Brunch in Freiburg (16): Gleis 1 in Hugstetten

Brunch-Guru

Wo kann man in Freiburg brunchen? Was kostet der Spaß? Welche Lokalitäten eignen sich für Kinder? Die fudder-Redaktion hat ausgewählte Brunchlokale getestet. Teil 16 unseres crunchy Brunch-Marathons: Gleis 1 in Hugstetten.



Speisen und Getränke

Während anderswo Castor-Gegner „schottern“, schütteln wir unseren letzten Schotter aus dem Ärmel – der Redaktionskasse – und begeben uns zur Fortsetzung unserer Brunch-Test-Orgie mal vor die Tore Freiburgs, aufs Gleis 1 in Hugstetten. „Wenn Sie in vollen Zügen genießen wollen, dann sind Sie hier im Gleis 1 in Hugstetten genau richtig“, verkündet die Speisekarte verheißungsvoll. Dort, wo die Tageskarte „Sonderfahrplan“ heißt, begibt man sich an die Bahnsteigkante und lehnt sich also weit aus dem Fenster. Unser Brunch-Guru testet, ob hier freie Fahrt für Genießer herrscht.

Das alte Bahnhofsgebäude entlang der Breisgau-Bahnstrecke macht einen sehr einladenden Eindruck – von außen leuchtet die Fassade gelb-orange, innen ist das Café-Restaurant stilvoll und mit Bezug zum Zug eingerichtet. Auch Kunst ziert die Wände, im Moment sind es Schwarz-Weiß-Fotografien.

Bunt hingegen gibt sich die Palette der aufgefahrenen Speisen. Das Buffet präsentiert sich deftig: Weißwürste und Wienerle konkurrieren mit dem Rührei um den Platz in der Wärme, zweierlei Senf lassen grüßen, Räucherlachs und Rollmops warten auf (verkaterte?) Abnehmer, zwei Käseplatten haben das Nachsehen gegenüber drei Wurstplatten. Hinzu gesellen sich diverse Tapas und auch Obatzter. Das Süßwarenarsenal reicht von Marmelade im Glas und Nutella sowie Honig, jeweils abgepackt, über drei Joghurts und drei Alibi-„Müslis“, die den Namen nicht verdienen, im Spender bis hin zur kinderfreundlichen Krönung, deren politisch korrekter Name wohl Schaumgebäck mit Schokoglasur lautet und sowohl in der weißen Variante als auch in Vollmilch und Zartbitter vorhanden ist.

All das draufpacken kann der geneigte Bruncher auf kleine Weckle mit Körnern, Sesam oder Mohn, Laugengebäck, Aufback-Croissants oder Baguette-Schnittchen. Das Baguette wurde offensichtlich schon stundenlang vorher zurechtgeschnitten, derart trocken und leicht ausgehärtet grüßt es vom Tellerrand, sofern man sich denn dafür entschieden hat. Einen Tick zu hart fallen auch die im Korb gelagerten gekochten Eier aus.



Machen wir es kurz: Prall gefüllt das Mieder, doch innen ist’s recht bieder. Viele Speisen haben die Verantwortlichen hier aufgetischt, doch geschmacklich ist das Gros eher mau. Des einen, na ja, Leid, des andern Freud: Die Kinder fahren auf das Frühstück echt ab. Statt Gemecker heißt es: „Lecker!“

Highlight der Frischetheke ist ganz klar der knackige Obstsalat aus Apfel, Ananas, Banane, Kiwi, Orange und Traube. Er ist mit Abstand Tagessieger im Vitamin-Bereich und damit der ICE auf der Brunchstrecke. Geschmacklich setzt das Gleis 1 beim Brunch für unseren Geschmack etwas zu sehr auf die immergleiche Schiene. Für unseren Brunch-Guru war das Ganze deshalb nicht Durchgangsstation, sondern Abstellgleis.

Spezialitäten

Das Gleis 1 selber wirbt mit seinem spanisch-mexikanischen Einschlag. Und auch beim Brunch tischt das Team warme Tapas auf wie zum Beispiel gebratene Champignons und Datteln im Speck. Den kalten Tapas-Part übernehmen Oliven und Peperoni. Später kommen noch Minifrühlingsrollen mit süß-pikanter Soße dazu.

Wie war der Kaffee?

Der Kaffee geht in Ordnung, aber man bekommt ihn woanders besser. Der Cappuccino ist zwar geschmackvoll, wenngleich etwas dünn, und der Milchschaum sieht nach einer Minute aus wie ein in sich zusammengesunkener Schneerest im Gleisbett.



