Carrotmob in Freiburg: Einkaufen fürs Klima

Dominik Schmidt

Wenn Umweltschützer zum Carrotmob aufrufen, geht es nicht um einen grün-militanten Mob, der zum Boykott aufruft und Schaufenster verschmiert. Ein Carrotmob ist gerne gesehen bei Unternehmen, denn er produziert Umsatz und kauft brav den Laden leer. Dabei kommt die Umwelt aber nicht zu kurz - ganz im Gegenteil.



Möchte man einen Esel zum Laufen bewegen, gibt es zwei Möglichkeiten. Tritte in den Hintern versetzen oder mit einer Karotte ködern. Der US-Amerikaner Brent Schulkin entschied sich für die Karotte, die süßere Variante, um seinen Beitrag zu einer klimafreundlicheren Welt zu leisten. Fehlt nur noch genügend Schlagkraft. Ein Mob, eine Menschenmenge, muss her. Geboren war die Idee des Carrotmobs. Für Geld tun Unternehmen vieles, davon ist Schulkin überzeugt, der 2008 den ersten Carrotmob in San Francisco organisierte. Wenn Unternehmen nur die Bilanz im Blick haben und dabei dem Umweltschutz wenig Beachtung schenken, warum sich diesen Umstand nicht zu Eigen machen? Die Unternehmen sollen Geld mit Umweltschutz verdienen, indem ein Mob den Laden im besten Falle innerhalb weniger Stunden leerkauft.


Dies gelang Schulkin in San Francisco und vielen weiteren Menschen überall auf der Welt, unter anderem  in Berlin, München, Basel und jetzt in Freiburg. Der erste Schritt, nachdem sich jemand der Organisation angeschlossen hat, ist es, zahlreiche Geschäfte in der Stadt zu kontaktieren. Das Geschäft, das bereit ist, den höchsten Anteil seines Tagesumsatzes für energiesparende Maßnahmen einzusetzen, bekommt den Zuschlag.



Ist das Geschäft bestimmt, folgt der wichtigste Teil: den Mob zusammentrommeln. Facebook, Twitter, Kettenbriefe. Der Erfolg des Projekts wird an der Mobilisierung gemessen. Je mehr Leute, desto mehr Umsatz. Erfahrungsgemäß können dabei einige Tausend Euro zusammenkommen, die der Geschäftsbetreiber in sein Kühlsystem, Energiesparbirnen oder bauliche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz investieren kann.

Am 5. Juni 2010 soll der erste Freiburger Carrotmob stattfinden, organisiert von den drei Hauptorganisatoren Katharina Engel, Andreas Hege und dem Marketingberater Sebastian Backhaus. Derzeit warten die Organisatoren auf die ersten Gebote der Freiburger Geschäftsbetreiber.

Wie wird die grüne Stadt Freiburg die Aktion annehmen? Kritiker, die vom Tropfen auf den heißen Stein sprechen, sollte man ignorieren, denn die Idee des Carrotmobs ist genial einfach. Zuckerbrot und Peitsche statt einfallsloser Boykott.

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Wie funktioniert ein Carrotmob? Ein erklärendes Video: