Bügeln mit den Ghostbusters

Marc Röhlig

fudder-Mitarbeiter Marc Röhlig wird langsam wunderlich: Schläft wie ein Stein, will auf Geisterjagd, entwickelt Allmachtsphantasien. Dabei geht mittlerweile selbst das Bügeln schief.

 

Dienstag II, 15.00 Uhr

Ich renne also aus Persisch raus und in den Seminarraum vom Hauptseminar rein. Eine Viertelstunde bleibt mir für den Schlaf; eine Kommilitonin sitzt schon da, was Bequemeres als einen Tisch werde ich nicht finden. Ohrstöpsel und durch. Punktgenau zum Unterrichtsbeginn entschäle ich mich meinem Bett aus gegossenem Blei. Im Raum sitzen plötzlich viel mehr Leute, der Dozent kommt rein.

Ich muss sagen, heute so gut unter so schlechten Bedingungen zu schlafen, hatte mich überrascht. Aber irgendwie half es im long run nicht: Bin gerade sehr müde.

Dienstag II, 23:53 Uhr

Meine Freundin hat nun auch keine Lust mehr auf das Experiment. Sie hat sich ja bisher gerne mal einen Spaß erlaubt, mich abknutschen, wenn ich hilflos mit der Schlafmaske daliege zum Beispiel. Aber heute wollte sie nicht mehr. Wir haben einen Film geschaut; nur bis zum 23-Uhr-Nap – und dann fuhr ich sie heim. Julia braucht mal wieder einen richtigen Schlaf, keinen Bettgast alle vier Stunden. Sie sagt jetzt immer öfter, dass sie sich schon freut, wenn ich endlich wieder normal sein werde.

Habe dann das Auto im Delirium heimwärts gesteuert. Sitze nun allein am Schreibtisch, bin müde und habe absolut gar nichts mehr für Uni zu tun. Okay, ich könnte noch dieses oder jenes Buch lesen. Ich könnte auch schon meine Hausarbeit schreiben. Aber ich will nicht mehr. Mein Kopf ist nun auch voll. Nach meinem Körper hat nun auch mein Geist keine Lust auf Schlafmangel mehr. Ich schaue Katzenvideos auf YouTube; lachen konnte ich allerdings nur bei einem masturbierenden Känguru.

Mittwoch II, 0:36 Uhr

500 Milliliter Eisbecher gefuttert. Wenn der Körper verdauen muss, kann er nicht schlafen. Und ich gebe meinem Körper nun ständig etwas zum Verdauen. Früher hatte zum Frühstück ein Kaffee gereicht, dann mittags die Mensa und abends ein paar Schnitten. Jetzt bin ich so viel wach, dass mir erst mal auffällt, für wie viele Mahlzeiten am Tag so Platz sind. Also koche ich. Schäle Obst. Streiche Schnitten. Zerkrümel Kekse. Löffel Eiscreme. Irgendwoher muss ja die Energie kommen. Gönne mir zum Wachbleiben den ersten Ghostbusters-Film mit Slimer und dem Marshmallow-Men.

Mittwoch II, 3.31 Uhr

Habe große Lust, auf Geisterjagd zu gehen. Kann aber meinen Overall nicht finden. Und Protonenstrahler sind auch nicht da.

Mittwoch II, 4.12 Uhr

Okay, habe eine akzeptable Alternative zur Geisterjagd gefunden: Bügeln. Dabei den zweiten Teil von Ghostbusters schauen. Der mit dem rosa Schleim und der laufenden Freiheitsstatue. Ja, Bügeln kann früh am Morgen auch eine Herausforderung sein. Fragt meinen Daumen.

Mittwoch II, 12.19 Uhr

Ich trinke wieder mehr Espresso. In den ersten drei Tagen des Experiments ging eine Packung runter, dann habe ich komplett auf Koffein verzichtet. Nun habe ich wieder Bock auf Dope. Müdigkeit ist übrigens gar nichts besonderes an der Uni. Legionen an Kommilitonen kokketieren täglich mit ihrer Schlaftrunkenheit. Wo ich hinschaue Gähnende, Blinzelnde, Einnickende, Umkippende. "Alter, ich hab' die Nacht kaum geschlafen" ist am Campus genauso ein Drama-Satz wie "Ich muss dieses Semester noch voll viele Referate halten".

Ich kann ja über solche Amateure nur lächeln. Ha! Eure Müdigkeit kann mir gar nichts. Mit meinen Power-Naps werde ich eines die Welt erobern. Na gut, vielleicht nicht ganz. Solche Gedanken kommen mir immer kurz nach den Schlafeinheiten. Hatte gerade meine Mittagsphase in der fudder-Redaktion und habe geschlummert wie ein Baby. Glaubt mir hier zwar keiner ... aber wenn mich die Redakteure auch nachts beherbergen müssten, würden sie mein "Mittags-Ich" auf Händen tragen. Oder mir zumindest endlich mal ein Kissen auf die Redaktionscouch legen.

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