Campus Online: Alt, aber aktiv

Fabian Vögtle

Campus Online, die Internet-Plattform der Uni Freiburg, ist in die Jahre gekommen. Dozenten und Hiwis klagen über die Klickerei beim Hochladen, benutzen lieber eigene Lehrstuhlseiten oder neue Datenbanken. Doch ist Campus Online wirklich so unbeliebt? Die großen Nutzerzahlen und die Bekanntheit unter den Studenten sprechen dagegen. Warum trotzdem eine Generalüberholung notwendig ist:



Veranstaltung aus dem Kurskatalog auswählen, in den Warenkorb schieben und buchen: Auf den ersten Blick wirkt Campus Online nicht wie die moderne Lernplattform einer Exzellenzuniversität. Da sind sich alle einig.


Der digitale Dinosaurier

„Campus Online mit seinem Warenkorb kommt aus dem Shop-System, wie etwa Amazon“, erklärt Gerhard Schneider. Der Direktor des Rechenzentrums weiß, dass für die 'Digital Natives' Campus Online wie ein Dinosaurier daherkommt. Er kennt die Kritik von Dozenten und Hiwis, sieht das aber gelassen. Zwar empfehle man auch neuen Dozenten, Campus Online zu nutzen, strikte Vorgaben würde es aber nicht geben.

Und so kommt es, dass einige Dozenten und Hiwis, zum Beispiel am Historischen Seminar, Texte, Quellen sowie E-Maillisten (vielleicht aus Bequemlichkeit?) auf ihre eigene Lehrstuhlseite stellen. Die Folge: Die Studenten verlieren den Überblick, wo die Materialien zu ihren Veranstaltungen zu finden sind und müssen viele Passwörter verwalten, obwohl sie theoretisch alle Informationen an einem Ort (Campus Online) erhalten könnten.

"Ich finde Iversity cool"

Ärgerlicher Begleiteffekt: Die Server der Lehrstuhlseiten sind überlastet, was beinahe wöchentlich zum Absturz führt, da sie nicht zum Hochladen großer Dateien geeignet sind, wie Mike Schwörer weiß. Der Geschichts- und Politikstudent im siebten Semester ist kein Fan von Campus Online. Er findet es aber genauso unbefriedigend, dass sich einige Veranstaltungen gegen die Lernplattform wenden und stattdessen eigens passwortgeschützte PDF-Dateien anbieten. Er plädiert für eine moderne, einheitliche Plattform, die Campus Online ablöst. „Ich find Iversity ziemlich cool”, sagt  er.

Diese privat betriebene Website erinnert eher an eine universitäre Community, auf der sich Dozenten und Studenten in Gruppen und Konferenzen über ihre Lehrveranstaltung austauschen und Dateien hochladen können. „In einigen Politikseminaren arbeiten wir damit”, sagt Mike Schwörer. Ein System dieser Art könnte er sich auch gut für die Uni vorstellen.

Von einer Campus-Online-Revolution kann in Freiburg aber keine Rede sein. Zwar habe man auch im Rechenzentrum den Modernisierungsdrang erkannt und diskutiere deshalb über eine neue Seite für die Uni-Lehre. Diese könnte dann im Gegensatz zum seit 2001 bestehenden Campus Online nicht nur optisch neue Akzente setzten, sondern auch Lernplattform und Vorlesungsverzeichnis zusammenfassen und den Studenten Wikis und vieles mehr bieten.

Doch überstürzen wollen Schneider und seine Kollegen nichts. „Das muss wirklich was Neues sein, was sich lohnt“, sagt Nicole Wöhrle von der Servicestelle E-Learning, die Campus Online betreut. Außerdem werde das System trotz aller Kritik immer noch gut genutzt und die Auslastung nehme sogar jedes Semester zu, sagt Wöhrle.

26.000 aktive Nutzer

Im aktuellen Wintersemester sind rund 1300 Lehrveranstaltungen auf Campus Online geführt, die von mehr als 1400 Tutoren, Hiwis und Dozenten bearbeitet werden. Rund 70 Prozent der Studierenden nutzen die Lernplattform pro Semester als Materialpool, aktuell sind circa 26.000 aktive Nutzer im System eingetragen und auf Campus Online unterwegs. Das sei im Vergleich zu Lernplattformen anderer Unis extrem hoch, sagt Schneider. Darüber hinaus spreche die gute Verfügbarkeit und Stabilität für Campus Online. „Bisher hatten wir kaum Störungen und Ausfallzeiten“, ergänzt Wöhrle.

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