Breitensport

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass die urjapanischste aller japanischen Sportarten sich langsam aber sicher internationalisiert? Gemeint ist hier nicht Basebolu, sondern das Sumo-Ringen. In früheren Zeiten durften nur die beweglichsten, stärksten und natürlich dicksten Japaner in den Ring auf dem Sandhaufen treten, doch seit knapp 15 Jahren dürfen Ausländer sogar den höchsten Rang unter den Sumotori einnehmen.

Diese sehr athletische und auch durchaus gut bezahlte Sportart (ein erfolgreicher Sumoringer kommt auf mindestens 20.000 € monatliches Einkommen plus diverse Boni) ist nicht nur, wie es auf den ersten Blick scheint, eine Veranstaltung, bei der sich zwei extrem dicke Männer gegenseitig schubsen.


Die Sumotori haben nicht nur die Kraft ihrer Masse, sondern beherrschen auch die über 80 verschiedenen Techniken, einen Kampf zu gewinnen. Die meisten können sogar auch einen Spagat. Obwohl dieser Sport ästhetisch eher gewöhnungsbedürftig wirkt, sind die runden Herren beim anderen Geschlecht durchaus begehrt.

Schon in den 60er Jahren kamen aus diesen verschiedenen Gründen auch Sportler aus anderen Nationen auf die Idee, sich den Mawashi umzubinden und im Dohyo (dem Kampf-Ring) ihr Geld zu verdienen. Der erste wirklich erfolgreiche war der gebürtige Hawaiianer Konishiki Yasokishi, der Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre mehrere der großen Sumo-Turniere gewann. Mit seinen über 270 kg auf 1,84 m Körpergröße brachte er es bis zum zweithöchsten Rang Ozeki. Von seinen Kampfleistungen her hätte er auch den höchsten Rang erreichen können, doch damals hatte der Sumo-Verband noch seine Einwände gegen die Ernennung zum Yokozuna.

Erst 1993 schaffte es der nächste Hawaiianer Akebono Taro, zum Yokozuna befördert zu werden. Ihm traute man wohl die besondere Würde zu, diesen Rang inne zu haben; Mit den vorangegangenen Rassismusvorwürfen dem Sumoverband gegenüber hatte das wohl nichts zu tun.

Zur Zeit gibt es zwei Sumotori, die als Yokozuna aus ihrem Rang nie mehr absteigen und ihre Karriere nur durch Rücktritt beenden können: Seit 2003 Asashoryu Akinori und seit diesem Jahr Hakuho Sho. Die Kampfnamen sind zwar japanisch, doch die zwei derzeit besten Kämpfer in dieser japanischsten aller Sportarten kommen beide aus der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar.