Campus-Campen: "Studis gegen Wohnungsnot" zelten am Uni-Innenhof gegen hohe Mieten

Manuel Lorenz

Horrende Maklergebühren, WG-Zimmer für 500 Euro und zu wenige Studierendenheime: Gegen das und noch viel mehr demonstrierten heute in Freiburg am Uni-Innenhof eine Handvoll "Studis gegen Wohnungsnot". Was sie fordern und was das Studierendenwerk Freiburg dazu sagt:



Drei Iglu-Zelte stehen im Durchgang zwischen dem Kollegiengebäude III der Uni Freiburg und dem Uni-Innenhof. Um sie herum liegt Campingzubehör: Schlafsäcke, Isomatten, ein Kochtopf und eine Thermoskanne. Fünf Studierende sitzen auf einer Picknickdecke im Kreis, zwei weitere verteilen Handzettel an die vorbeieilenden Fußgänger. Das improvisierte Zeltlager mitten auf dem Uni-Campus ist Teil der Aktionswoche „Studis gegen Wohnungsnot“ des gleichnamigen bundesweiten Bündnisses.


Ins Leben gerufen haben es Die Linke/SDS, die Juso-Hochschulgruppen und Campusgrün sowie parteilich ungebundene Organisationen wie der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften und der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Angeschlossen haben sich bislang Gruppen in Städten wie Berlin, München, Heidelberg und Trier – und eben Freiburg, wo sich vor zwei Wochen zum ersten Mal 15 „Studis gegen Wohnungsnot“ trafen.

Mitinitiator der Freiburger Gruppe ist Daniel Anton, 25, Lehramtsstudent an der Pädagogischen Hochschule und Mitglied der Hochschulgruppe Die Linke/SDS. „Es kann nicht sein, dass Studierende kein WG-Zimmer in Uni-Nähe finden und ein Drittel ihres Geldes für Miete draufgeht“, sagt er. „Dass sie in Containern am Güterbahnhof leben oder die Notunterkünfte schon nach wenigen Tagen wieder verlassen müssen.“

Laut der 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks kostet ein durchschnittliches Studierendenzimmer in Freiburg 259 Euro. In älteren Wohnheimen beginnen die Mietpreise zwar bei 195 Euro, im neuen „Campus II“ am Flugplatz kosten Zimmer aber schon zwischen 280  und 345 Euro. Für privat vermietete WG-Zimmer in zentraler Lage wird mitunter noch mehr verlangt – 400 bis 500 Euro sind da keine Seltenheit.

„Unter solchen Umständen kann man unmöglich studieren“, sagt Daniel Anton. Er und seine Bündnisgenossen fordern daher von Bund und Ländern, so schnell wie möglich mehr bezahlbaren Wohnraum in den Städten zu schaffen – vor allem durch den Bau von Studierendenwohnheimen mit Platz für insgesamt mindestens 25.000 Studierende. Außerdem verlangen sie eine Mietpreisbremse und die Umlage der Maklergebühr auf den Vermieter.

Mit den beiden letztgenannten Forderungen rennt das Bündnis beim Bund offene Türen ein. Am Montag haben sich CDU und SPD in ihren Koalitionsgesprächen nämlich genau darauf geeinigt: die Mietpreise in Gemeinden mit angespannten Wohnungsmärkten zu bremsen und die Maklergebühr auf den Vermieter umzulegen.

Was die Studierendenwohnheime angeht, haben die Freiburger „Studis gegen Wohnungsnot“ mit dem hiesigen Studierendenwerk (SWFR) einen Gleichgesinnten. „Wir würden liebend gerne neue Wohnheime bauen“, sagt Renate Heyberger vom SWFR. „Das Problem ist, dass es dafür  keine Flächen gibt.“

Sowohl die Stadt als auch Anwohner bestimmter Viertel, die sich gegen ein mögliches Wohnheim in ihrer Nachbarschaft wehren, müssten Studierenden dabei helfen, gut und günstig unterzukommen. Immerhin: Im Wintersemester 2014/15 will das SWFR am Flugplatz ein drittes Wohnheim eröffnen. Das sei auch nötig, so Heyberger, denn Mitte Oktober hätten sich noch rund 60 wohnungssuchende Studierende in ihren Notunterkünften befunden.

„Auf die Straße gesetzt, haben wir allerdings niemanden“, beteuert Heyberger. „Und die letzten fünf haben wir jetzt auch endlich untergebracht.“

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[Foto: Ingo Schneider]