Boykott: Quorum liegt in weiter Ferne

Carolin Buchheim

Es sind noch gut 34 Stunden bis zum Ablauf der Studiengebühren-Boykott-Frist an der Uni: Morgen Abend, Punkt 20 Uhr, wird gezählt. Bisher haben 2100 Studenten ihre Studiengebühren auf das Boykott-Konto anstatt an die Uni überwiesen. Kommen die restlichen 3400 Überweisungen heute noch zusammen, oder ist der Boykott, wie an der PH, schon gescheitert? fudder hat beim u-asta nachgefragt.

Im Büro des u-asta-Vorstands herrscht heute Mittag geschäftiges Treiben, alle arbeiten am Boykott. Es geht um den Endspurt.

Kontoverwalter überprüfen, ob die eingegangenen Überweisungenen mit den AGB des Boykott übereinstimmen, überweisen das Geld gegebenenfalls zurück und leisten somit  Vorarbeit für Rechtsanwalt Michael Moos, den Verwalter des Treuhandkontos.


2100 Studierenden der Universität haben bisher Geld auf dieses Konto überwiesen; 2100 von insgesamt 22.100 Studierenden, die in diesem Wintersemester an der Uni eingeschrieben sind.

Das selbstgesetzte Quorum von 5500 Überweisungen ist noch lange nicht erreicht, und trotzdem herrscht beim u-asta noch Optimismus.



"Wir haben noch nicht ganz aufgegeben", erzählt Benjamin Greschbach (Bild unten), einer der beiden u-asta-Vorstände. "Unser selbstgesetzter Schlußpunkt ist Morgen Abend um 20 Uhr. Dann wird gezählt, und bis dahin geben wir die Hoffnung, dass der Boykott noch durchgeht, nicht auf." Benjamin redet schnell; aber er hat heute nicht nur viel vor, sondern auch gute Laune. "Wir sehen das immer noch optimistisch." In den letzten Tagen hatte der u-asta seine Boykott-Aktivitäten noch einmal intensiviert. "Wir haben gerade Ende letzter  Woche noch einmal Druck gemacht, damit die Überweisungen rechtzeitig eintreffen, um mitgezählt zu werden. In den letzten Tagen haben wir ganz klar eine steigende Zahl an Überweisungen bemerkt."



Fragt man Benjamin, ob er wirklich glaubt, dass heute noch 3400 Überweisungen eintreffen, dann lacht er, aber Benjamin lacht ohnehin viel. "Wie gesagt, wir sehen das optimistisch."

Sollte das Quorum Morgen Abend nicht erreicht werden, ist der Kampf gegen Studiengebühren an der Uni Freiburg für Benjamin natürlich nicht vorbei. "Der Boykott ist zwar die größte Gelegenheit, die Einführung von Studiengebühren noch zu verhindern, aber wenn der Boykott scheitert, dann muß die Arbeit weitergehen. Dann geht es nicht mehr um das Verhindern der Einführung von Studiengebühren, sondern um die Abschaffung bestehender Studiengebühren."
Außerdem soll dann die Aufmerksamkeit auf die Verwendung der Gebühren gerichtet werden. "Denn immerhin haben manche Institute auf Grund von Kürzungen von Seite des Ministeriums nach der Einführung der Gebühren weniger Geld als vorher."

Auch die Musterprozesse gegen die Studiengebühren in Baden-Württemberg werden ohnehin noch einige Zeit laufen. "Unsere Juristen sagen, dass kann noch ein bis acht Jahre dauern, je nachdem, ob eins der Verwaltungsgerichte die Klage direkt beim Bundesverfassungsgericht vorlegt, oder ob wir durch alle Instanzen müssen."

Der Plan B für den Fall des Scheiterns steht also, aber soweit ist es noch nicht.

"Wer bei der Sparkasse Freiburg/Nördlicher Breisgau ist, der kann das Geld selbst Morgenabend um 19:59 noch überweisen und wird mitgezählt", sagt Benjamin. Und lacht.

Mehr dazu:

  • Info-Hotline (zwischen 14 und 18 Uhr): 0761.2047590

Heute Abend findet in der MensaBar zum zweiten Mal Kulturschock statt, Kulturprogramm zum Boykott für Mithelfer und Interessierte. Mit dabei sind die Kott Boys ('A Capella vom Feinsten'), contenance in the fridge (skatones) und crimson (Reggae, Rock).

Was: Kulturschock
Wann: Mittwoch, 14. Februar 2007. 20:45
Wo: MensaBar
Eintritt: Frei