Gefahrenstelle

Busse biegen auf falscher Spur ab und bringen Radler in Bedrängnis

Thomas Jäger

Im Freiburger Stadtteil Mooswald biegen Busse von einer Geradeaus-Spur rechts ab und kreuzen damit einen Radweg. Die Stadt Freiburg hat das genehmigt, weil der Bus sonst buchstäblich nicht die Kurve kriegt. Doch die Verkehrspolizei sieht eine gefährliche Situation für Radler.

An der Einmündung der Elsässer Straße in die Berliner Allee gibt es für geradeaus fahrende Radler eine eigene Spur links neben der Rechtsabbiegerspur für Autos. Doch die Gelenkbusse der VAG, die dort unterwegs sind, nutzen an der Ampel erst die Geradeausspur und biegen mitten auf der Kreuzung rechts ab. Dabei kreuzen sie den Radweg und sorgen so für Gefahrensituationen. Entstanden ist diese Lage erst durch den Umbau des Bereichs im Zuge des Messetram-Baus. Die Polizei sieht durchaus eine Gefährdung, die Stadt keine Alternative.




Wie schnell Radler an dieser Stelle in Bedrängnis kommen, hat BZ-Leser Daniel Schmitz-Buchholz, der auf das Problem aufmerksam machte, selbst erlebt. "Bei mir war es tatsächlich so, dass ich als Radfahrer geradeaus wollte und nicht auf den Bus geachtet habe, der neben mir steht – ich bin einfach losgefahren und wäre tatsächlich fast unter den Bus gekommen, wenn ich nicht ausgewichen wäre", berichtet er, und sagt weiter: "Ich habe zwei Töchter mit acht und fünf Jahren und will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn Kinder in dem Alter mit so einer Situation konfrontiert werden und das Ausweichen nicht hinbekommen." Er verweist auch auf die schweren Unfälle und Todesfälle, die es in Freiburg bereits mehrfach an anderen Stellen gab, weil rechtsabbiegende Lastwagen Radler überfuhren, die sich im von den Spiegeln nicht einsehbaren "toten Winkel" befanden.

Der Bahnsteig reicht fast bis zur Einmündung der Elsässer Straße

Der Besuch der BZ an Ort und Stelle zeigt: Es ist genau so, wie Schmitz-Buchholz es schildert. Die großen Gelenkbusse der Linie 36, die alle 20 Minuten aus Richtung Landwasser kommen, ordnen sich an der Ampel auf der Geradeausspur ein, fahren bei Grün auf die Kreuzung und nehmen dann die Kurve nach rechts zur Haltestelle "Elsässer Straße". Diese liegt bereits in der Berliner Straße und zwar zwischen den Bahnsteigen der Ende 2015 eröffneten Straßenbahnlinie zur Messe und damit auf den Tram-Gleisen.

Der Bahnsteig, den der Bus zum Ereichen der Haltestelle umfahren muss, reicht fast bis auf Höhe der Einmündung der Elsässer Straße. Mit dem Bau der neuen Haltestelle ist damit eine Situation entstanden, in der der Bus, buchstäblich "nicht die Kurve kriegt".

Die Stadtverwaltung argumentiert pragmatisch. "Der Bus kann nicht die Rechtsabbiegespur nutzen, weil er aufgrund seines Radius sonst nicht oder nur sehr erschwert in die Haltestelle fahren kann oder sogar die Gleise der in Gegenrichtung fahrenden Straßenbahn überfahren müsste", schreibt Stadt-Sprecherin Martina Schickle, und weiter: "Der Bus biegt deshalb von der Geradeausspur ab. Dies ist von der städtischen Verkehrsbehörde so genehmigt." Ein gravierendes Sicherheitsproblem sehe die Stadt nicht: Auch der rechts abbiegende Autoverkehr kreuze ja die Radspur – allerdings zum Beginn der Rechtsabbiegerspur und damit mehrere Dutzend Meter vor der Ampel. Der Bus kreuze die Radspur eben rund 60 Meter später.

"Die Verkehrssituation für Radfahrer ist gefährlich, wenn ein Kraftomnibus in diesen Fällen nach rechts abbiegt und Radfahrer geradeaus fahren wollen." Verkehrspolizei Freiburg
Auf die Genehmigung durch die Freiburger Straßenverkehrsbehörde verweist auch Jan Werdermann, Leiter des Unternehmensbereichs Fahrbetrieb bei der Freiburger Verkehrs-AG (VAG). Er betont: "Das Fahrpersonal ist bezüglich dieser örtlichen Situation entsprechend geschult und achtet beim Abbiegevorgang in die Haltestelle in besonderem Maße auf den parallel geschalteten Radfahrenden." Die Regelung stelle keine Gefährdung für Radler dar. Eine vergleichbare Situation gebe es in Freiburg bislang nicht. Diese Verkehrsführung sei von vorneherein so vorgesehen gewesen, so Stadt und VAG. Um die Haltestelle von der Rechtsabbiegespur aus anzufahren, hätte man die ganze Haltestelle von der Einmündung weiter weg in die Berliner Allee verschieben müssen, was die Fußwege für die Fahrgäste verlängert und den Flächenbedarf für die Haltestelle erhöht hätte.

Die von der BZ ebenfalls kontaktierte Verkehrspolizei schätzt die Lage anders ein: "Die Verkehrssituation für Radfahrer ist gefährlich, wenn ein Kraftomnibus in diesen Fällen nach rechts abbiegt und Radfahrer geradeaus fahren wollen." Ohne die Genehmigung der städtischen Verkehrsbehörde würde es sich um "verkehrswidriges Verhalten" handeln. Laut "Bußgeldkatalog 2018" werde "Abbiegen ohne ordnungsgemäßes Einordnen" mit 10  Euro geahndet, bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer mit 30 Euro.

Das Fazit von Radler Daniel Schmitz-Buchholz: "Das Ganze ist ein Unding."