Brot, Eis und eine Dackelparade: Das erlebt die Folk-Band Handmade Moments auf ihrer Konzerttour durch Deutschland

Bernhard Amelung

Es ist ihre erste Konzerttour in Deutschland: An diesem Donnerstag tritt das Folk-Duo Handmade Moments im El Haso auf. Im Interview sprechen Anna Moss und Joel Ludford über Kindheitserinnerungen und wie Deutschland für sie riecht.

Anna, Joel, euer Tourplan ist dicht getaktet. Wie vermeidet ihr Reisestress?

Anna Moss: Den haben wir nicht. Uns geht es großartig. Wir geben Konzerte vor tollem Publikum. Hoffentlich können wir die Städte, in denen wir bisher gespielt haben, noch einmal bereisen.

Ihr bereist sieben Länder in acht Wochen. Wie habt ihr euch darauf vorbereitet?

Anna Moss: Unser Booking Agent hat die Tour gebucht und organisiert alles für uns. Mehr als CDs und Vorlagen für Flyer haben wir nicht vorbereitet. Das ging auch alles ganz schnell. Sie hat uns im Winter entdeckt, angeschrieben und sofort die Tour gebucht.

Jede Nase riecht anders. Wie riecht Europa für euch?

Anna Moss: Nach frisch gebackenem Brot und stinkigen Füßen. [lacht]. Die Füße haben wir jedoch aus den USA mitgebracht. Unser Flug dauerte sehr lange. Der Duft von frisch gebackenem Brot kommt aus den vielen Bäckereien, die es in Europa gibt.

Wie riecht Deutschland?

Anna Moss: Deutschland riecht für mich ganz großartig. Die vielen Bäckereien, das Brot, wundervoll. Ich könnte mich stundenlang vor einer Bäckerei aufhalten. Deutschland riecht für mich aber auch nach Schokolade. In Erfurt habe ich das beste Schokoladeneis meines Lebens gegessen.



Welche Gerüche stimmen euch nostalgisch?

Anna Moss: Wahrscheinlich Kaffee. Der flüchtige Duft von Kaffee erinnert mich manchmal an Dinge, an die ich sonst nicht denke. Flüchtige Gedanken, die so schnell verwehen, wie sie gekommen sind.

Ist Nostalgie ein Thema für euch als Künstler?

Joel Ludford: Auf jeden Fall. Wir singen oft alte Songs, klassische Folk- und Country-Songs. Die erinnern mich immer an die Abende, an denen ich mit Freunden um ein Feuer saß. Irgendjemand hatte immer eine Gitarre dabei und stimmte Songs an, die alle kannten. Eine gute Zeit. Wir versuchen, mit unserer Musik genauso ein Gefühl zu vermitteln.

Am Lagerfeuer sitzen, erinnert an unbeschwerte Kindheitstage. Was sind eure liebsten Kindheitserinnerungen?

Joel Ludford: Musik hören. Bei mir sind das vor allem die Lieder von Louis Armstrong. Als Kind habe ich seine Songs verschlungen. Seine Stimme war wie ein imaginärer Freund für mich. Und natürlich auch im Dreck spielen. Erdlöcher ausheben, mit Wasser füllen und im Schlamm rumpsringen. Gibt es etwas Schöneres?

Ihr seid beide in Fayetteville aufgewachsen…

Joel Ludford: Falsch! Ich bin in Eureka Springs aufgewachsen. Eine Kleinstadt, die für ihre Diversität und Künstlergemeinschaft, die Art Colony, bekannt ist. Anna ist drei Stunden Autofahrt entfernt von mir aufgewachsen.



Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

Anna Moss: Auf einer Party. Wir hatten viele gemeinsame Freunde, die uns voneinander erzählt hatten. Dann waren wir einmal auf derselben Party. Joel kam etwas später, mit einer Gitarre im Arm, und wir haben zusammen Musik gemacht. Das hat von Anfang an gepasst.

Inwieweit beeinflusst eure Heimat euren Sound?

Anna Moss: Wir spielen akustische Musik irgendwo zwischen Folk, Bluegrass und Country, ohne dass wir eine Folkband sind.

Beschreibt eure Musik in drei Wörtern.

Anna Moss: Soul.
Joel Ludford: Soulful.
Anna Moss: Juicy.

Juicy?

Anna Moss: Wir lieben fette Beats und einen dicken Bass. Und wir lieben Beatbox. Unsere Beats erzeugen wir mit dem Mund. Das ist für mich juicy.

