Cafékultur in Freiburg - abseits des Mainstreams

Anita Baralija & Jonas Maus

In Freiburg boomen seit Jahren Cafés abseits von Ketteneinerlei und Kaffeevollautomat. Anita Baralija und Jonas Maus waren auf Ortstermin im Wilhelm Moltke, Café Pow und Huber.



Das Wilhelm Moltke verdankt seinen Namen der Lage an der Ecke Wilhelmsstraße-Moltkestraße. Schon von draußen kann man sehen, ob man noch einen Platz an einem der Fensterbänke mit den bunten Kissen bekommen wird.


Kaum ist man drin, steht man schon direkt an der Schlange vor der Theke. Das Wilhelm Moltke ist ein einziger hoher Raum, lichtdurchflutet durch die große Fensterfront und aufgeheizt durch den Holzofen, rechts neben Theke. Hier sitzen nicht nur Studenten sondern auch Nachbarn aus dem Sedanquatier. „Wir haben schon auch immer wieder andere Leute, die da sind, aber hauptsächlich sind es Leute die hier arbeiten, die hier wohnen oder von der Uni", sagt Inhaberin Juliane Wilcken, die das Café mit ihrem Mann Alex Brief betreibt. "Und am Wochenenden sind es auch eher mal Familien oder Leute die uns kennen und dann extra hierher kommen."

Sitzt man auf der Fensterbank im Moltke, hat man als Gast möglicherweise das Gefühl, man sei bei einer spontanen Familienfeier gelandet. Die Gästen sitzen eng beieinander und kaum einer scheut sich, sich einfach an einen der Tische dazuzusetzen. "Es funktioniert, dass man hier gezwungen ist, zusammen zu sitzen", sagt Juliane Wilcken.

Die Theke hat hier keine Abschirmfunktion wie in anderen Cafés, als Gast sitzt man mittendrin, die ruhige Musik wird immer mal wieder von dem Pfeifen der Kaffeemaschine übertönt. Trinkt man hier seinen Cappuccino fühlt man sich fast wie in einem Wohnzimmer, in dem an diesen Wintertagen immer wieder Holz für den Ofen nachtgelegt wird.

Den Kaffee mit dem kleinen Indianer, den man im Wilhelm Moltke serviert bekommt, kann man hier auch direkt kaufen. Und sollten einem die Fotografien an der Wand gegenüber gefallen, dann kann Juliane Wilcken Kontakt zum Künstler vermitteln.



Dinge zu kaufen gibt es auch im Café Pow an der Belfortstraße Ecke Schnewlinstraße. Auf dem Tresen liegen Postkarten und schicke Schreibhefte neben Backwaren und Süßigkeiten.

Ein bisschen versteckt ist das Pow, 'rein kommt man über die Toreinfahrt in der Schnewlinstraße, vorbei an selbstgemachten Außenmöbeln aus Holzpaletten, angebautem Gemüse, einem Tippi im Winter und beleuchteten Bäumen im Sommer. Hinter der großen Theke im kleinen Café-Raum hängt eine große Angebotstafel. Atttraktive Mittzwanziger arbeiten hier hinter der Theke und arbeiten mit Ruhe an der großen, silbernen Kaffeemaschiene. Im Hintergrund hört man kaum wahrnehmbar einen Song von Ben Howard. In der Kuschelecke neben der Theke widmet ein Student sich immer wieder seinem Buch.



Lässt man als Gast seinen Blick schweifen, bringen einen Details des Cafés zum Schmunzeln. Auf dem Zuckertopf klebt der Schriftzug "Zuckerschnute Traumfrau: Die schlichte Art und Weise, wie sich die Liebe zum Detail äußert, macht das Cafè Pow so authentisch.

Obwohl das Angebot von Bio-Suppen und Stullen über Cappuccino und Bio-Limo reicht, findet Betreiberin Luise Schreck, dass es der Kaffee selbst ist, der die Menschen zusammenbringt. "Das macht was mit einem", sagt sie. Und überhaupt bringt das Pow Menschen zusammen: hier gibt's einen Weihnachtsmarkt, Kinoabende, Lesungen - und im vergangenen Sommer wurde auch Fußball-WM geguckt.



Direkt auf der anderen Seite der blauen Brücke in der Wentzingerstraße 46 des Stühlingerviertels befindet sich das Café Huber. Auf der Tafel vor dem Eingang steht das aktuelle Tagesangebot an Suppen, Quiche und Kuchen; abends leuchtet das Cafeschild in roter Farbe.

Besucht man das Huber an einem Vormittag, dann ist es Inhaberin Annette Huber, die hinter der grünen Holztheke steht und die Kaffeemaschine bedient oder gerade die Vitrine mit frisch gebackenem Kuchen und verschiedenen Quiches befüllt. Wie auch im Wilhelm Moltke sind die Gäste hier sehr durchmischt, auch an einem Feiertag im Januar. An einem der hohen Tische sitzt eine junge Frau und liest in ihren Unterlagen, auf dem Sofa gegenüber sitzen zwei Herren und unterhalten sich und dazwischen versteckt sich ein kleines Kind hinter einem der hohen Holzhocker nach Ulmerstil.

Sitzt man an einem der Tische in der Mitte des Raumes, dann kann man durch den großen Spiegel, der an der linken Wand hängt, dass ganze Cafétreiben beobachten. Aber der Blick fällt auch die vielen quadratischen Comicbilder, die eng und bunt an den Wänden verteilt sind.




Annette Huber
legt nicht nur Wert auf die Qualität ihres Kaffees, sie lebt in ihrem Café das „Prinzip Hausgemacht“. Damit ein Café für Gäste aber auch Betreiber interessant bleibt, müsse man immer wieder etwas Neues ausprobieren, das Sortiment verändern und an manchen Tagen auch mal eine mildere Bohnensorte verwenden, findet Annette Huber. Für sie ist es nicht das Biozertifikat, das notwendig ist, damit ihre Gäste wissen, dass sie nur biologisch hochwertige Lebensmittel verwenden.

„Es hat sich seit Eröffnung viel getan. Also was geblieben ist, ist dass ich von Anfang an alles selber mache. Außer dem Kaffee natürlich, das ist klar und den Crossaints." Deshalb ist das Huber besonders zur Mittagszeit recht voll, da dann die Leute nicht nur zum Kaffeetrinken kommen, sondern auch zum Essen.



Wilhelm Moltke

Inhaber: Alex Brief und Juliane Wilcken
Moltkestraße 42

Facebook: Espressobar Wilhelm MoltkeWebsite: Café Wilhelm Moltke

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag
8 bis 18 Uhr

Samstag
10 bis 18 Uhr

Sonntag
11 bis 18 Uhr

Pow

Betreiberin: Luise Schreck
Belfortstraße 52

Facebook: Café Pow

Öffnungszeiten
(im Winter)

Montag bis Freitag
11 bis 18 Uhr

Samstag
12 bis 18 Uhr

Huber

Das Café im Stühlinger
Inhaberin: Annette Huber
Wentzingerstraße 46

Facebook: Huber

Öffnungszeiten

Montag bis Sonntag
7 bis 18 Uhr

 

Die Autoren


Anita Baralija
(22, VWL) & Jonas Maus (22, Psychologie) studieren an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) haben sie im Wintersemester an einem Berufsfeldorientierte Kompetenzen (BOK)-Kurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die Redakteurinnen Alexandra Röderer und Carolin Buchheim angeboten haben. Im Rahmen dieses Kurses haben sie diese Reportage konzipiert, recherchiert und geschrieben.

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