Büro am Strand: Per Web 2.0 in die Charts

Carolin Buchheim

Er ist die Rampensau der deutschen Blogger-Szene: Mathias Winks alias MC Winkel. In dieser Woche möchte der Mann aus Kiel, der sich schon als Ersatz von Thomas Gottschalk für Wetten dass? empfohlen hat, mit seiner Hip-Hop-Crew Büro am Strand in die Media Control Charts. Als erste Band ohne große Plattenfirma und ohne physikalischen Release: Nur per Downloads. Und mit Hilfe des Web 2.0. Ein Interview.



MC Winkel, Wie würdest Du den Sound von Büro am Strand einer tauben Person beschreiben?

Oh, dann müsste ich ja gestikulieren! Das wäre dann voluminös, irgendwie rund. Es ist aber schon schwer freundlichen deutschen Sprechgesang jemandem darzustellen, der nicht hören kann. Vielleicht würde ich auch ein Bild malen, was Sommerliches.

Warum wollen Büro am Strand unbedingt in die Charts? Ist es heute nicht viel wichtiger und cooler, ein paar hunderttausend MySpace-Freunde zu haben, oder eine halbe Millionen Video-Views auf YouTube, als in den Top 100 zu sein?

Die haben wir ja parallel! Beim ersten Video haben wir mittlerweile 200.000 Views und MySpace Freunde haben wir ein paar Tausend. Wir nutzen all' diese Web 2.0-Tools jetzt ja auch, um Promo zu machen, und das ist alles natürlich sehr geil. Aber die Charts sind noch einmal etwas anderes: Wir haben alle früher davon geträumt, als wir noch jung waren, in die Charts zu kommen. Wir glauben, dass eine Platzierung in den Media Control Charts, in den Top 100, hilfreich sein könnte, um entdeckt zu werden, oder ein bisschen weiter nach oben zu kommen. Wir hoffen, in die Charts zu kommen, und dass dann Leute sagen "Meine Güte, guck mal, wer ist das denn? Herr Raab, laden sie die mal ein!" Wir glauben, in den Media Control Charts zu sein, ist einfach gute Promo. Wir wollen uns dann natürlich auch unbedingt die Ausgabe der Charts als Poster kaufen. Das ist das eigentliche Ziel.

Erklär mal, wie genau wollt ihr den Chartsturm jetzt schaffen.

Wir haben bei Sevenload einen eigenen Kanal bekommen und werden mit einem Banner von der Hauptwebsite verlinkt. Dann benutzen wir Twitter, Pownce, MySpace, unseren Newsletter und freuen uns natürlich auch über die Unterstützung aus den Blogs. Am Freitag haben Spreeblick, der Werbebloggerund Nerdcoreüber uns berichtet, und mein Blog ist da ja auch noch. Wir erhoffen uns viel von der Web 2.0-Strategie.

Was meinst Du, wieviele Downloads braucht ihr, um in die Top 100 zu kommen?

Wir meinen, 300 bis 400 Downloads bis Freitag sollten ausreichen.



In den Top 100 tummeln sich ja Acts, die man so als vermeintlich normaler Musikkonsument, gar nicht kennt. Nehmen wir mal die Trend-Charts von Donnerstag. Ok, auf Platz 100 ist Silbermond und auf 98 Justin Timberlake, aber auf Platz 99 ist Michael Mind feat. Manfred Mann mit "Blinded by the light", auf 97 Cascada mit "Silberhaar" und auf 96 Trolle Siebenhaar mit "Sweet Dogs". In den Top 100 ist viel Kram den man nicht kennt oder kennen will. Will man da wirklich dazu gehören?

Aber klar. Das sind ja nur 100! Wenn jemand sich die Mühe macht und da mal hinguckt und sich fragt 'Wer ist das denn?' und dann unseren Song hört, dann haben wir unser Ziel erreicht. Wenn er dann noch sagt 'Das ist endlich mal so ein Gegengewicht zu Sido, Bushido, Massiv und wie sie alle heißen.', dann ist alles gut.. Wir glauben daran. Gut, wir sind auch alle sehr naiv.

Ihr vertretet die softe Seite des deutschen HipHop: Eine meiner Kolleginnen hat vorhin "Heisse Stadt" mitgehört und dann gesagt "Büro am Strand? Das hört sich an, wie eine Band aus Marienhof."

Könnte so sein, fast, ja? Ich hab mir den Namen auch nicht ausgedacht, der entstand ja schon vor zehn Jahren. Es ist ja so: Als Kieler haben wir hier den Strand vor der Tür, und dieses Lebensgefühl in einen Bandnamen zu packen ist nun mal nicht so einfach. Der Nico, der das erfunden hat, der sagt immer, dass das Büro für die Ernsthaftigkeit in den Texten steht, (lacht) für die 3 Prozent Ernsthaftigkeit ungefähr. Und Strand ist als Kieler Band einfach immer nett. Und da man zunächst sehr regional unterwegs war, passte das super. Und jetzt bleibt das auch. Man hat ja auch so eine gewisse Fanbase.

Was ist das Ziel, nach den Charts?

Eigentlich Ruhm, ne? Wir wollen alle drei bekannt werden durch die Musik. Wir wollen durch die Talkshows schlendern. Wir wissen einfach: Wir haben alle so einen gewissen Unterhaltungsfaktor. Die HipHop-Szene, die ja in Deutschland schon bei den Plattenverkäufen ziemlich weit vorne ist, ist voller Leute, die sich so ernst nehmen. Das tun wir drei nicht. Für mich als Rapper bei Büro am Strand, als MC, wäre es echt witzig, wenn ausgerechnet wir dann auch Platten, also Downloads, verkaufen würden. Grundsätzlich möchte ich ins Showbiz. Das ist mein Endziel. Egal ob Rapper oder als Moderator. Man muss halt gucken, wir sind halt alle so mit Anfang 30 auch nicht mehr die Zielgruppen-affinsten, aber irgendwas kriegen wir da schon hin.

Macht es Dir eigentlich etwas aus, wenn man Dich als Rampensau bezeichnet?

Nöh, überhaupt nicht.



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Personalien

Mathias Winks, alias MC Winkel, lebt in Kiel. Er schreibt seit dem Jahr 2001 Sachen ins Internet. Sein Weblog Whudat.de, in dem er Frauengeschichten ("zu 80% geht es um Scheitern"), Selbstporträts und selbstverliebte Alltags-Videos mit der Welt teilt oder den hostile Take-Over von Wetten dass? plant, machte ihn zu einem der prominentesten Blogger Deutschlands.