Brimstone Howl: Durchgeschreddert im My Way

Torpedo Tom

Eine Konzert-Location die wir bei fudder zu oft fahrlässig übersehen, ist das My Way. Dort veranstaltet Ecky Landes seit fünf Jahren in loser Reihenfolge Punk und Rock'n'Roll Konzerte. Am Montag spielten dort Brimstone Howl aus Lincoln, Nebraska, und Torpedo Tom war dabei.



Man kann über Freiburg so viel lästern wie man will, aber eines kann man unserer Provinzmetropole nicht nachsagen: dass es an Independent Konzerten mangelt. In der Hinsicht ist in diesem 200.000-Leute-Städchen einiges geboten.


Mit Independent Konzerten meine ich Konzerte von Hobbyveranstaltern organisiert, die nur ihrem persönlichen Geschmack folgend genau die Bands hierher holen, die ihnen gefallen, dafür ein paar Nächte plakatieren gehen, oft ohne einen Cent daran zu verdienen und das bereits seit Jahren.

Einer der Orte an dem solche Chosen stattfinden ist das My Way im Oberlinden 4. Seit fünf Jahren schon veranstaltet ein gewisser Ecky Landes (auch bekannt als Schlagzeuger des Liquid Laughter Lounge Quartets und als Ex-Basser von Ready Killerwatt) dort in loser Reihenfolge Konzerte, die im weitesten Sinne was mit Punk und Rock'n'Roll zu tun haben.

Bevorzugt spielen dort Bands, die Blues, Country, Soul & Rock'n'Roll mit ordentlich Garage-Feeling aufbrezeln und die so einem jungen Punkrock Publikum schmackhaft machen.

Von ambitionierten Anfängern bis zu echten Szenegrößen wie zum Beispiel The Boys, The Sewergrooves oder Deadbolt, haben dort bereits -zig Kapellen die Wände der Heavy-Metal-Bar zum Dröhnen gebracht.



Der Sound ist immer zu laut, durch die vielen nackten Betonwände noch zusätzlich vermatscht, mit anderen Worten: es ist alles genau so, wie es sein soll.

Auch ich kenne die meisten Bands, die dort spielen, vorher nicht. Manchmal ist Gold dabei und manchmal ist es so lala, aber ich lasse es gerne darauf ankommen und bei durchschnittlich 5 Euro Eintritt riskiert man nicht wirklich viel.

Am Montag waren es Brimstone Howl aus Lincoln, Nebraskaund die waren irgendwo dazwischen. Garagebluespunk - wer die Schublade braucht: Gories, Dirtbombs, Headcoats - vom Ansatz her also grundsympathisch.

Ebenso sympathisch ist die Einstellung, mit der in dieser Szene vorgegangen wird. Ein Gitarrist wurde anscheinend kurz vor Tourbeginn von Jay Reatard entliehen. Diesem die Songs jeweils kurz vorher durch kurzes Anspielen in Erinnerung zu rufen war ebensowenig ein Problem, wie die Tatsache, dass der Basser kurzfristig auf Gitarre umgestiegen war, weil er die drittletzte Basssaite am Abend davor durchgeschreddert hatte und ihm schlichtweg das Geld für neue fehlte. Mit anderen Worten: Perfektion oder Gelecktheit wird hier ganz, ganz klein geschrieben, es geht ums Rocken.

Unterm Strich fehlte es jedoch an mehr richtig guten Songs und dass die Gitarren in voller Lautstärke nicht nur vor jedem Song, sondern auch mittendrin gestimmt werden mussten, nervte auf die Dauer und unterstrich den etwas halbgaren Charakter der Combo.

Trotzdem habe ich nichts bereut und freue mich bereits auf das nächste My Way-Konzert, denn es kann sehr wohl passieren, dass die nächste Band rockt wie Hölle und ich danach euphorisch aufgeladen und für eine Montagnacht deutlich zu betrunken glückselig nach Hause wanke.

In diesem Sinne: Besucht Garage Konzerte! Ihr habt nichts zu verlieren. Außer vielleicht eurem Gehör, den Job, den ihr am nächsten Tag verpennt, und ein paar Euro.

Mehr dazu:


Brimstone Howl:
Website & MySpace

Nächstes Konzert im My Way


Was:
The Intelligence (Seattle, USA, Post-Apocalyptic-Industrial-Art-Junk), MySpace
Wann: Montag 14. April 2008, 21 Uhr
Wo: My Way

[Bilder: MySpace, denn Torpedo Toms frisch erstandenes Handy mit Kamera hat sich am Montag komplett aufgehängt. "Aber es gab eh nicht viel zu sehen und wiesoll man bitte infernalisches Garageblues-Gedröhne ablichten?"]