Bronson Brothers & Broken Beats im Swamp

Alexander Ochs

Dänisches Double Feature im Swamp: Die Bronson Brothers und vor allem die Broken Beats sorgten für eine geballte Ladung Danish Dynamite. Allen voran Frontmann Kim Munk, ein sympathischer Exzentriker, der Pausen und Posen zelebriert – und auf einer Minifläche eine Riesenshow lieferte.



Vorab eine böse Überraschung: Die Badische Zeitung hatte in ihrer von Anglizismen entrümpelten Samstagsausgabe den Veranstaltungsort sprachpolitisch korrekt als „Überschwemmungsklub“ angegeben und die Band als „Die gebrochenen Schläge“ angekündigt: „Unabhängige Musik aus Dänemark“, so die Zeitung. Leider war darin die Adresse des Überschwemmungsclubs falsch angegeben. Entsprechend begeistert war davon Carmelo "Chico" Polichiccio, gähnend leer statt überschwemmt sein Swamp an der Schwarzwaldstraße.


Doch das sollte sich bald ändern. Als die Bronson Brothers loslegten, füllte sich der Laden flott. Die beiden Brüder, ein wenig dandy- und sehr kumpelhaft, absolvierten ihren sympathischen Gig im Anzug und in schnabelschuhähnlichem Schuhwerk. Sie spielten einen netten Sixties-Mix, mit Anleihen und Anklängen an Serge Gainsbourg, Lou Reed und Lee Hazlewood.

Nachdem die Band am Ende noch mal auf die Bühne geklatscht wurde, drohte der Drummer schmunzelnd: „Now we have to play for six hours. That`s a rule in Denmark!” Nur zwei Songs später verabschiedeten sich die Jungs und erklärten ihre Zeitrechnung so: „Time flies when we have fun!“



Im mittlerweile rappelvollen Swamp übernahm nun Kim Munk von den Broken Beats das Kommando, mit Gitarre im Arm, leicht rauchiger Stimme und fantastischen Songs im Gepäck. Wenn er singt, ist klar: Es geht ums Ganze. Mit seinem charmant holpernden Deutsch und seinen witzigen Ansagen hat er das Publikum im Griff. Der Schlaks in weißem Anzug und Rüschenhemd hat Entertainerqualitäten.

Begleitet wird er von einer geballten Ladung Danish Dynamite: Nikita am Bass, Mads am Schlagzeug, Leif an der Gitarre und Wirbelwind Lisa als zweite Sängerin.

Der Kerl hat Stil und erinnert trotzdem ein klein wenig an eine Mischung aus Joe Cocker in schmal & jung, den King of Exzentrik Jarvis Cocker, ja sogar an Catweazle, diesen hutzeligen Eigenbrötler. Lässig-lustig-listig unterbricht Munk immer wieder die Songs, um Geschichten einzuschieben; dann donnert er wieder mit Glamrock-Breitseiten los. „Oh, it`s so peaceful now“, singt die Band hymnisch-schwelgerisch, bevor der Rhythmus sich steigert und die Dänen es so richtig krachen lassen. Sie geben alles. Großartiger Indie-Pop! Komplex, trotzdem mit Melodiegarantie.



Kim Munk zelebriert die Posen und die Pausen, egal ob zwischen den Songs oder mittendrin. Gebrochene, unterbrochene Takte – der Name „Broken Beats“ ist Programm. Das tut der guten Stimmung keinen Abbruch, es beflügelt sie eher spielerisch und (selbst-)ironisch. Mit zur Decke gerecktem Zeigefinger (von The Hives abgeguckt, wie er erklärt) und „Skol!“ prustend, prostet Kim Munk der dicht gedrängten Meute zu. Mal funky, mal krachend, doch immer melodisch sind die Songs, der Beat mal treibend, mal scheppernd, mal wild und ungestüm, mal zuckersüß. Und voller Überraschungen.

So greift der Gitarrist gerne mal zum Glas – aber nicht zwecks Flüssigkeitsausgleichs, sondern um damit Gitarre zu spielen. Oder er zückt eine Mundharmonika. Auf einer Minifläche von 50 Quadratzentimetern bis zwei Quadratmetern spielt Munk Gitarre mit der Nase (geht das überhaupt?), sackt in die Knie, wirft sich der Länge nach auf den Boden, springt von der Bassdrum, reißt sich sein klatschnasses Hemd vom Leib.

Ganz schön schier, dieser Wahnsinn. Die Broken Beats beschließen ihren grandiosen Gig mit einer Rockballade. „Sehr modern“, meint Kim Munk. „Ich hoffe, dass wir ins Radio kommen.“ Das wäre eine schöne Überraschung.