Brunos letzte Spuren

Adrian Hoffmann

Felix Knauer ist mit den Finnen und ihren Spürhunden zusammen auf Brunos Spuren gewesen ? und einen Tag vor dessen Abschuss aus Bayern abgereist. Der 39-jährige Wildökologe aus Freiburg (über seine Kollegin Petra Kaczensky haben wir schon berichtet) und Mitglied der so genannten österreichischen Bäreneingreiftruppe hat kein Verständnis für die Diskussion, ob man den Braunbären nicht besser hätte betäuben sollen. Ein Interview:



Sind Sie überrascht, dass der Abschuss jetzt so sehr Medienthema ist?

Felix Knauer: Nein, das war ja davor schon ein großes Thema. Und dann kam der Abschuss überraschend schnell.

Was sagen die Finnen dazu?

Die sind auch überrascht, wie schnell das ging.

Warum wurde der Bär jetzt nicht betäubt?

Wir waren abgereist und auf die Schnelle war wohl kein geeigneter Tierarzt erreichbar. Es gibt ja nicht viele Tierärzte, die mit Bärennarkosen Erfahrung haben. Andererseits muss man auch sehen, dass Bruno im Gehege wahrscheinlich nicht glücklich geworden wäre. Vielleicht war es für ihn so auch besser. Es war auch unsere Handlungsempfehlung nach dem Abbruch mit dem finnischen Fangteam, den Bär abzuschießen.

Warum waren Sie beim Abschuss eigentlich nicht vor Ort dabei?

Ich war ausschließlich mit den Finnen im Einsatz. Und die sind am Freitag abgereist. Am Samstag bin dann ich abgereist.

Waren Sie dort ansonsten nonstop im Einsatz?

Nein, zwei Tage der insgesamt vier Woche war ich hier in Freiburg, um Vorlesungen zu halten.



Wie sah der Einsatz gemeinsam mit den Finnen genau aus?

Bei einem Schaden oder einer Sichtbeobachtung sind wir von der Polizei verständigt worden. Dann sind wir zu dem Platz gefahren und haben untersucht, ob das wirklich ein Bär war - es gab auch Fehlmeldungen. Und dann setzte ein Finne seinen Hund auf die Spur und versuchte sie auszuarbeiten. Oft wurde der Hund nach einer Weile von der Leine gelassen und sollte den Bär stellen. Das ist aber nur zwei Mal und nur für zu kurze Zeit gelungen. Und viele Einsätze waren in der Nacht.

Aber warum haben Sie denn den Bären nicht vor dem Jäger erwischt?

Es war sehr heiß und dadurch hatten wir Probleme, seine Spur lange zu halten. Und das Gelände dort ist sehr schroff. Der Bär ist einfach geländegängiger als die Hunde gewesen.

Kennen Sie denjenigen, der den Bären abgeschossen hat?

Nein, ich kenne ihn nicht und weiß auch nichts Näheres über ihn. Wenn seine Identität bekannt wird, muss er mit konkreten Morddrohungen rechnen. Dabei hat er im Auftrag gehandelt. In einer zivilisierten Gesellschaft sollten wir in der Lage sein, Meinungsverschiedenheiten verbal auszutragen. Dazu stehen die verantwortlichen Behörden und Politiker, aber auch wir Fachleute zur Verfügung.

Was halten Sie davon, den Bären in den “Körperwelten” auszustellen?

Ich find’ das geschmacklos.