Canned Heat im Zirkuszelt: Die Großfürsten des Boogie

Jens Grosskreuz

Neben Joe Cocker und Neil Young gibt es nur noch Canned Heat, die schon auf dem legendären Woodstock '69 spielten und noch immer auf Tour sind. Weil Jeff Beck, der ursprünglich aufs ZMF kommen sollte, wegen Krankheit kurzfristig alle Termine cancelte, war im ZMF-HQ Eile geboten. Sie wollten zunächst Johnny Winter rekrutieren - auch ein Woodstocker - doch der verstarb vorgestern. So stand das Konzert von Anfang an unter einem wirklich bluesigen Stern.



Canned Heat (wortwörtlich: „Eingemachtes“ - das ist ein Slangausdruck für Fusel!) ist wieder „on the road again“. Mit diesem Klassiker erinnern sie gleich zu Beginn daran, dass dieser Track in Deutschland anno '68 über acht Wochen unter den Top 20 war. Die helle Stimme (jetzt vom Drummer täuschend ähnlich nachgeahmt) und das ausdrucksstarke Harmonikaspiel machen den Canned Heat-Klang unwiderstehlich unverwechselbar. Doch brauchen wir diesen Altherrenblues?


Der „Rolling Stone“ schrieb schon Mitte der Siebziger über die passionierten Blues-Liebhaber, es sei der „verzweifelte Versuch alternder Rock'n'Roller, am Ball zu bleiben“.

Na klar sind die Großfürsten des Boogie etwas unbeweglich geworden, auch die Bühne ist spartanisch reduziert auf's Wesentliche. Allerdings tut das dem Blues und vor allem dem Boogie keinen Abbruch. Der letzte Song „Let's have a good time“ erstreckt sich mit Zugabe und Soli auf knapp zwanzig Minuten.

Gelernt ist gelernt: Die Soli öffnen die Kinnlade, während Bass und Drum so harmonieren als wären sie aus einem Guss. Was alles in Los Angeles im Jam und anfing, ist jetzt Bluesgeschichte – Musikgeschichte. Canned Heats einmalig nerviger Sound legt sich wie ein guter Salbenumschlag auf die alten Knochen und verspricht Wohlsein, nicht mehr und nicht weniger.



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[Fotos: Wolfgang Grabherr]