Preise

Der Brunch im Gleis 1 kostet für Erwachsene 12 Euro, Kinder von 6 bis 12 Jahren zahlen fürs Brunchen 6 Euro. Enthalten ist eine O-Saft-Flatrate. Die Kaffeepreise reichen von 1,90 Euro für den Espresso über 2,20 Euro für den Cappuccino bis hin zu 2,80 Euro für eine Latte Macchiato oder eine Schale Milchkaffee. All das geht extra.

Wenn kleine Heißsporne Heißhunger auf Heißgetränke haben heißt es, die Preise im Blick zu behalten. Mit 2,80 und 3 Euro (mit Sahne) sind Ovomaltine und heiße Schoki nicht ganz billig. Mit Tee für 1,80 und 1,90 Euro die Tasse fährt man besser. Für Säfte und Nektare muss man in der Kleinversion (0,2 l) 2,30 bzw. 2,60 Euro hinblättern, in der Maxiversion 3,50 beziehungsweise 3,80 Euro. Preisbewusste Konsumenten greifen auf die Schorle für 1,80 und 3 Euro zurück.

Brunchzeit

Sonn- und feiertags von 9 bis 14 Uhr

Reservierung

Reservieren sollte man unbedingt. Wer spontan noch ein Plätzchen finden will, sollte früh aufschlagen, also am besten gleich um 9 Uhr, wenn der Laden öffnet.  

Wie ist die Atmosphäre?

Wuselig. Hektisch. Wie am Bahnsteig. Hier herrscht ein ordentliches Gewimmel, Gedränge und Schlangestehen wie weiland am Schalter. Einen unentspannteren Brunch gibt es weit und breit kaum.

Personal

Zwiespältig: Während am Buffet eine Schlacht nach der anderen tobt, legt die gut organisierte Küche mit coolem Kopf ein ums andere Mal nach und füllt umsichtig die Lücken, die im Hand- und Tellerumdrehen schmalkaldengleiche Krater ins Frühstücksangebot reißen. Bahnjargon: Neigetechnik, siehe auch: Geht-zur-Neige-Technik.

Bis die Bedienung grünes Licht gibt für das Signal Abfahrt (Bezahlen), geht allerdings mächtig Zeit ins Land. Und beim Abräumen kommen die Stewardessen des schnellen Essen kaum nach. Manch einer trägt sein Geschirr flugs selbst zur Theke.

Frequentierung

Kurz nach 9 Uhr sind die alten Bahnsitze entlang des Fensters – mit Blick aufs Gleis – noch unbesetzt. Doch spätestens um 10 herrscht hier Hochbetrieb und am Buffet permanenter Belagerungszustand. Eventuell findet man auf gut Glück einen freien Platz in der zweiten Schicht, so gegen Mittag.

Publikum: Wen trifft man dort?

Das Publikum ist hier zwischen 0 und 60 Jahre alt. Im Gleis 1 sind die Familien König, wenn auch nur Dorfkönig. Viele Kinder aller Altersklassen machen hier die Wege eng, steigern aber auf der Gegenseite den Geräuschpegel mächtig. Familien, die sich mal was gönnen wollen oder einen Anlass zum Feiern haben, trifft man hier ebenso gut wie flotte Dreier- und Vierergruppen um die 30.

Familienfreundlichkeit

Für Familien ist die Location und das, was hier aufgefahren wird, keine schlechte Anlaufstelle: Auf sie ist das Angebot ausgerichtet, für die Bedürfnisse von Kindern ist das Gleis 1 bestens gewappnet. Den O-Saft aus dem Spender trullern zu lassen, bereitet den Kids sichtlich Freude. Vor dem Gastraum kann der Kinderwagen bequem im Eingangsbereich geparkt werden, drinnen stehen Hochstühle bereit und gewickelt werden kann im Vorraum der Toiletten.



Adresse


Café Restaurant Gleis 1

Kartäuser Str. 135
793232 March-Hugstetten
07665.400 313
info@gleis1-hugstetten.de
 

Anfahrt

Über den Zubringer an der Auffahrt zur A5 vorbei Richtung Umkirch und March, dann rechts abbiegen Richtung Hugstetten. Nach dem Ortseingang rechts und wieder rechts, dann seht ihr das Gleis 1 auf der gegenüberliegenden Seite liegen. Jetzt noch über die Gleise und schon ist man da. Alternativ über die Elsässer Straße durch Landwasser durch, bis ihr gleich am Ortseingang Hugstetten linkerhand den alten und neuen Bahnhof erspäht.  
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