ByteFM: 24 Stunden Musik am Tag

Gina Kutkat

Ruben Jonas Schnell (40), erfahrener Radiomacher aus Hamburg, hatte einen Traum: 24 Stunden lang gut moderiertes Musikprogramm im Radio zu hören. Er gründete das Netzradio ByteFM, das seit gut einem Jahr auf Sendung ist. 90 Moderatoren, von denen viele aus dem öffentlich-rechtlichen Radio bekannt sind, arbeiten ehrenamtlich für ByteFM. Auch aus Freiburg ist jemand mit dabei: Götz Adler von Flight13. Wie sein Radiosender funktioniert, erklärt Ruben Jonas Schnell im fudder-Gespärch.

Was unterscheidet ByteFM vom öffentlich-rechtlichen Radio, Ruben?


Ruben Jonas Schnell: Viel von dem, was wir machen, passiert beim öffentlich-rechtlichen Radio auch, nur eben nicht den ganzen Tag lang. Das ist der große Unterschied: dass wir 24 Stunden am Tag versuchen, uns mit den verschiedenen Phänomenen der Popmusik in all ihren Facetten zwischen Country und Jack Johnson auseinanderzusetzen. Das tun wir auf redaktionelle Weise mit journalistischem Zugang.

Die Moderatoren und Redakteure arbeiten ehrenamtlich für ByteFM. Wie hast du das geschafft?

Ich habe die Idee gehabt, dass es doch toll wäre, so eine Plattform zu schaffen. Also fragte ich Bekannte von mir, die diese Jobs professionell machen, was sie von der Sache hielten. Meine Idee kam gut an. Je mehr Leute dabei waren, desto größer war die Chance, weitere Leute dafür zu begeistern. Die Idee, auf einer Plattform mit ganz vielen tollen Leuten zusammen etwas auf die Beine zu stellen, ist einfach ein schlagkräftiges Argument.

Im Mittelpunkt von ByteFM steht die Popmusik. Welche Vorgaben haben die Mitarbeiter, was das Musikprogramm angeht?

Generell muss man aufpassen, dass man sich nicht gegenseitig doppelt. Es gäbe einen redaktionellen Überbau, wenn zwei Autoren ein Portishead-Special innerhalb einer Woche machen möchten. Die Absprache untereinander ist wichtig. Ansonsten gestalten die Autoren ihre Sendungen selbst und haben dabei jegliche Freiheit.  



Euer Redaktionssitz ist in Hamburg. Empfindet ihr euch als lokales Radio?

Nein, überhaupt nicht. Eher im Gegenteil. Der Hamburg-Schwerpunkt ist deutlich gegeben, da die meisten Moderatoren momentan aus Hamburg kommen, aber das relativiert sich mit der Zeit. Wir haben ein paar Moderatoren aus Berlin, vor kurzem ist jemand aus Leipzig dazugekommen. Dann gibt es zum Beispiel Götz Adler in Freiburg und viele Moderatoren aus Köln, München, Frankfurt, Hannover, Kassel und Paderborn. Es soll definitiv keine Hamburger Kiste sein.

Wie finanziert ihr euch?

Im Moment haben wir einen großen Sponsor-Partner, der uns eine Summe für einen Player zahlt, den man sich von seiner Seite herunterladen kann. Dafür gibt es ein monatliches Geld, das in etwa den technischen Betrieb von Byte FM abdeckt. Das Modell lässt sich vervielfältigen. Mit weiteren Sponsoren ließen sich die Mitarbeiter von ByteFM bezahlen. Zurzeit arbeiten alle Moderatoren ehrenamtlich, die Mitarbeiter im Haus werden aus meiner eigenen oder aus der Firmenkasse bezahlt.



Byte FM ist seit einem guten Jahr auf Sendung. Dein Fazit des letzten Jahres?

Es war das schwerste Jahr meines Lebens. Ich bin wie alle engen Mitarbeiter so voll von der Kiste, dass mir manchmal die Distanz fehlt. Als ich im Sommer meine Eltern besuchte, hatte ich ein tolles Erlebnis: Ich lag auf meiner alten Couch und hörte das tolle Programm von Byte FM über das Internetradio meiner Eltern. In dem Moment war ich einfach nur beglückt. Auch die vielen Bands, die bei uns im Studio live ihre Sets spielen und das Feedback von Hörern und Presse sind einfach überwältigend.

Ein Blick in die Zukunft, bitte.

Byte FM ist eine große Herausforderung, aber ein beglückendes Projekt, von dem ich ganz begeistert bin. Für das neue Jahr bin ich sehr optimistisch.

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Web: ByteFM