Bye Bye, Brille: Das Augenlaser-Tagebuch

Katharina Wenzelis

Mehrere Jahre lang hat Brillenträgerin und fudder-Autorin Katharina überlegt, dann hat sie sich entschieden: Sie lässt sich die Augen lasern. Vor einer Woche hat sie, nach einigem hin und her, den Schritt gewagt und sich unters Messer, beziehungsweise den Laser gelegt. Es folgt Katharinas Augenlaser-Tagebuch.

10. November


Ich habe mich entschieden, ich lasse mir meine Augen lasern. Wie das funktionieren wird, weiß ich aber noch nicht genau. Auf einem Info-Abend in einem Freiburger Augenlaser-Zentrum will ich die Gelegenheit nutzen, alle Fragen zu stellen, die mir auf dem Herzen liegen. Kann ich erblinden? Sehe ich nach der OP zu 100 Prozent? Ist die OP sehr schmerzhaft? Welche Nebenwirkungen gibt es? Was kostet mich der Spaß?

17. November: Der Info-Abend

Ausser mir sind nur zwei weitere Mädchen beim Info-Abend anwesend. Der Arzt des Zentrums beantwortet geduldig alle Fragen. Eine Erblindung ist bisher nicht vorgekommen, bei der OP verspürt man keinerlei Schmerzen, die Erfolgsquote liegt bei 97 Prozent und mit 3.000 Euro kostet der Eingriff weniger als ich erwartet hatte. Die Antworten des Arztes sind vielversprechend und ich vereinbare bereits für die folgende Woche einen Termin für die Erstuntersuchung.

24. November: Die erste Untersuchung

Diese erste Untersuchung ist kostenlos, hier soll festgestellt werden, ob meine Augen für die Laser-OP überhaupt geeignet sind. Dabei kommt es darauf an, wie stark die Sehschwäche ausgeprägt ist und wie dick die Hornhaut des Auges beschaffen ist. Je höher die Dioptrienzahl und je stärker die Hornhautverkrümmung ist, umso mehr muss von der Hornhaut per Laser abgetragen werden.

Laut dem behandelnden Arzt sind meine Voraussetzungen für die OP optimal, da meine Sehschwäche mit -1,5 und -1,75 Dioptrien relativ gering und meine Hornhaut normal dick ist. Bei diesem Termin werden meine Fragen geduldig beantwortet; ich fühle mich rundum gut betreut. Euphorisch von dem Ergebnis der Untersuchung vereinbare ich den OP-Termin für Mitte Dezember.

2. Dezember: Die zweite Untersuchung

Vor der OP steht eine weitere ausgiebige Untersuchung an. Über eine Stunde werden meine Augen mit verschiedenen Geräten ausgemessen und geprüft. Dabei werden unter anderem verschiedene Sehtests durchgeführt und getestet, wie sich meine Augen in der Dunkelheit verhalten. Der OP steht nun nichts mehr im Weg.

8. Dezember: Kommando zurück

Das ganze Wochenende habe ich damit verbracht, mich im Internet in Augenlaser-Foren zu informieren. Neben einigen positiven Schilderungen, sind dort Unmengen von Horror-Einträgen zu finden. Die Leute berichten von Entzündungen, trockenen Augen, schlechtem Sehen, unerträglichen Schmerzen, Ärztepfusch, Ghost-Bildern (doppeltes Erscheinen von Lichtquellen), Kopfschmerzen, milchigen Schleiern und vielen weiteren Horrorszenarien.

Durch diese Geschichten bin ich total verunsichert, ich beschließe den OP-Termin auf unbestimmte Zeit zu verschieben, um mich genauer zu informieren und mir alles nochmal durch den Kopf gehen zu lassen.

