Bücher-Nerds mit Hornbrille? Germanistik im Studiengangcheck bei fudder

Carla Bihl

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psychologie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Germanistik.

Worum geht's?

Die Germanistik teilt sich einerseits in die Sprachwissenschaft und andererseits in die Literaturwissenschaft auf. Mit Sprachwissenschaft ist eigentlich die Linguistik gemeint. Dabei geht es darum, wie Sprache aufgebaut ist, sich wandelt und bei Interaktionen verwendet wird. Die Neuere deutsche Literatur ist Teil der Literaturwissenschaft, während die Mediävistik sowohl ältere deutsche Literatur, als auch Sprache untersucht.

Gender-Check

Es gibt mehr Frauen als Männer! Im Sommersemester studierten insgesamt 572 Menschen Germanistik im Hauptfach, davon sind 173 männlich (30,24 Prozent) und 399 weiblich (69,76 Prozent).

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

Wir sind alle Bücher-Nerds mit Hornbrille und hängen den ganzen Tag in Bibliotheken ab. Möglicherweise gibt es sie, die Vollblutgermanisten, die von Hartmann von Aue bis Brecht keine anderen Gesprächsthemen haben und wie die Protagonisten aus Rockabillyfilmen statt am Wasserständer am Bücherregal rumhängen. Das ist allerdings eine ziemliche unreale Vorstellung.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

Germanisten verbessern gerne Rechtschreib- und Grammatikfehler. Ja es ist wahr. Verwechsle einmal dass und das, oder wie und als, und du wirst aus der Freundesliste gestrichen. Gut, so schlimm ist es auch nicht. Aber beinahe.

Der beliebteste Spruch

"Kannst Du mal meine Arbeit Korrektur lesen?" Ja, kann ich. Ziemlich gerne sogar, denn wie oben schon erwähnt, haben Germanisten das Klugscheisersyndrom und leben wie Vampire vom Blut von den Grammatikfehlern einer Erstsemestlerhausarbeit. Kleiner Spaß, aber könnte sein, dass ich in deiner BWL-Hausarbeit Interpretationsansätze für Freuds Psychoanalyse finde.

Warum man Germanistik studieren sollte

Weil es NC-frei ist, zumindest in Freiburg. Spaß beiseite. Der eine oder andere Germanist hat sich bestimmt schon gefragt "Was mache ich hier eigentlich?", wenn er Geschichten vom Doppelinzest wie im mittelalterlichen Buch Gregorius interpretieren musste. Aber mal ehrlich: Germanistik ist mehr als das. Man bekommt ein anderes Gefühl für Sprache, ihre Wirkung, ihre Macht. Außerdem steht einem ein breites Berufsfeld offen: Die Lehre, der Journalismus, ein Lektorat, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Sprach- und Kommunikationstraining. Nicht alle werden Taxifahrer. Nur der Großteil.

Das nervt

Im größten Teil der Bibliothek des Deutschen Seminars ist Redeverbot. Lediglich in einem kleinen Zimmer darf gesprochen werden. Ebenso hat die gesamte Bibliothek Präsenzbestand. In manchen Institutsbibliotheken darf man die Bücher mit Präsenzbestand wenigstens über das Wochenende oder die Ferien mit nach Hause nehmen.



Was Germanistik-Studierende in der Vorlesung machen

Wenn der Prof mal wieder eine Buchstelle zitiert, verträumt in die Gegend blicken und so tun, als ob man das Buch schon gelesen hätte und noch nie etwas Schöneres gehört hätte, oder wenigstens generell so tun als würde man zuhören. Andernfalls aber sitzt man an seinem Laptop und durchforscht Facebook oder zieht sich lustige Katzenvideos rein.

Wo Germanistik-Studierende anzutreffen sind

Im deutschen Seminar oder zu Hause.

Work-Life-Balance

Zu Beginn des Studiums mehr Work als Life, denn da wird noch viel Grundlagenwissen reingeprügelt. Später ist es zwar anspruchsvoller aber interessanter, da man sich auf einen Bereich spezialisieren kann. Auch die Stunden werden weniger.

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