Lass uns übers Songwriting sprechen. Was kommt zuerst, Text oder Melodie?

Anna Moss: Manchmal habe ich eine Melodie im Kopf und suche nach passenden Wörtern. Manchmal laufe ich auch rum und habe Wörter im Kopf, die ich mir vorsinge und anschließend die Musik notiere.

Was war für euch der Auslöser, ganz auf die Musik zu setzen?

Anna Moss: Schon als kleines Kind wollte ich Sängerin werden. Als Studentin habe ich nebenher in einem Restaurant gearbeitet. Sonntags trat immer ein Jazz-Duo auf. Die waren richtig schrecklich. Die hatten jedoch einen Vertrag mit dem Verpächter, der ihnen ermöglichte, immer sonntags aufzutreten. Auch die Pächter fanden das Duo furchtbar, konnten aber nichts dagegen tun. Irgendwann dachte ich mir, wenn die das können, kann ich das auch. Ich habe meinen Job gekündigt und mich ganz der Musik gewidmet.



Was ist die Geschichte hinter eurem Album "Paw Paw Tree"?

Anna Moss: Das ist einfach eine Sammlung von Songs, an denen wir in den vergangenen Jahren gearbeitet haben. Der Titelsong handelt von der Zukunft unseres Planeten. Die sieht leider nicht so rosig aus. Wir betreiben Raubbau an der Natur.

Wie wichtig ist euch Ökologie?

Anna Moss: Sehr wichtig. Wir haben nicht mehr viel Zeit, um etwas für unseren Planeten zu tun. Luft- und Wasserverschmutzung, wohin man auch blickt. Das Schlimme daran ist: In der sogenannten Westlichen Welt können wir leben, ohne uns einmal Gedanken machen zu müssen, wer alles wegen unseres Umweltverhaltens leiden muss. Wir können das perfekt ausblenden. Die großen Umweltsünder zerstören die Natur ja nicht vor der eigenen Haustüre. Ich möchte mit meinen Songs einen Anstoß dazu geben, dass sich das ändert.

Wer regt euch zum Denken an?

Anna Moss: Reisen. Andere Menschen. Das Politmagazin Democracy Now.

Wie politisch sind eure Songs?

Anna Moss: Beim ersten Anhören kommen wir gar nicht so politisch rüber. Aber wir haben eine klare Anti-Kriegs-Haltung. Wir verachten die Habgier von Unternehmen und die Ausbeutung von Natur und Mensch.

Wie habe ich einen Song wie "Faked My Own Death" zu verstehen?

Joel Ludford: Dieser Song ist tatsächlich etwas schwierig zu verstehen. Da geht es um eine ganz persönliche Innensicht, um Fragen der Selbstfindung und Neu-Definition. Manchmal tut es gut, einfach nur Zeit mit sich selbst zu verbringen und zu meditieren.



Wie oft hinterfragt ihr euch selbst?

Joel Ludford: Immer.

Anna Moss: Vor unserem ersten Auftritt in Deutschland. Das war am Tag der Deutschen Einheit in Passau. Ich bin morgens durch die Stadt gelaufen, auf der Suche nach einem Kaffee. Auf einmal stolperte ich in einen Umzug. Eine Band lief vorneweg, hunderte Menschen liefen hinterher, mit Dackeln an der Leine. Ein riesengroßer Aufblas-Dackel schloss den Umzug ab. Ich habe mir das angeschaut, und auf einmal bin ich mitgelaufen. Einfach so. Erst nach einer Viertelstunde habe ich mich gefragt, was das ganze eigentlich solle und was ich da mache.

Und als Künstler?

Anna: Täglich.

Joel Ludford: Nach unserem Auftritt in einer deutschen Fernseh-Sendung (ARD Morgenmagazin, d.Red.). Im Studio saßen viele ältere Menschen an kleinen Tischen, haben Kaffee getrunken und Sandwiches gegessen. Vor diesen haben wir einen Song gespielt, der live übertragen wurde. Mit so einem Auftritt hatten wir nicht gerechnet. Wir, die kleine Band aus Arkansas, im deutschen Fernsehen. Wir machen Lärm, andere schauen beim Frühstück zu. Dieses Konzept ist doch verrückt. Aber am Ende war es eine interessante Erfahrung.
  • Was: Konzert w/ Handmade Moments
  • Wann: Donnerstag, 25. Oktober 2018, 21 Uhr
  • Wo: El Haso, Leopoldring 1-3, 79098 Freiburg

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