30. Janunar

In den vergangenen Wochen habe ich unzählige Artikel und Bücher über die verschiedenen Lasermethoden gelesen, mich bei einem Optiker informiert und beim Augenarzt meines Vertrauens beraten lassen. Das Lasern der Augen birgt wie jede Operation gewisse Risiken, die aber meinem Erachten nach überschaubar und kalkulierbar sind.

3. Februar: Die Entscheidung

Heute war ich auf dem Feldberg snowboarden. Ich habe es erst ohne Brille versucht, aber ohne Brille habe ich mich doch sehr unsicher gefühlt. Wiederwillig habe ich meine Brille dann aufgezogen. Sie beschlug ständig, von Skifahrern aufgewirbelter Schnee blieb an ihr kleben und nach dem ersten kleinen Sturz lag die Brille im Schnee und ich konnte sie suchen. Es reicht, keine Frage mehr, die Brille muss weg!

4. Februar

Ich habe den Termin vereinbart, am 3. März ist es soweit. 

2. März: Der Tag vor der OP

Am Tag vor der OP bin ich eigentlich total ruhig, keine Spur von Aufregung. Ich versuche einfach so wenig wie möglich an den nächsten Tag zu denken. Diese Taktik funktioniert super, bis ich abends im Bett liege. Plötzlich fangen meine Gedanken an zu kreisen und der Stein in meinem Magen wird immer größer. Irgendwann kann ich zwar einschlafen, aber an eine ruhige Nacht ist nicht zu denken.



3. März: Der Tag der OP

Ein kleiner Joghurt und einen Kaffee zum Frühstück – mehr kann ich nicht essen, die Sonnenbrille in die Tasche und los. In der Praxis angekommen ist mir ziemlich schlecht, die Vorstellung daran, dass mir gleich bei vollem Bewusstsein an den Augen rumgedoktert wird, bringt mich das eine oder andere mal auf die Idee, auf dem Absatz kehrt zu machen und die Sache abzublasen.

Nachdem die Arzthelferin mir ein Glas Apfelsaft mit einer schönen Dosis Valium verabreicht hat, sieht die Welt schon besser aus und ich bin deutlich entspannter. Dann geht alles ganz schnell. OP-Kittel, -Schuhe und -Schürze an und ehe ich noch groß nachdenken kann, liege ich auf dem OP-Tisch. Augen zu, beziehungsweise auf, und durch.

Zunächst wird mir der Ablauf der OP ausführlich erklärt. Die OP-Schwester ist super nett und schafft es, mich zu beruhigen. Während der OP spricht sie die ganze Zeit mit mir und erklärt mir Schritt für Schritt, was der Arzt gerade macht.

Zunächst wird das rechte Auge mit Augentropfen betäubt, um dann das Lid mit einer Art Zange aufzuspannen, damit ich nicht mehr blinzeln kann. Im nächsten Schritt wird ein Vakuum-Ring auf das Auge aufgedrückt, dass ist sehr unangenehm, um mich herum wird es dunkel. Mit einem elektrischen Präzisionsmesser schneidet der Arzt eine dünne Scheibe der Hornhaut, das sogenannte Flap, ab und klappt diese zur Seite. Danach wird der Vakuum-Ring wieder entfernt, das Licht kommt zurück, allerdings sehe ich alles nur noch total verschwommen.

Nun wird das Auge gelasert, dabei muss ich mich auf ein grünes Licht konzentrieren. Sehen oder spüren kann ich nichts, ich höre nur den Laser ticken und es riecht etwas verbrannt. Nach dem Lasern wird der Hornhaut-Flap zurückgeklappt und glatt gestrichen. Zum Schutz kommt für 24 Stunden eine Kontaktlinse auf das Auge. Nun kann ich 3 Minuten durchatmen, dann beginnt dieselbe Prozedur am linken Auge.

