Cash - Rememberig the man in black

Dana Hoffmann

Wer bislang meinte, Johny Cash-Musik sei nur countrymäßiges Gitarrengezupfe, wurde gestern Abend eines besseren belehrt. Und wer nicht dabei war, der hat einen tollen Abend mit vielen Überraschungen und musikalischen Glanzpunkten verpasst. Dana war für fudder im Spiegelzelt

Die Coverband im Allgemeinen hat keinen allzu guten Ruf. Zum Schwofen und Mitklatschen auf Hochzeiten und Stadtteilfesten mögen sie wohl geeignet sein, musikalisch wird ihnen jedoch nur zu gern jegliches Talent aberkannt.




Die Combo, die gestern das ausverkaufte Spiegelzelt bespielt hat, konnte das erstaunte Publikum dann aber überraschen: Das war kein Liederabend a lá „Best of Johnny Cash“. Das war auch keine Partyband mit Keyboard und Schifferklavier. Das ganze Konzert war eine einzige Liebeserklärung an Country-Legende Cash und eine große musikalische Leistung. „It ain’t me, babe“ gab es in einer weiblichen R’n’B- Version, „Ghostriders in the sky“ war auf Portugiesisch mal was ganz anderes und „A boy namend Sue“ hieß auf Einmal Ute.



Begleitet wurden die Interpretationen von Anne Haigis, Raquel de Souza oder Roland Heinrich von einem exzellenten Septett. Westerntypische Instrumente wie das Pedalsteel und der/die/das Honky Tonk durften ebenso wenig fehlen wie Gitarrensound, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug. Dieter Thomas Kuhn, der wohl bekannteste Interpret des gestrigen Abends, konnte sich von seinem gelben Anzug zwar nicht trennen. Von Schlagerlaune war aber nichts zu spüren: Ohne großes Trara sang er zusammen mit Busenfreundin Haigis das Cash-Carter-Duett „Jackson“ und verschwand dann nach zwei Soli schnell von der Bühne.

Auch die anderen Musiker waren nicht darauf aus, sich in den Begeisterungsstürmen des Publikums zu baden. Viel mehr war deutlich die tiefe Verbeugung vor dem „Man in black“ zu spüren, die Freude von Band und Interpreten an der Musik, das Spiel mit den Texten. Derjenige, der aus der Ankündigung im ZMF-Programm nicht schlau geworden war, durfte sich gestern über einige Überraschungen freuen: Bozee, Tim X-Treme und Tiger Wutz vermochten auch das ältere Publikum mit ihrer deutschen Rap-Version eines Cash-Hits zu begeistern, die bildhübsche Franziska erntete schon Applaus, bevor sie überhaupt den Mund aufmachte und Michael Gaedt eroberte trotz oder wegen sehr kurzer Jeans-Hotpants die Herzen der Frauen in der erste Reihe.



Und Johny Cash war die ganze Zeit präsent: Mit Leinwand-Einblendungen wurde er zwischen de Acts auf die Bühne geholt, live begleitet von der Band im Zelt. So hatte er posthum noch einmal die Gelegenheit zu beweisen, dass er ein großer Entertainer war: Die Elvis-Parodie Cashs vor einem Konzert ließ auch gestern das Publikum Tränen lachen. Auch ein Wehrmutstropfen floss schließlich über die ein oder andere Wange: Nach „Ring of fire“ war den Künstlern auch mit Trampeln und Klatschen keine zweite Zugabe zu entlocken.