Bruderstreit erschüttert das Freiburger Eishockey

Karl Heidegger

Ein schwelender Konflikt eskaliert – und droht das Freiburger Eishockey an den Abgrund zu bringen: Holger Döpke, Gesellschafter der Wölfe-GmbH, greift den Stammverein EHC Freiburg an und droht mit dem Ende der Profiabteilung.

Fulminant hatte sie begonnen, die Eishockeysaison in Freiburg: Mit seiner positiven Attitüde hatte der neue Manager Robert Vozar für Aufbruchstimmung gesorgt, die Zuschauerzahlen kletterten nach oben, die junge Mannschaft spielte erfolgreich. Nun hat sie viermal verloren – doch die sportlichen Probleme sind Kinkerlitzchen im Vergleich zu dem, was sich da sonst auftürmt. Wie aus dem Nichts eskaliert ein Bruderstreit. Das überrascht selbst Insider und Betroffene.


Die Freiburger Eishockeyszene ist eigentlich zu klein für zwei Lager – doch es gibt sie: Auf der einen Seite steht der EHC Freiburg, der Stammverein, der für den Nachwuchsbereich, den Amateursport und den Betrieb der Eissporthalle zuständig ist. Auf der anderen Seite die Wölfe GmbH, die Profiabteilung. Sie wickelt den Spielbetrieb der Zweitliga-Equipe ab. Dies sind zwei verschiedene Organisationen, mit verschiedenen Machern und verschiedenen Interessen. Zwischen EHC und GmbH knirscht es seit Jahren. Nun aber entgleist der Konflikt: Die GmbH droht mit dem baldigen Ende des Profi-Eishockeys im Breisgau. Der EHC zeigt sich verwundert.

Umbau oder Neubau: Im Mittelpunkt steht die Zukunft der Eishalle

Auslöser ist ein am 11. November veröffentlichtes BZ-Interview, in dem der EHC-Vorsitzende Wolfgang Kunkler unter anderem die Idee einer Komplettsanierung der Freiburger Eissporthalle skizziert. Hierauf reagierte Holger Döpke (Bild), Gesellschafter und langjähriger Frontmann der Wölfe-GmbH, in einer selbst für GmbH-Mitarbeiter überraschend anberaumten Pressekonferenz am Montagnachmittag. Dabei schilderte Döpke, dass Kunklers Aussagen eine "Hiobsbotschaft" für die GmbH gewesen seien, die – offenbar stärker als der EHC – vom Neubau eines Eisstadions als Wunschszenario ausgegangen war. Döpke fürchtet, dass die Vision von einer neuen Eishalle passé sein könnte, dass potenzielle Sponsoren abgeschreckt werden könnten von einer Zukunft in der alten Halle, dass deren Umbau den Spielbetrieb stören würde.

Vor allem aber echauffierte sich Döpke darüber, dass die Idee einer Generalsanierung nicht mit der GmbH abgestimmt gewesen sei. "Darüber sind wir stinkig, sauer und enttäuscht", sagte Döpke und stellte eine Art Ultimatum: Der Verein solle "die Geschichte zurücknehmen" und der GmbH Einblicke in die Planungen geben, zumindest aber ein klares Signal für eine bessere Zusammenarbeit aussenden. Wenn dies nicht passiere, würden die vier GmbH-Gesellschafter eine akute finanzielle Lücke in Höhe von 40 000 bis 50 000 Euro nicht schließen . Die Folge wäre die Insolvenz der Wölfe GmbH.

Kunkler widerspricht Döpke: "Wir haben Einblicke gegeben"

Wolfgang Kunkler zeigt sich perplex angesichts der Forderung, dass sein Verein der GmbH Einblicke geben solle. "Das ist doch schon längst geschehen", sagt der EHC-Chef und verweist auf ein Treffen mit GmbH-Geschäftsführer Jürgen Schaal und GmbH-Manager Robert Vozar am 15. November, in dem er über das Sanierungskonzept informiert habe. Schaal und Vozar bestätigten dies am Montagabend gegenüber der Badischen Zeitung. Auch anderen Darstellungen Döpkes widerspricht Kunkler vehement. Zwar räumt er ein, dass es persönliche Zwistigkeiten zwischen ihm und Döpke gebe, spricht aber von einem "guten Miteinander" mit Vozar und Schaal, zumal Letzterer – für seine Tätigkeit als Nachwuchstrainer – zur Hälfte vom Verein bezahlt werde. Jahr für Jahr werde der Kooperationsvertrag neu ausgehandelt, wobei der Betrag, den die GmbH für die Hallennutzung zu entrichten habe, nie gestiegen sei. "Und bei Zahlungsproblemen waren wir immer kulant", betont Kunkler.

Wie es nun weitergeht, steht in den Sternen. Vielleicht hat Heiner Geißler ja Zeit für eine neue Schlichtung.