Burlesque-Interview: "Das Endprodukt ist nicht das Nacktsein"

Laura Wolfert

Was zeichnet Burlesque aus? Und machen die sexy Performances selbstbewusst? Die Fachfrauen Dita Whip und Elena Auerbach erklären im Interview die Vielseitigkeit und Faszination von Burlesque.

Worin unterscheidet sich Burlesque vom Striptease?
Auerbach: Burlesque kommt aus dem europäischen Vaudeville-Theater, das erst Anfang des Zwanzigsten Jahrhundert so richtig geboomt hat. Es ist eine Art von Performance, ein Theaterstück bei dem man stript – aber kein Striptease.

Whip: Beim Striptease präsentiert man seinen am Ende nackten Körper mit akrobatischem Talent. Bei Burlesque ist das Endprodukt nicht das Nacktsein. Das wird – wenn überhaupt – nur ganz kurz gezeigt. Es geht viel mehr darum, wie man sich auszieht. Beim Strip sitzt das Publikum oft im Dunklen und erhält durch sein Schauen eine Art gedachte Macht. Das gibt es bei Burlesque nicht. Dadurch, dass auch Komödie eingebaut wird, wird diese Macht gebrochen.
Auerbach: Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Burlesque mache, denken die eigentlich nicht daran, dass ich strippe. Die meisten denken an den Film von Christina Aguilera: Sexy auf dem Stuhl tanzen, sich coole Choreographien ausdenken und tolle Pin-Up-Outfits tragen. Wenn ich sage, dass ich mich dabei ausziehe, sind die meisten dann doch überrascht. Ich trage aber immer noch meine Höschen, und Pasties auf den Brüsten.
Whip: Der Film von Christina Aguilera hat Burlesque auf eine neue, populäre Ebene gerufen. Es gibt viele, die Burlesque für billig halten. Man sollte aber auch und Stripper nicht runter reden – es ist eben eine moderne Art, mit seinem Körper umzugehen.

Welche Arten von Burlesque gibt es?
Auerbach: Egal ob Comedy, Freakshow oder Bauchtanz – all das kann Burlesque sein.
Whip: Bei Neon-Burlesque bespritzt man sich zum Beispiel mit Farben. Hauptsächlich unterscheidet man aber zwischen dem "alten Burlesque" – mit Federboas und Jazzmusik – und "Neo-Burlesque". Dabei kann man auch zu Punk-Rock tanzen, da ist alles möglich, das ist moderner. Auch Sex-Burlesque kann es geben.

Fühlt man sich im Alltag begehrenswerter, wenn man Burlesque tanzt?
Whip: Ich glaube, dass Burlesque selbstbewusster machen kann. Auch Körper, die nicht der traditionellen Norm entsprechen, sind hier willkommen. Runde Körper waren schon früher beim Burlesque Trend.
Auerbach: Wenn man Burlesque tanzt, mögen das Menschen. Das kann helfen, selbstbewusster zu werden.

Woran denkt Ihr beim Tanzen?
Auerbach: Ich denke an alle schönen Männer, die es auf der Welt gibt.
Whip: Ich denke an das Geschichtenerzählen.

Was bedeuten Eure Künstlernamen – und warum braucht man einen?
Auerbach: "LaGatta" heißt "Katze" auf italienisch.
Whip: Dita ist eine Anlehnung an einen Domina-Namen aus den Neunzigern. Whip heißt Peitsche – die ist mein Markenzeichen. Es kommt immer besser, wenn man einen Künstlernamen hat. Auf der Bühne sind wir Kunstfiguren – privat aber totale Durchschnittsmenschen.
Dita Whip ist "mittleren Alters" und seit vier Jahren Drag Queen. Ihren echten Namen behält sie lieber für sich. Elena Auerbach, 28, ist ausgebildetete Tänuerin und tritt als "Elena LaGatta" auf.