Bushido in Basel: "Fack se polis!"

Savera Kang & Mehmet Arslan

Skandal-Rapper Bushido und sein schwäbischer Partner Shindy waren am Mittwoch in Basel zu Gast und haben eine kleine Halle fast gefüllt. Deutscher Exportschlager oder Fremdschämen bei Nachbarn? fudder-Autorin Savera Kang hat sich die Show zu Gemüte geführt.



Die Lache kommt mir bekannt vor, aber es sind nicht Beavis und Butthead, die in der indie-pop-beschallten Halle vorfreudig grunzen, sondern drei dem Anschein nach unsportliche Jungs um die 16. Im grellen Turnhallenlicht der Basler St. Jakobshalle sammeln sich an diesem Mittwochabend beste Freundinnen, Solarium-Buddies und – so deplatziert sie auf den ersten Blick wirken – nicht wenige Pärchen, um einträchtig dem ehemaligen CDU-Praktikanten und nun bekennenden AfD-Wähler Bushido zu lauschen.

Und der lässt nicht lange auf sich warten – fast pünktlich um acht betritt er mit einer umfangreichen Entourage, inklusive der üblichen der organisierten Kriminalität Verdächtigen, die Bühne.

DJ Gan-G haut ein Intro aus energievollen Klassikern à la „Bad Boy For Life“ raus, der schwarze Molton fällt und gibt den Blick auf die Bühne frei. Anis Mohamed Youssef Ferchichi und sein Support-Rapper Michael Schindler, Künstlername „Shindy“, legen los, die zahlenden Teenies halten ihre Smartphones in die Luft und der Sound in der kleinen Halle 2 ist klar und kraftvoll.

"Fick die Polizei würd' ich niemals sagen."

Zwischen den einzelnen Songs, bestehend aus der Tracklist von Bushidos aktuellem Album und ein paar älteren Chart-Erfolgen, redet der Gewinner des Bambis für Integration viel mit dem Publikum: Irgendjemand muss ihm gesteckt haben, dass man das Basler Publikum mit Lob Richtung Zürich aus der Reserve locken kann – und er hat sichtlich Freude an den „Buh!“-Rufen in Richtung des fußballerischen Erzfeinds. Ein Raummikro misst die Lautstärke, und der Auftrag an die Basler ist klar: lauter sein als Zürich.

Mehrmals gibt er den aktuellen Dezibel-Rekord bekannt, und – wer hätte das gedacht – zum Ende des Konzerts gewinnt Basel gaaanz knapp. Klar, für umgerechnet 55 Euro macht man das Beste aus dem Abend.

Was der indizierte Rapper auch erzählt: Dass er niemals „Fack se polis!“ sagen würde – denn: „Das heißt: Fick die Polizei! Und: Fick die Polizei würde ich niemals sagen.“ Die Abkürzung FDP nutzt er auch als Überleitung zu einem kurzen Spott über das Bundestagswahlergebnis der sich ebenso abkürzenden Partei.

Sein Deutschkunde-Unterricht an die Schweizer Fans beinhaltet außerdem eine Lektion über die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien, deren Existenz er wichtig findet („Weil es gibt ja auch Nazi-CDs“), durch deren Eingreifen seine Auslandsaufenthalte aber um eine Spaß-Dimension erweitert werden: Denn hier kann er auch Lieder spielen, die in Deutschland dem Jugendschutz unterliegen. Er spielt sie sogar zweimal, und circa 1500 Kehlen sind textsicher dabei.  

Die Tattoo-Dichte ist hoch

Die Anwesenden sind im Durchschnitt beherrscht-fröhlich mit grimmigen Ausschlägen, die Tattoo-Dichte ist hoch und Friseure wissen mittlerweile wohl, was gewünscht ist, wenn man die Haare „wie Bushido“ will – der Boxerschnitt erfreut sich bei der männlichen Mehrheit der Zuschauenden großer Beliebtheit, während der weibliche Anteil es geglättet mag. Der Look wird abgerundet mit Highheels (sie) und Shirts vom Merchandise-Stand (sie und er). Auch Nieten sind hier noch en vogue.

Die Menge wird unruhig, als der Tempelhofer fragt, ob es im Publikum ein Mädchen gibt, das sich traut, auf die Bühne zu kommen. Noch bevor er den Satz beenden kann, übertönen die Freiwilligen ihn. Er witzelt, es ginge drum, wer die Halle anschließend putzt. Einige Freiwillige bleiben. Eigentlich sucht er aber ein Mädchen, dass den nächsten Song mit ihm rappt, und die 17-jährige Rhea wird durch die Absperrung gelassen. Bevor beide loslegen, erfüllt Bushido ihr noch ihren „größten Traum“: eine Umarmung.

Der Saal ist merklich gespannt auf die zu erwartende Blamage, Raunen, Licht aus. Als es erneut angeht, ist Rhea präsent, rappt jede Zeile von „Alles wird gut“ souverän runter, hat die Posen drauf. Bushido ist hier Komparse und ihr Nicht-Scheitern sorgt für offene Münder und lauten Applaus, bevor sie wieder ins Publikum entschwindet. Ein paar freche Bemerkungen ihres Idols verabschieden sie.



Der Mann, den der Tagesspiegel anlässlich seines offiziell jugendgefährdenden Albums „staatlich geprüfter Hassprediger“ taufte, ist nicht sparsam, als es darum geht, Inhalte durch Beschimpfungen zu umgehen, hat aber auch eine Message an seine junge Zuhörerschaft: „Rauchen ist uncool.“ Er wiederholt diese begrüßenswerte Einstellung bei verschiedenen Gelegenheiten. Eine folgt auf die „Zu-ga-be!“- und „Bu-shi-do!“-Rufe, als er mit einem rauchenden Shindy gutgelaunt zurück auf die Bühne kommt. „Ist deine Lunge, die kaputt geht, du Idiot, Alter!“

Nach zwei Stunden ist die Show dann wirklich vorbei, Bushido bedankt sich bei den Fans, wünscht ihnen und ihren Familien alles Gute und erklärt: „Ich muss gleich ins Bett.“ Die Security trägt die Absperrgitter weg, und ungeduldige Väter sammeln ihre Kinder ein. Ein gelungenes Konzert, wenn man die Texte nicht versteht.

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Fotogalerie: Mehmet Arslan & Savera Kang

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