Bums' mit Freunden: Die Facebook-Anwendung Bang With Friends

Manuel Lorenz

Wie geht Sex im Internet-Zeitalter? Eine neue Antwort auf diese alte Frage liefert die Facebook-Anwendung Bang With Friends. Dank ihr kommt vielleicht endlich zusammen, wer schon immer zusammen kommen wollte - sexuell. fudder-Redakteur Manuel Lorenz hat sich die App angeschaut und denkt laut über sie nach:



Jetzt kann man seine Facebook-Freunde also auch ficken. Nicht mehr nur gruscheln oder anstubsen - solch harmloses Cyberpetting holt niemanden mehr aus den Tiefen des Internets hervor. Nein, ficken, richtig, in echt, im sogenannten Real Life.


Bang With Friends heißt der neue heiße Scheiß - eine Facebook-Anwendung, in der man angeben kann, mit welchem seiner Facebook-Freunde man gerne einmal … na ja … ihr wisst schon. Sobald zwei Gesuche sich decken, werden die beiden Fickwilligen per E-Mail informiert und können ihre digitale Freundschaft analog intensivieren. (Unsere zwei Testpersonen warten noch sehnsüchtigst auf Post; bisher zeigt ihre Inbox noch zero neue Nachrichten ... Die sexuelle Frustration wird von Stunde zu Stunde größer. Und der Glaube an die App: Handelt es sich gar um einen Fake?)

Es ist natürlich schön, dass einem - im Zeichen des Ficks - alle Freunde des entgegengesetzten Geschlechts angezeigt werden. Mit manchen hatte man schon mal das Vergnügen: Man sinniert über Ex-Partner, Affären, One-Night-Stands, denkt über vergeigte oder verpasste Möglichkeiten nach, schmunzelt, lacht dreckig, ist drauf und dran, den Bang-Knopf zu drücken, um nahtlos an damals anzuknüpfen.



Pärchenfotos entfesseln Fantasien von heißen Threesomes; eine schwangere Facebook-Freundin - ihr Profilbild zeigt ihren runden Bauch - lässt hoffen, dass Bang With Friends bald auch Sub-Apps entwickelt: Bang With MILFs, Bang With Colleagues, Bang With Your Boss, Bang With Ugly Friends. Unangenehm: Es wird auch jenes Babyfoto angezeigt, das eine Freundin als Profilbild benutzt.

Schade, dass die Anwendung noch keine gleichgeschlechtlichen Bangs zulässt. Gegenüber der Internetplattform Mashable äußerten die Entwickler, sie seien drauf und dran, das nachzuholen. Außerdem würden sie an einer iPhone-App arbeiten, die ermöglichen soll “on the go” zu bangen. Was darunter zu verstehen ist, wird nicht weiter ausgeführt.

Die Frage ist: Will man seine Facebook-Freunde überhaupt ficken? Ist das nicht irgendwie inzestuös? Liegt nicht auch der eigentliche Reiz am Bang in der Reibung, die ihm vorausgeht? Im Tanz um die Lust, im Spiel, im Flirt? In der ungewissen Annäherung an den Kopulationspartner der Wahl? Und wie kurz dieser Weg auch sein mag: Er ist da und muss zurückgelegt werden, bevor es zum großen Knallen kommt.

Bang With Friends überspringt diesen Weg. Ein Sprung, der die beiden Bang-Friends unbefriedigt zurücklassen muss. Der Fick ist nicht mehr Ziel eines Weges, sondern Masturbation am lebenden Objekt. Und wer jetzt einwendet, dass man mit einem Bang-Friend ja durchaus einen Weg zurückgelegt hat - Fotos, auf denen man markiert worden ist, Statusmeldungen, die man geliked hat, Events, an denen man teilgenommen hat -, dann … ach … just get a fucking life!



Mehr dazu:

  [Bild 1: © Yuri Arcurs - Fotolia.com; Rest: Screenshots]