren und sich persönlich verstellen. Wenn man gebucht wird, macht man dann Fotoshootings, Laufstegjobs, Fittings (Anproben für Designer) oder man schauspielert für ein Werbevideo.

Wie hältst Du Dich fit für den Model-Job?

Eigentlich bin ich ein Sportmuffel, aber treibe trotzdem Sport, weil man auch als Plus-Size-Model fit und in Form bleiben muss. Am liebsten gehe ich tauchen, das geht aber meist nur im Urlaub. Ansonsten bin ich der typische Fitness-DVD-Typ oder gehe, wenn das Wetter mitspielt, auch gerne wandern. Das bietet sich hier in Freiburg ja auch an.

Welche negativen Erfahrungen hast Du in diesem Job bereits gemacht?

Natürlich kann es passieren, dass man mal einen schlechten Tag hat, dass ein Kleidungsstück nicht passt oder dass man dem Kunden nicht gefällt. In der Plus-Size-Branche habe ich aber noch nie so einen Zickenkrieg erlebt, wie man ihn im Fernsehen bei gewissen Model-Casting-Shows sieht. Plus-Size-Models sind meiner Meinung nach viel freundlicher und unterstützen sich gegenseitig. Ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass ich in meinem Job jemals eine richtig schlechte Erfahrung gemacht hätte.

Stefania Ferrario, ebenfalls Plus-Size-Model, hat vor kurzem mit dem Hashtag #DropThePlus die Debatte über den Begriff "Plus-Size" entfacht. Sie und andere Models wollen sich gegen die Bezeichnung wehren. Was denkst Du über den Begriff "Plus-Size"?

Ich finde das persönlich überhaupt nicht schlimm. Das ist meiner Meinung nach viel Hype um gar nichts. "Plus-Size" ist ja nur ein Begriff der Modebranche. Die "klassischen" Models auf dem Laufsteg tragen Kleidergrößen von 34 bis 38; der Begriff "Plus-Size" ist notwendig um zu definieren, dass die Kleidung, die wir tragen, größer als 38 ist. Ich empfinde den Begriff nicht als negativ und fühle mich dadurch auch nicht diskriminiert. Ich finde sogar, dass "Plus-Size" gut klingt.

Lässt sich Deiner Meinung nach ein Trend abzeichnen - weg vom klassisch-dünnen, hin zum kurvigen Plus-Size-Modell?

Davon bin ich fest überzeugt! Ich finde aber, es sollte kein Trend, sondern normal sein. Es gibt so viele verschieden Frauen, die verschiedene Größen und Körperformen haben. Frauen außerhalb von Kleidergröße 34 bis 38 sind einfach unterrepräsentiert; die deutsche Durchschnittsfrau trägt auch Kleidergröße 42. Wenn man sich vorstellt, man ist Mitte 40 oder Anfang 50 und schlägt einen Katalog auf, in dem eine 18-Jährige Kleidung in Größe 36 präsentiert, fühlt man sich ja auch irgendwo verarscht.

Du sitzt am kommenden Dienstag in der Jury für "Miss Plus Size Germany". Wie kam es dazu und was sind Deine Aufgaben?

Das kam durch Ulla Popken. Vor einem Jahr stand ich mit Harald Glöckler für den ersten TV-Werbespot des Modeunternehmens vor der Kamera. Vor kurzem haben sie dann bei mir angefragt, ob ich nicht Lust hätte, Jury-Mitglied für Freiburg und Stuttgart zu werden. Ich habe sofort zugesagt und finde es klasse. Ich stehe auch gerne mit Rat und Tat zur Seite. Es gibt ja viele, die sehr schüchtern sind, da kann ich weiterhelfen und Tipps geben, wie man gut läuft oder wie man sich am besten präsentiert.

Welche Eigenschaften sollten Bewerberinnen im besten Fall mitbringen?

Bei mir persönlich können Kandidaten punkten, die ungekünstelt und locker sind und eine positive Ausstrahlung haben. Wenn das stimmt, ist mir auch egal, ob Nase oder Busen zu groß oder zu klein sind, oder die Kleidergröße nicht ganz passt. Die eine "richtige Größe" gibt es sowieso nicht! Übertriebenes Make-Up, Solariumbräune und  künstliche Fingernägel finde ich jedenfalls gar nicht schön. Je natürlicher und unverkrampfter eine Kandidatin ist, desto sympathischer ist er mir!

Wie läuft die Suche nach "Miss und Mister Plus Size Germany" ab und was erwartet die Gewinner?

Die weiblichen Bewerber haben die Möglichkeit, sich bei den offenen Castings in verschiedenen Städten von professionellen Visagisten schminken und von Photographen ablichten zu lassen und sich Tipps zu holen. Per Online Formular können sich sowohl Frauen als auch Männer bis zum 10. Mai 2015 bewerben.
Danach werden mithilfe eines Online-Votings und Fachjuroren Finalistinnen und Finalisten ausgewählt und zum Finale nach Hamburg eingeladen. Ich bin mir sicher, dass sich das komplette Leben der Gewinner verändern wird. Auf jeden Fall ist das Casting ein erster Schritt auf dem Weg zu einer internationalen Plus-Size-Modelkarriere.

Zur Person

Sandy Dietrich kommt aus Freiburg. Die 30-Jährige modelt seit 2011 als Plus-Size-Model. Beim Freiburger Casting für "Miss Plus Size Germany" sitzt sie in der Jury.

Mehr dazu:

Was: "Miss Plus Size Germany Casting" in Freiburg
Wann: Dienstag, 21. April 2015, 11 bis 17 Uhr
Wo: Ulla Popken Filiale, Münsterplatz 4, 79098 Freiburg

Teilnehmen können Frauen ab 18, die mindestens Kleidergröße 42 tragen. [Foto: Kerstin Butz Photography]