Insgesamt bin ich gerade einmal 25 Minuten im OP. Die Operation an einem Auge dauert 10 Minuten, das Lasern an sich nur ein paar Sekunden. Schmerzen habe ich keine, allerdings ist alles in allem sehr unangenehm und ich bin froh, als es vorbei ist. Mit etwas zittrigen Knien werde ich in den Vorraum zurückgeführt. Ich sehe alles zwar sehr milchig und verschwommen, aber scharf – die OP war erfolgreich.

Ich bleibe noch einige Minuten sitzen um mich zu erholen. Gerne würde ich noch einen Valium-Apfelsaft trinken, bekomme aber leider keinen. Mir geht's gut, Sonnenbrille auf und ab nach hause.



Die Aufregung und das Valium haben ihre Spuren hinterlassen, ich bin total kaputt und schlafe den ganzen Nachmittag. Als ich nach meinem langen Mittagsschlaf aufwache, ist der milchige Schleier fast verschwunden und ich kann bereits jetzt erkennen, dass ich gut sehen kann. Allerdings brennen und tränen meine Augen ein wenig. Ich bleibe im Bett, lass die Augen lieber zu und höre Musik. Später am Abend schaue ich ein bisschen Fern, ohne Brille wohlgemerkt. Aber auch das ist irgendwie anstrengend und ich gehe früh schlafen.

Die Nacht nach der OP

Ich wache um halb drei auf und öffne meine Augen. Es ist stockdunkel, erschreckend dunkel. Mein Herz bleibt stehen. Bin ich blind? Völlig hysterisch taste ich nach dem Lichtschalter. Entwarnung, ich kann sehen, etwas zittrig sitze ich im Bett, während ich den Schock verarbeite schaue ich mich im Zimmer um, die Bilder an der Wand sind total scharf und der milchige Schleier ist fast verschwunden. Beruhigt mache ich das Licht wieder aus und schlafe weiter.

Um halb fünf wache ich wieder auf. Meine Augen brennen wie Feuer und tränen. Ich kann sie kaum öffnen, das Licht ist unerträglich grell. Ich sitze mindestens eine Stunde im Bett und tropfe immer wieder Augentropfen in meine Augen. Es brennt höllisch und ich bin beunruhigt. Nach einiger Zeit lässt das Brennen etwas nach, die restliche Nacht verbringe ich halb schlafend, halb wach. Ich bin froh, als es draußen hell wird. Ich stehe auf und gehe direkt zur anstehenden Kontrolluntersuchung.

4. März: Die Kontrolluntersuchung

Der Arzt gibt Entwarnung, die Schutzlinsen sind der Grund für das Brennen. Ich habe die Dinger ja noch nie vertragen. Kaum sind die Übeltäter aus dem Auge, ist es viel besser. Der Arzt macht einen Sehtest, ich habe bereits am Folgetag der OP ein Sehvermögen von 80 Prozent.

5. März: Stadtbummel

Glücklich laufe ich durch Freiburg, kaufe mir eine neue Sonnenbrille und freue mich alle fünf Sekunden darüber, dass ich irgendwelche Schilder lesen kann und die Gesichter der Menschen auf die Ferne total deutlich sind. Ein tolles Gefühl!

Fazit: Eine Woche nach der OP

Genau eine Woche ist die OP jetzt her und ich fühle mich super. Jeden Morgen wache ich auf und freue mich darüber, dass ich die Vögel erkennen kann, die vor meinem Fenster im Vogelhäuschen sitzen.

Die ersten Tage nach der OP war meine Sehkraft sehr schwankend, das wurde aber von Tag zu Tag besser. Momentan habe ich noch etwas trockene Augen und muss mehrmals am Tag Tränenersatzflüssigkeit in die Augen tropfen, das ist aber normal und hat bereits nachgelassen.

Abends sind meine Augen etwas müde, denn auch das Gehirn muss sich schließlich an die neue Situation gewöhnen. Es werden sicherlich noch ein paar Tage vergehen, bis sich alles wieder total normalisiert hat, aber ich bereue den Schritt keinesfalls und würde es jederzeit wieder machen.